Chläuse läuten den Advent ein

RORSCHACH ⋅ Mit reich gefüllten Säcken und Laternen sind am Samstagabend über 60 Samichläuse durch die Hafenstadt gezogen. Der Klauseinzug ist ein Publikumsmagnet.
04. Dezember 2017, 07:04
Linda Müntener

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

 

Der Bub späht gespannt zum Ende der Strasse. «Wenn chunnt er?», fragt er seine Mutter. Es dauere nicht mehr lange, versichert sie. Noch einmal sagt der Bub sein Sprüchli auf. Auswendig. Dafür hat er lange geübt. Hunderte Familien sind an diesem bitterkalten Dezemberabend in die Hafenstadt gekommen. Einige warten schon seit Minuten am Strassenrand. Dann: Schellenklänge. Die ersten Chläuse, schwarze Umhänge, graue Bärte, marschieren über die Hauptstrasse. Nur ihre Laternen und die Weihnachtsbeleuchtung erhellen die Stadt. Aus der Ferne ertönen weihnachtliche Trompetenklänge.

Mit reich gefüllten Säcken und Laternen sind am Samstagabend über 60 Samichläuse durch Rorschach gezogen. Der Chlauseinzug der Rorschacher Chlausenzunft läutet die Adventszeit ein und hat in der Hafenstadt eine lange Tradition. Hunderte Kinder haben ihre Sprüchli aufgesagt und wurden dafür mir Biberli, Nüssli und Mandarinli belohnt. (Bilder: Urs Bucher)

Der Klauseinzug ist der Höhepunkt der Winterzeit in Rorschach. Und er ist gleichzeitig der Auftakt zur Adventszeit. Organisiert von der Klausenzunft Rorschach, ziehen am Samstagabend über 60 Kläuse durchs Stadtzentrum. Ihr Weg führt vom Bodan bis zum Lindenplatz. Aus der Kutsche winken Sankt Nikolaus und sein Begleiter Schmutzli. An deren Seite geht eine Garde von silbergrau gekleideten Chläusen. Diesem Gespann folgen die rot gekleideten Chläuse. Sie werden von den Kindern bereits erwartet. Denn die roten Chläuse sind es, die den Sack mit Nüssli, Mandarinli und Biberli tragen. Das gibt es aber nur gegen ein Sprüchli, versteht sich.
 

Der Nikolaus rät zu Geduld und Toleranz

Eine gute Stunde dauert es, bis alle Sprüchli aufgesagt und die Säcke leer sind. Die Pferdekutsche mit Sankt Nikolaus biegt ab und trifft pünktlich auf dem weihnachtlich geschmückten Lindenplatz ein. Dort herrscht eine besinnliche Stimmung. Das Adventsfenster an der Laterne ist geöffnet, die Schaulustigen wärmen sich mit Glühwein oder Punsch auf. Der Nikolaus schreitet durch die Masse und nimmt auf der Bühne Platz. Davor haben sich bereits zahlreiche Kinder versammelt. Wer besonders mutig ist, sagt sein Sprüchli nun noch einmal auf – auf der Bühne ins Mikrofon. Dazwischen gibt’s Musik, der Nikolaus und seine Garde-Chläuse lesen Geschichten und Gedichte vor. Ein Gedicht handelt vom Alltag, der wie der Wahn auf unserer «Jahrkreisautobahn» rast. «Doch jetzt, wenn Nächte früher starten, erkennt man wieder Sinn im Warten», sagt der Nikolaus. Der Advent verlange Geduld. Er verlange, das Tempo stark zu senken. Und der Nikolaus rät, rundum Toleranz zu schenken.


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