«Die Themen gehen mir nicht aus»

VERNISSAGE ⋅ Lokalhistoriker Otmar Elsener stellt sein Werk «Rorschach – Geschichten aus der Region» vor. Das Interesse an den Geschichten aus der Hafenstadt und Umgebung ist gross. Ideen hat der Autor noch viele.
30. September 2017, 05:19
Jolanda Riedener

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

«Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass das, was ich schreibe, ankommt», sagt Otmar Elsener während der Podiumsdiskussion zur Vernissage seines neuen Buchs «Rorschach – Geschichten aus der Region». Es ist der zweite Band des Rorschacher Lokalhistorikers und umfasst Beiträge, die im Rorschacher Teil des «St. Galler Tagblatts» erschienen sind.

Dass seine lebendigen Geschichten aus vergangenen Tagen gut ankommen, zeigt auch der grosse Andrang an der Vernissage vom Donnerstagabend, die über 200 Leute in den Saal der HPV lockt. Die Vernissage findet nicht zufällig im Quartier statt, in dem Otmar Elsener als Arbeitersohn aufgewachsen ist. Bereits eine Viertelstunde vor Beginn gibt es nur noch wenige Plätze: Menschenschlangen bilden sich vor dem Verkaufs- und an Otmar Elseners Signiertisch. Zusätzliche Stühle müssen aufgestellt werden.

Elseners Geschichten bewegen Rorschacher

Passagen seines aktuellen Werks, in dem Elsener über Rorschach hinausschaut, lesen sein Sohn Marcel Elsener sowie Martin Buschor fürs Publikum. Eine Diashow zeigt parallel historische Bilder zur jeweiligen Geschichte. Sowohl Bilder als auch die gelesenen Geschichten bewegen insbesondere ältere Anwesende: «Weisch no?», hört man es flüstern, als Bilder der Seegfrörni von 1963 über die Leinwand flimmern und Martin Buschor aus der Geschichte «Ob das Eis wohl bis Nonnenhorn trägt» liest.

Ob ihm die Geschichten denn nie ausgehen würden, fragt Publizist Christian Ledergerber den Autor im Podiumsgespräch. «Es gibt noch eine grosse Liste an Themen, die ich gerne bearbeiten würde», sagt Otmar Elsener. Womöglich reiche seine Zeit dazu aber nicht mehr aus. «Es wird schwieriger, Zeitzeugen zu finden», sagt Elsener. Einige, die er für sein erstes Werk befragt hatte, seien inzwischen verstorben. Ob denn jemand sein Werk einmal weiterführen werde, fragt Ledergerber. «Es wird immer Menschen geben, die sich für die lokale Geschichte interessieren und darüber recherchieren werden», ist Otmar Elsener überzeugt.

An der Diskussion beteiligt sich auch der Historiker Louis Specker: «Gute Geschichtsschreibung beginnt im Lokalen. Aufgabe der Berufshistoriker ist es, die Geschichten in einen Zusammenhang zu stellen.»

Wo er die Ideen für seine Geschichten hernehme, wird Otmar Elsener gefragt. «Zu Beginn vor allem aus meinen Erinnerungen», sagt Elsener. In alten Chroniken oder Zeitungsarchiven entdecke er ausserdem viel Spannendes. Oft habe Louis Specker schon einmal etwas zum Thema geschrieben. Er mache dann eine Geschichte daraus. Von Rorschachern erhalte er auch immer wieder Ideen und wertvolle Tipps, wofür er sich vor dem Publikum bedankt.

Mehr historische Frauengeschichten?

Die einzige Frauenfigur in Elseners Werk taucht in «Das wahre Märchen des Rorschacher Aschenputtels» auf. Gab es früher keine Frauenfiguren oder Heldinnen, will Ledergerber wissen. Er habe schon lange einmal eine Geschichte über Wanda Weber-Bentele – bei ihr haben früher alle Tanzen gelernt – schreiben wollen, sagt Otmar Elsener. Das Publikum lacht – vielen ist ihr Name wohl bekannt.

«Es gibt definitiv noch Nachholbedarf bei den Frauen», räumt auch Historiker Louis Specker ein. Allerdings hätten Frauen früher generell weniger Niederschlag in schriftlicher Form erfahren als Männer.

Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Niklaus Looser und Roman Elsener. Neben Roman und Marcel Elsener wirkt auch Elseners dritter Sohn Adrian Elsener am Buch mit. Erhältlich ist der zweite Band bei der Rorschacher Mercerie Mösch an der Hauptstrasse 41 und bei der Tourist Information Rorschach, an der Hauptstrasse 56.

Rorschach – Geschichten aus der Region

Appenzeller Verlag, ISBN 978-3-85882-784-5


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