Das Theater der Politiker

ABSTIMMUNG ⋅ Ein Theater diene nicht nur Reichen. Der Kanton habe sich verschätzt. Das betonen Politiker der Region Rorschach am Podiumsgespräch zur kommenden Abstimmung. Aus der Bevölkerung kamen wenige.
15. Februar 2018, 05:20
Fritz Bichsel

An Theatern spiegeln sich politische Gegensätze: Bedeutung für die Region und die Bildung einerseits, Kritik an hohen Kosten und Subventionen andererseits. Entlang dieser Linien diskutieren am Dienstagabend Politiker aus verschiedenen Lagern an einem überparteilichen Podium im «Stadthof» in Rorschach. Darunter waren der FDP-Kantonalpräsident Raphael Frei und die CVP-Kantonsrätin Monika Lehmann, beide aus Rorschacherberg als Befürworter des Kredits. SVP-Kantonsrat Sando Wasserfallen aus Goldach vertrat das Nein-Lager. Am 4. März wird das Stimmvolk im Kanton über die Sanierung des Theaters St. Gallen entscheiden.

Sandro Wasserfallen kritisiert «den hohen Anteil von fast der Hälfte der Kulturbeiträge des Kantons» für Konzert und Theater St. Gallen. Für Einrichtungen, die wenig Leute mit tieferem Einkommen nutzten. Zudem bringe die geplante Sanierung keine Vorteile für Besucher. Raphael hingegen Frei betont «die Ausstrahlung des Theaters bis über die Kantonsgrenzen hinaus», damit den «Standortvorteil für die ganze Region». Monika Lehmann sieht das Theater «als Bildungseinrichtung, die öffentlich mitfinanziert werden soll wie Schulen». Es diene auch Schülern und Studenten und bereits Kindern, «ab zehn Franken für einen Eintritt». So beurteilen auch die Gemeinden der Region Rorschach das Theater St. Gallen, das von hier viele Besucher hat: Sie zahlen jährlich Beiträge.

Sandro Wasserfallen betont das Hauptargument des vorwiegend von der SVP getragenen Nein-Lagers: Ein Neubau als Alternative sei nicht berechnet worden. Regierungsrat Marc Mächler als kantonaler Bauchef und Monika Lehmann als Mitglied der Kommission des Kantonsrates nennen Kostenschätzungen von «130 bis 150 Millionen plus Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes für andere Zwecke». Wegen absehbarer Ablehnung wäre ein millionenteures Neubauprojekt nutzlos. Der FDP-Präsident und die CVP-Kantonsrätin sehen hier ein «taktisches Manöver.» Denn die SVP würde den viel höheren Neubaukredit ebenfalls bekämpfen, sind sie überzeugt.

Nun alles einberechnet oder ein Fass ohne Boden?

Als Moderator lenkt FDP-Regionalpräsident Felix Kuster die Diskussion auch zum weiteren grossen Streitpunkt: Zu den dreifachen Sanierungskosten im Vergleich zur Schätzung bei der Übernahme des Theaters durch den Kanton. Damals waren jährlich eine Million Franken für laufende, 14 Millionen für einmalige Neuerungen vorgesehen. Investiert wurde wegen Sparpaketen und dringenderer Vorhaben aber nichts. So wären inzwischen 24 Millionen Franken plus Bauteuerung seit zehn Jahren fällig. Rein für die Sanierung sind jetzt 30 Millionen beantragt. Regierungsrat Mächler hatte im Informationsteil vor dem Podiumsgespräch unter anderem dargelegt, was hinzukommt: Gegen 10 Millionen für einen Anbau, damit die inzwischen deutlich mehr Mitarbeitenden Arbeitsplätze gemäss Gesetz erhalten, oder 4,5 Millionen für ein Provisorium und weitere 4 als Reserve. So werden den Bürgern total 48,6 Millionen Franken beantragt. Sandro Wasserfallen teilt aufgrund dieser Erfahrungen und Zahlen die Befürchtung von Gegnern, es komme noch mehr. Der Vorwurf «Fass ohne Boden» sei gerechtfertigt.

Der Kredit fürs Theater scheint Politiker mehr zu bewegen als die Bevölkerung; 30 Personen nahmen am Anlass in Rorschach teil.

Fritz Bichsel

redaktionot

@tagblatt.ch


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