Weise Frauen und gute «Hexen»

AUSTAUSCH ⋅ Gegen 300 Bäuerinnen folgten der Einladung des Landfrauenvereins Thal-Rheineck zur Tagung in der Bützelhalle in Buechen/Thal. Gemütlichkeit und das Thema Wasser standen dabei im Mittelpunkt.

20. März 2017, 05:36
Rudolf Hirtl

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Wally Herzog begrüsst als Präsidentin der Landfrauen Thal-Rheineck die Vertreterinnen der anderen Vereine und die Kolleginnen aus dem Gebiet Mittelrheintal bis Rorschach. Nach dem Eröffnungslied «Of em Buechberg» richtet Thals Gemeindepräsident Robert Raths ein paar Worte an die versammelten Landfrauen. Er bedankt sich insbesondere auch für das grosse Engagement der hiesigen Vertretung. Die Gemeinde greife beispielsweise bei Neuzuzügerfeiern oder Personalanlässen gerne auf das Know-how der Landfrauen zurück. Es sei ein guter und wichtiger Verein für das Dorf.

Eine angeregte Debatte über Themen, die der Landwirtschaft unter den Fingern brennen, findet in der Bützelhalle nicht statt. Es ist vielmehr ein geselliges Aufeinandertreffen, umrahmt mit Gesang, an dem sich die Frauen austauschen. Kantonalpräsidentin Petra Artho bedankt sich bei den Organisatorinnen für eine lebendige und unterhaltsame Tagung, die, obwohl sie unter dem Motto «Wasser – Quelle des Lebens» stehe, keinesfalls wässrig und lau sei. Sie macht darauf aufmerksam, dass auf der Homepage schon bald eine Trachtenbörse aufgeschaltet werde, was mit wohlwollender Zustimmung quittiert wird.

Das unterirdische Wissen als ein Privileg der Frauen

Sie erinnert auch an das Hilfeangebot des Verbandes, der bei Problemen jeglicher Art ein Coaching für Bauernfamilien anbiete. Ein Coaching hätte sich vielleicht auch Pfarrer Klaus Steinmetz gewünscht, der zu Beginn seines Referates «Wasser – fliessendes Glück» scherzend bemerkt, dass ihm schon etwas mulmig sei, vor 280 Frauen zu sprechen. Der Pfarrer blickt weit zurück, bis ins Jahr 1490, als entlang des Rheins noch Landvogte herrschten, die das Volk in ihrer jeweils nur zwei Jahre dauernden Amtsschaft auspressten. Er spannt den Boden weiter zu den damaligen Ängsten, als Überschwemmungen noch die denkbar grössten Katastrophen waren. «Kein Wunder, gibt es 200 Geschichten über die Sintflut», so Steinmetz.

Schon damals hätten weise Frauen, man habe sie auch Hexen genannt, viel über die Natur und damit auch über Wasser gewusst. Etwa über die Kommunikation zwischen Wurzeln und Erde. Und damals wie auch heute bekämen die Männer von dieser unterirdischen Kommunikation der Frauen wenig mit. Dass Luft als Element zu den Männern gehöre, merke man etwa an Trump und Erdogan. Beide müssten dringend geerdet werden.

«Vielleicht hat es auch heute ein paar Hexen unter Ihnen, aber selbstverständlich im positiven Sinn», sagt Steinmetz und sorgt für ein Raunen in den Reihen der Frauen. Viele junge Menschen hätten die Bodenhaftung verloren, fügt der Pfarrer an. Die Landfrauen im Saal hingegen besässen die nötige Weisheit. «Helfen Sie mit, dieses Wissen für die Zukunft zu erhalten.»


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