Von Falken und Filmprojektoren

Die Ausstellung «Rorschach und Umgebung um 1900» lässt im Kulturraum Ex-Ex-Libris Lokalgeschichte aufleben. Heute Donnerstag wird sie mit einer Vernissage offiziell eröffnet.
14. Februar 2013, 01:34

RORSCHACH. «Wir sind etwas spät dran. Die müssen wir alle noch aufhängen», sagt Markus Fausel und betrachtet die vielen Bilder, die entlang der Wände im Kulturraum Ex-Ex-Libris aufgereiht sind. Die Fotografien, allesamt aufgenommen vor über 100 Jahren, erzählen längst vergessene Geschichten – vom alten Friedhof bei der Kolumbanskirche, von der noch nicht befahrenen Rorschacher Hauptstrasse, von Bodensee-Dampfern, die längst nicht mehr unterwegs sind.

Lokalhistorischer Schatz

Die Bilder – grosse, dezent kolorierte Abzüge von uralten Negativen – lagerten seit etwa einem Jahrzehnt im Kornhaus, wo sie bereits einmal ausgestellt worden waren. Die Originale stammen von Markus Fausels Grossvater, der sie zwischen 1890 und 1910 fotografierte. Für Leute, die sich für die Geschichte der Region Rorschach interessieren, sind sie ein wahrer Schatz. «Wir hatten schon länger die Idee, die Bilder erneut der Öffentlichkeit zu präsentieren und haben gesehen dass das Ex-Ex-Libris-Gebäude leer stand», erzählt Fred Schuppisser, der die Ausstellung gemeinsam mit Fausel organisiert. Die beiden haben die Wände frisch bemalt, «damit es auch etwas hermacht», wie Schuppisser sagt. Der Kulturraum erlebt damit wohl zum letzten Mal einen Höhepunkt, bevor das Gebäude im Sommer abgerissen wird.

Neben den Fotografien werden in der Ausstellung viele weitere Exponate mit lokalem Hintergrund gezeigt. Zu sehen gibt es etwa den grossen, bemalten Falken, der früher den Eingang des Gasthauses Zum Falken (lange Zeit «Hafenkneipe», heute «Haus zum Falken») schmückte. Ebenfalls kann man einen alten, handbetriebenen Filmprojektor bewundern, der um die Jahrhundertwende – noch bevor es die ersten Lichtspielhäuser in der Region gab – als eine Art mobiles Kino auf Jahrmärkten genutzt wurde.

Referat von Richard Lehner

Heute Donnerstag wird die Ausstellung um 19 Uhr mit einem Apéro und einem Referat von Stadtbibliothekar Richard Lehner eröffnet. Die Ausstellung soll «mindestens bis Anfang April» im Kulturraum bleiben, sagen Schuppisser und Fausel – zumindest so lange, wie Interesse bestehe.

Während den Öffnungszeiten werde immer zumindest einer der beiden anwesend sein, um Fragen zu beantworten und von den Besuchern neue Geschichten zu erfahren. (ff)

Öffnungszeiten: Von Mittwoch bis Freitag 14–18 Uhr. Samstag 11–17 Uhr. Eintritt gratis.

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