Ein Erinnerungsstück, an dessen Ursprung sich niemand erinnert

RÄTSEL ⋅ Zwischen Parkplatz des Hotels Hecht und der Bahnhofstrasse in Rheineck steht ein Stein. Eine bronzene Gedenktafel erinnert an die Grenzbesetzung 1939–1945. Wie und wann der Stein dorthin kam, weiss niemand.
14. November 2017, 07:19
Kurt Latzer

Kurt Latzer

redaktionot@tagblatt.ch

Den Brocken Granit mit der kupferfarbenen Platte findet man eher zufällig. Er ragt aus dem Grün einer Rabatte an der Rhein­ecker Bahnhofstrasse, davor lädt eine Holzbank zum Rasten ein. Auf der Gedenktafel, die abgewandt von Strasse und Trottoir montiert ist, ist zu lesen: «Für die Freiheit des Vaterlandes, Grenzbesetzung 1939–1945, GZ Füs KP II/288». Nach einer Jahreszahl oder einem Namen sucht man auf Stein und Tafel vergeblich.

Auch die Verwaltung ist ratlos

Auch Peter Eggenberger, Buchautor und Vater des Appenzeller Witzwanderweges, ist per Zufall auf den Monolithen gestossen. Seither ist er auf der Suche nach den Leuten, die das Denkmal initiiert und gesetzt haben. «Inzwischen habe ich mit einigen alten Rhein­eckern gesprochen. Keiner weiss, wer den Stein an seinem heutigen Standort platziert hat», sagt Eggenberger.

Die Nachfrage auf der Stadtverwaltung führte ebenfalls zu keinem Ergebnis. Stadtschreiber Gabriel Macedo hat in alten Protokollen nach Anhaltspunkten gesucht – umsonst. Macedo hat dasselbe Problem wie diese Zeitung: Lässt sich der Zeitraum, zu dem der Stein gesetzt wurde, nicht eingrenzen, ist die Suche nach alten Unterlagen oder Zeitungsausschnitten wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Denkmal hat Platz nicht verdient

Immer wieder gab es einen Lichtblick. So hat Peter Eggenberger von einem alten Rheinecker erfahren, dass auf dem Steinigen Tisch eine ähnliche Gedenktafel zu finden ist. Seines Wissens sei diese von einem ehemaligen Gärtnereibesitzer lanciert worden. Ob dieser in Thal oder in Rheineck daheim war, wusste Eggenbergers Informant nicht. Die Suche nach dem Gärtner war bisher nicht von Erfolg gekrönt. Und da ist noch die Gedenktafel, deren Lettern jemand gegossen oder anderswie geformt haben muss. Auch diese Spur führt ins Leere. Die E. Soland GmbH in Brugg im Aargau ist eine der Firmen, die seit 1952 unter anderem auch Gedenktafeln herstellt.

«In der Schweiz gibt es nur noch drei Firmen, die Buchstaben, Schilder und Ähnliches herstellen», sagt Peca Petrovic, Geschäftsführer bei Soland. Aufgrund des Schrifttyps geht Pe­- trovic davon aus, dass es sich bei der Rheinecker Gedenktafel um kein Schweizer Fabrikat handelt. «Ich vermute, eine Giesserei oder Schilderfabrik aus Deutschland hat die Tafel angefertigt», sagt der Soland-Geschäftsführer.

Ganz gleich, wer den Gedenkstein gestiftet hat: Den Platz, an dem er steht, hat er nicht verdient. Schräg vis-à-vis der kleinen Rabatte heisst es auf einem Schild «Willkommen in Rhein­eck». Die Ortseingangstafel ist mit Geranien geschmückt und steht in einem kleinen, bepflanzten Steingarten. Dort hätte das Denkmal, das niemand zu kennen scheint, einen ehrwürdigeren Platz.

Wer etwas über den Gedenkstein weiss, wird gebeten, sich zu melden: redaktionot@tagblatt.ch


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