Pfarrer-Löhne in der Kritik

KIRCHENJOBS ⋅ Nicht nur Gemeindepräsidenten verdienen nach Meinung eines Tagblatt-Lesers fürstlich. Dies gelte auch für das göttliche Bodenpersonal. Ob das auch stimmt, legt Kirchenverwaltungspräsident Stefan Meier offen.
28. Februar 2017, 07:59
Rudolf Hirtl
Spätestens seit der Limburger Protz-Bischof Tebartz-van Elst eine 31 Millionen Euro teure Residenz bauen liess, schaut die halbe christliche Welt mit Argusaugen hin, wenn von Geld die Rede ist. Da erstaunt es auch nicht, dass nach der Veröffentlichung der Löhne der St. Galler Gemeindepräsidenten (Ausgabe vom 23. Februar) auch die Diskussion über die «Abzocker in der Kirche» wieder aufflammt.
«Das göttliche Bodenpersonal hat fürstliche Löhne, einen krisensicheren Job und versteckte Lohnanteile», echauffiert sich ein Tagblatt-Leser und fügt an: «Würde man diese Löhne genauer unter die Lupe nehmen, die Leute würden noch mehr erschrecken als bei den Löhnen der Gemeindepräsidenten.»

Lange Ausbildung und hohe Präsenzzeit
«Lächerlich. Das stimmt einfach nicht», sagt Stefan Meier, Verwaltungsratspräsident der Katholischen Kirche Region Rorschach, auf die fürstlichen Gehälter jener angesprochen, die im Namen Christi der Kirche dienen. «Die Löhne bewegen sich zwischen der Besoldung eines Primarlehrers (Katechet) und eines Sekundarlehrers (Pastoralassistent). Also im Verhältnis zur Verantwortung und Aufgabe in einem absolut vernünftigen Rahmen.» Man dürfe zudem nicht ausser acht lassen, dass Leute in diesen Positionen einen langen Ausbildungsweg hinter sich hätten. Gemäss Besoldungstabelle des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen steigen Katecheten und Katechetinnen im Hauptamt bei 86010 Franken Jahreslohn (13 × 6616) ein. Ab zehn Dienstjahren beträgt der maximale Lohn bei guter Leistung 107846 Franken. Meier betont, dass Frauen und Männer gleich hoch besoldet werden. Etwas mehr, nämlich 93136 Franken Jahreslohn (13 × 7164), beziehen zu Beginn Pastoralassistenten. Für ein 100-Prozent-Pensum kommen sie ab zehn Dienstjahren auf einen Lohn von höchstens  136932 Franken. Nach Meinung von Stefan Meier sind diese Löhne gerechtfertigt, zumal die Tätigkeiten auch mit hohen Präsenzzeiten verbunden seien. «Seelsorgende sind oft auch an Randzeiten im Einsatz und natürlich an den Wochenenden. Auch für Todesfälle und sonstige seelsorgerische Einsätze. Die Bezahlung ist also nicht überrissen.»   
Der Vermutung, dass Pfarrbedienstete so wie Bischof Markus Büchel gratis in Pfarrhäusern und Pfarrwohnungen lebten, widerspricht Stefan Meier. «Mitarbeiter von Katholisch-Rorschach, die in einem kircheigenen Gebäude wohnen, bezahlen einen marktüblichen Mietzins. Auch ihre fahrbaren Untersätze müssen sie selber berappen.»

Evangelen zahlen leicht höhere Löhne
Während also Pfarrer für einen durchaus «anständigen» Lohn arbeiten, gibt es zahlreiche «Schäfchen», die sich unentgeltlich für das Gemeinwohl der Kirche einsetzen. «Nur zu gerne würde ich jeder für die Kirche ehrenamtlich tätigen Person einen Lohn zahlen. Das ist aus finanziellen Gründen aber einfach nicht möglich. Ohne ehrenamtliche Arbeit würde unser gesellschaftliches System gar nicht funktionieren; nicht nur in der Kirche. Mein Dank für ehrenamtliches Engagement kann also gar nicht gross genug sein», sagt dazu Stefan Meier. Und wieso arbeitet er selbst seit 17 Jahren im Kirchenrat mit, seit fünf Jahren als Präsident? «Wir haben ausnahmslos hoch motiviertes Personal. Es macht Freude zu sehen, wie Seelsorge hier passiert. Wir schaffen es in der Region Rorschach, die Seelsorge so zu leben, wie sie vom Religionsgründer gedacht war, nämlich für Menschen und nicht für ein System oder eine Organisation.»
Die Löhne der Evangelischen Kirche richten sich nach der Besoldungstabelle des Kantons St. Gallen für Hauptlehrer an Mittelschulen. Die Gehälter sind also etwas höher. Das Mindestgehalt für Pfarrerinnen und Pfarrer beträgt 93 176 Franken; ab dem 18 Dienstjahr höchstens 137 666 Franken. Für Verheiratete gibt’s zudem eine Familienzulage von 2520 Franken.

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