Vorsicht vor der Nadel

RORSCHACHERBERG ⋅ Dass ein Sechsjähriger auf dem Schulweg eine volle Spritze gefunden hat, löst in den sozialen Medien Empörung aus. Die Polizei relativiert, die Beratungsstelle für Suchtfragen rät zur Vorsicht.
17. Februar 2017, 15:43
LINDA MÜNTENER
Die Geschichte verbreitet sich in den sozialen Medien wie ein Lauffeuer.  Der sechsjährige Sohn des Rorschacherbergers Vlada de Carvalho hatte am Dienstag auf dem Schulweg in der Nähe des Tennisplatzes an der Zelgstrasse eine Spritze gefunden und nach Hause gebracht. Die Spritze sei mit einer weissen Flüssigkeit aufgezogen gewesen, sagte Carvalho gegenüber «20 Minuten». Er brachte seinen Sohn ins Spital, der Drogentest fiel negativ aus. Um andere Eltern zu sensibilisieren, warnt sie der Vater mit einem Facebook-Post. «Bitte klärt eure Kinder auf», schreibt er. Sein Beitrag wurde bis gestern über 120-mal in den sozialen Netzwerken geteilt und fleissig kommentiert. Viele Kommentatoren zeigen sich empört und verunsichert.  «Krass», «Unglaublich», «Was sind das für Menschen?» – so die Reaktionen.

Vlada de Carvalho hat auch die Kantonspolizei St.Gallen über den Fund informiert. Beamte seien daraufhin mit dem Knaben den Weg nochmals entlanggegangen. «Dabei wurden keine weiteren Spritzen oder ähnliche Gegenstände gefunden», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, auf Anfrage. Der Fund des Sechsjährigen sei kein Einzelfall. Spritzen würden vor allem in der Nähe von öffentlichen Plätzen hin und wieder weggeworfen. Das sei ärgerlich. Der Polizeisprecher zeigt Verständnis für die Besorgnis der Eltern, die Gemeinde Rorschacherberg sei der Kantonspolizei aber nicht als Treffpunkt für Drogensüchtige bekannt. «Eine Spritze muss auch nicht immer zwingend von einem Drogenkonsumenten stammen.» Womit die Spritze aus Rorschacherberg gefüllt war, wird derzeit noch untersucht.



Hautkontakt vermeiden, bei Verletzung zum Arzt
Nicht nur die Kantonspolizei, auch die Gemeinde hat bereits reagiert. Das Bauamt kontrolliert nun regelmässig die Wege, die Securitas-Patrouillen wurden darauf hingewiesen, rund ums Schulareal besonders auf verdächtige Gegenstände zu achten. Schulleiter und Lehrpersonen wurden laut Schulpräsident Markus Fässler informiert und haben die Schülerinnen und Schüler auf das richtige Verhalten in einem solchen Fall aufmerksam gemacht.

Werden in Parkanlagen, an Wegrändern, auf Spielplätzen, in öffentlichen Toiletten oder an einem anderen Ort im öffentlichen Raum Spritzen gefunden, ist in jedem Fall Vorsicht geboten. Die regionale Beratungsstelle für Suchtfragen in Rorschach rät Findern, Hautkontakt zu vermeiden. Um die Spritze aufzuheben, kann man ein Papiertaschentuch, Handschuhe oder im Idealfall eine Greifzange verwenden. Wenn sich die Schutzkappe auf der Nadel der Spritze befindet, ist diese dort zu belassen. Andernfalls sollte der Finder in keinem Fall versuchen, die Kappe auf die Nadel zu stecken. Dabei könnte man sich leicht stechen. Empfohlen wird, die Spritze in einem stabilen Behälter wie beispielsweise in einer Flasche oder einer Aluminiumdose zu deponieren. Wegen der hohen Verletzungsgefahr sollte sie nicht unverpackt in einen öffentlichen Abfalleimer oder den Hauskehricht geworfen werden. Die stichsicher verpackte Spritze könne man zur sachgerechten Entsorgung auch in eine Apotheke bringen, heisst es bei der Beratungsstelle für Suchtfragen weiter. Kommt es trotz aller Vorsicht zu einer Nadelstichverletzung, muss die betroffene Stelle sofort gereinigt und wenn möglich desinfiziert werden. Wie im Fall des sechsjährigen Knaben aus Rorschacherberg sollte zudem sofort ein Arzt kontaktiert werden.
 

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