Vertrauen missbraucht

VERUNTREUUNG ⋅ Bei der Budgetkontrolle fällt auf, dass der Kommandant der Feuerwehr Horn ungerechtfertigt Sold und Benzin bezogen hat. Massnahmen, die solches Handeln verhindern, sieht der Gemeinderat nicht vor.
21. März 2017, 06:19
Simon Roth
Nicht mit krimineller Energie, sondern aus Not habe der ehemalige Horner Feuerwehr-Kommandant gehandelt, sagt Gemeindeammann Thomas Fehr. Aufgrund ungerechtfertigter Benzin- sowie Soldbezügen hat der Gemeinderat diesen per sofort von seinem Amt freigestellt. Da es sich um eine persönliche Angelegenheit handle, wolle Fehr auf die Beweggründe des Ex-Feuerwehr-Kommandanten nicht eingehen. «Der Gemeinderat kann die Erklärung zu den Hintergründen nachvollziehen, verurteilt solche Handlungen aber grundsätzlich.»

Der Gemeindeammann spricht von Enttäuschung gegenüber einem Angehörigen der Feuerwehr, der seit 1990 als Feuerwehrmann und Offizier sowie während 15 Jahren als Kommandant im Dienst stand.

Vereinbarung regelt Rückzahlung der Gelder
Über die Höhe der veruntreuten Gelder äussert sich Fehr nicht. «Der Gemeinde ist kein Schaden entstanden», sagt er lediglich und verweist auf die mit dem geständigen Kommandanten getroffene Vereinbarung. Diese regle «die vollständige Rückzahlung aller Ausstände» sowie weitere Modalitäten. Auch über welchen Zeitraum die Vereinbarung gilt, schweigt sich Fehr aus. Weshalb gerade ein langjähriges Mitglied sich auf Kosten der Allgemeinheit bereicherte, bleibt deshalb im Ungewissen.

Fest steht allerdings, dass die ungerechtfertigten Bezüge auf die Jahre 2015 und 2016 zurückzuführen sind. «Die finanziellen Unstimmigkeiten sind durch das interne Kontrollsystem festgestellt worden», sagt Fehr. Weil der bisherige Kommandant die Richtigkeit der Vorwürfe gegenüber dem Gemeinderat sofort bestätigte und «grosse Reue» zeigte, sehe die Gemeinde ausser einer Rüge und der unmittelbaren Ablösung vom Kommando von weiteren rechtlichen Schritten ab.

Neu kommandiert Hauptmann Willi Frischknecht die Feuerwehr Horn. Der bisherige Vizekommandant trägt nun die Verantwortung über die rund 60 Angehörigen der Feuerwehr. Das Korps sei vorgängig über die Angelegenheit informiert worden. Dort ist die Reaktion und Entscheidung des Gemeinderates  laut Fehr auf Akzeptanz und Unterstützung für den neuen Kommandanten gestossen.

Doch wer garantiert, dass das Geschehene sich nicht wiederholt? «Bei Führungspersonen gehört ein gewisses Grundvertrauen dazu», sagt Fehr.

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