«Dialog ist am wichtigsten für mich»

HETZE ⋅ Der Gemeindepräsident entziehte sich jeder Verantwortung und nehme die Anliegen der Bevölkerung nicht ernst, ist im Leserbrief von Michael Fitzi zu lesen. Robert Raths weist diese Vorwürfe vehement von sich.
10. Juni 2017, 05:17
Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Die im Leserbrief vom Thaler SVP-Vorstandsmitglied Michael Fitzi (Ausgabe vom 7. Juni) geäusserten Anschuldigungen in Richtung Gemeindepräsident Robert Raths sind happig. Dieser ­behaupte zwar, man könne ihn ­jederzeit kontaktieren, unter­nehme aber in konkreten Fällen nichts. Die Geduld der Bevölkerung werde auf eine harte Probe gestellt. Robert Raths will diese «falschen Anschuldigungen» nicht mehr auf sich sitzen lassen und nimmt in nachfolgenden Interview Stellung.

Herr Raths, wieso kümmern Sie sich nicht um Ihre Bürgerinnen und Bürger?

Ich bin seit über 18 Jahren hier in Thal Gemeindepräsident. Und wenn es eines gibt, was ich tue, dann ist es, den Bürger ernst nehmen und mich um seine Anliegen kümmern. Und das mache ich sieben Tage die Woche und wenn es nötig ist auch während 24 Stunden. Meine Handynummer ist draussen am Rathaus auf dem Infokasten angeschlagen. Jeder, der sich auch ausserhalb der üblichen Öffnungszeiten an mich wenden möchte, kann dies jederzeit tun.

Wenn Sie sich so für die Bürger einsetzen, wieso lehnen Sie denn die Zu­ständigkeit bei angeblichen Problemen mit unbegleiteten, minderjährigen Asylsuchenden (UMA) ab?

Weil ich für unbegleitete, minderjährige Asylsuchende von der Marienburg nicht direkt verantwortlich bin.

Was heisst da?

Für die in der Marienburg bei ­optimaler Infrastruktur untergebrachten Jugendlichen ist der Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen (TISG) der 77 St. Galler Gemeinden zuständig. Keine Frage, selbstverständlich nehme ich Reaktionen und Meldungen aus der Bürgerschaft in dieser Angelegenheit entgegen; leite diese dann aber weiter, denn verantwortlich ist wie gesagt der TISG.

Die SVP-Ortspartei Thal spricht davon, dass Frauen in der Nähe der Marienburg von UMA angegangen und belästigt worden seien. Können Sie bestätigen, dass es zu solchen Fällen gekommen ist?

Ich wurde bisher persönlich mit keinen derartigen Vorkommnissen konfrontiert. Richtig ist, dass SVP-Präsident Raphael Graber bei mir im Rathaus war und mit so einem Fall vorstellig wurde. Ich habe ihm den Besuch der ­Informationsveranstaltung vom 22. Mai in der Marienburg empfohlen, um das Thema dort mit den Verantwortlichen diskutieren zu können. Doch leider habe ich weder ihn noch andere Personen, die nun fragen «Was muss noch alles passieren», an der Veranstaltung gesehen.

Was, wenn tatsächlich Frauen von UMA belästigt werden?

Gelangt eine solche Meldung zu mir, dann informiere ich als ­Erstes Roger Hochreutener, den Asylkoordinator der Vereinigung der St. Galler Gemeinden. Er wird dann die nötigen Schritte einleiten. Deshalb ist es auch wichtig, einen guten Draht zu den Verantwortlichen in der Marienburg zu haben und auch weiterhin dort Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung zu veranstalten. Auf jene vom 22. Mai hatten wir übrigens viele positive Rückmeldungen.

Dennoch waren dort auch viele besorgte Stimmen von Bürgerinnen und Bürgern zu hören. Was sagen Sie dazu?

Das ist richtig, diese Stimmen sind mir nicht verborgen geblieben. Solche Rückmeldungen sind auch wichtig, damit wir die nötigen Korrekturen in die Wege leiten können.

Was wurde denn in der ­Zwischenzeit konkret gegen nächtliche Ruhestörung und Rudelbildung unternommen?

Seit der Informationsveranstaltung haben elf ausserplanmäs­sige Kontrollen stattgefunden. Roger Hochreutener hat mich darüber informiert. Ich bin selber auch in der Nacht in der Gemeinde unterwegs und halte ein Auge auf die Geschehnisse. Ich möchte aber festhalten, dass nicht nur unbegleitete, minderjährige Asylsuchende in der Gemeinde oder am Bahnhof in Rheineck unterwegs sind, sondern auch andere Jugendliche.

Apropos Bahnhof Rheineck, wie dramatisch ist die Situation dort tatsächlich?

Es ist in der Bevölkerung eine ­gewisse Unsicherheit zu spüren, weil dort oft UMA anzutreffen sind. Aber meines Wissens hat es dort keine negativen Vorkommnisse gegeben. Ausserdem hat auch Rheineck die Kontrollen intensiviert.

Sie haben in Aussicht gestellt, dass in einem Jahr eine weitere Informationsveranstaltung stattfindet. Es werden also noch länger Asylsuchende unter 18 Jahren in der Marienburg leben?

Das ist richtig. In den nächsten vier bis fünf Jahren wird es UMA in der Marienburg haben. Einige davon werden hierbleiben. Heissen wir sie doch einfach willkommen, in der Gesellschaft und auch im Vereinsleben. Je besser wir sie bei uns integrieren, umso besser sind auch die Chancen, dass sie ihr Leben selber bewältigen können.


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