Aufstand im Paradies

STEINACH ⋅ Im Mobilheimpark Weidenhof ist nichts mehr, wie es einmal war, sagen Mieter. Die Gemeinde vernachlässige die Anlage, auf Beschwerden reagiere sie nicht. Der Gemeindepräsident weist die Kritik zurück.
05. Dezember 2017, 05:19
Linda Müntener

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

«Ein kleines Paradies» – so preist die Gemeinde Steinach den Mobilheim-Park Weidenhof auf ihrer Webseite an. In 74 Mobilheimen direkt am See verbringen hier Einheimische und Auswärtige ihre Sommerferien oder Wochenenden. Für einige langjährige Mieter herrschen aber längst keine paradiesischen Zustände mehr. «Wir bekommen immer weniger Leistung für den selben Preis», sagt Irène Fehrenbach. Die Steinacherin verbringt die Sommermonate seit über 20 Jahren in ihrem Mobilheim am See. Und sie ist Wortführerin einer fünfzehnköpfigen Gruppe, die sich vom Gemeinderat nicht ernst genommen fühlt.

Irenè Fehrenbachs Beschwerdeliste ist lang. Die Gemeinde als Eigentümerin vernachlässige die Unterhaltsarbeiten. Das Schwimmbad werde nicht mehr geheizt. Der Park sei nachts ohne Licht. Das Schilf versperre die Seesicht. Und: Die Idylle werde durch das nahe gelegene Hafenrestaurant gestört. «Seit Jahren gibt’s dort Ballermann bis tief in die Nacht», sagt Irène Fehrenbach. All diese Punkte habe sie Gemeindepräsident Roland Brändli im Mai in der Bürgersprechstunde dargelegt – und bis heute keine Stellungnahme erhalten. Der Gemeindepräsident habe ihr eine solche zugesagt, mehrmals. «Man hat nie das Gespräch mit uns gesucht. Das enttäuscht mich.»

Strenge Vorschriften zum Schutz der Vögel

Gemeindepräsident Roland Brändli zeigt sich überrascht über den Vorwurf. Weitere Beschwerden seien beim Gemeinderat bis heute nicht eingegangen, die bemängelten Punkte habe er Irène Fehrenbach bereits im Mai erklärt. Er kennt ihre Liste. «Das Schwimmbad wird schon länger nicht mehr beheizt», sagt Brändli. Der Park liege in der Nähe eines Naturschutzgebiets, deshalb verzichte man nachts auf eine Beleuchtung. «Lichtemissionen sind für die Umwelt ein zunehmendes Problem», sagt der Gemeindepräsident. «Es ist sinnvoller, wenn ein Einzelner mit Taschenlampe unterwegs ist, statt den ganzen Park 24 Stunden lang zu beleuchten.» Der Vogelschutz sei der Grund dafür, dass man das Schilf zurückhaltend schneide. Denn das Gebiet im Weidenhof ist ein nationales Zugvogelschutzreservat. «Während der Brutzeit gelten hier strenge Vorschriften», sagt Brändli. Dass es wegen des Hafenrestaurants immer wieder zu Lärmbeschwerden kommt, hört er nicht zum ersten Mal. «Der Gemeinderat hat die Anlässe deshalb auf zwei pro Jahr beschränkt.»

Den Vorwurf, der Park werde vernachlässigt, lässt Brändli hingegen nicht gelten. Für den Unterhalt ist der Werkhof zuständig. Die Organisation funktioniere, von Reklamationen wisse er nichts. Dass die Gemeinde den Wert der Anlage zu schätzen wisse, zeigten auch die Investitionen: Ende 2014 wurde der Ostteil des Weidenhofs für 1,6 Millionen Franken saniert. Grund: marode Gasleitungen. Elf Mobilheime im Westen des Parks wurden im Zuge der Sanierung in den Osten gezügelt. Dafür sind die WC-Anlagen gewichen, seither muss jeder Mobilheimbesitzer eine eigene sanitäre Anlage betreiben. Der freie Teil im Westen soll künftig der Öffentlichkeit zu Gute kommen, ein Teil des Dorfzentrums werden. Genauso wie das Pavillon-Areal am See, das seit 2016 für die Bevölkerung zugänglich ist und für Feiern gemietet werden kann. Das stösst alteingesessenen Mietern sauer auf. «Früher hatten wir diese Oase für uns», sagt Irène Fehrenbach. Roland Brändli versteht den Ärger. Aber: «Die Steinacher stellen hier Externen eine wunderbare Anlage zur Verfügung.» Die Sanierung hätten die Steuerzahler bezahlt. «Sie haben das Recht darauf, etwas zurückzubekommen.»

Mietreduktion kommt für Rat nicht in Frage

Vor dieser Sanierung hätten Schwimmbadheizung und Beleuchtung noch funktioniert, sagt Irène Fehrenbach. Sie und ihr Mann sind trotz allem gerne im Weidenhof. Wenigstens eine Mietreduktion fände sie aber angebracht. Die Jahresmietgebühr für einen Platz liegt bei 4695 Franken, hinzu kommen Nebenkosten von 860 Franken. Damit ist der Betrieb des Parks laut Brändli für die kommenden 25 Jahre kostenneutral gesichert. Mit einer Mietreduktion wäre dies nicht möglich. «Die Anlage darf nicht über den Steuerfuss subventioniert werden», sagt er. Für einen Platz in vergleichbaren Anlagen am See zahle man einen ähnlichen Preis. An Interessenten mangelt es in Steinach jedenfalls nicht. Die Warteliste fürs Paradies ist lang.


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