«Niemand überprüft die Lehrpersonen»

RORSCHACH. Medienpädagogen wünschen sich ein Fach Medienkompetenz, sagt Martin Hofmann, Professor an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen in Rorschach. Er kritisiert die heutige Einstellung der Lehrpersonen, glaubt aber an einen Wandel.
01. März 2013, 07:53

Herr Hofmann, wären Sie für ein Schulfach, in dem Schüler den Umgang mit neuen Medien lernen?

Martin Hofmann: Medienkompetenz gilt heute als eine zentrale Schlüsselkompetenz und deshalb braucht es ein eigenes Schulfach Medienkompetenz. Viele Medienpädagogen sehen dies übrigens genauso.

Damit widersprechen Sie den Schulleitern der Region Rorschach. Reichen die Vorgaben im Lehrplan denn nicht?

Hofmann: Die sind zwar verbindlich, nur überprüft niemand, wie das die Lehrpersonen umsetzen. Im Lehrplan sieht Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) als fächerübergreifendes Thema vor, dem pro Woche eine halbe Lektion zusteht. De facto behandelt aber jede Lehrperson das Thema neue Medien so, wie es ihr passt.

Das Hauptproblem ist also, dass das Thema Medien keinen richtigen Platz in der Stundentafel hat.

Hofmann: Genau. Mir ist klar, dass ein Schulfach nicht einfach so eingeführt werden kann. Der Kanton neigt heute dazu, Lektionen zu streichen. Trotzdem appelliere ich an die Schulleiter und Lehrpersonen, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Stichwort Verantwortung: Liegt die nicht bei den Eltern?

Hofmann: Viele Eltern sind mit diesem Thema schlicht überfordert. Ausserdem schreibt der Lehrplan klar vor, dass dies eine Aufgabe der Schulen ist.

Was könnten diese heute besser machen?

Hofmann: Die Schulen sollten die Thematik näher an bestimmte Schulfächer binden. Das Beispiel Cyber-Mobbing zeigt, dass der Umgang mit neuen Medien letztlich eine ethische Frage ist. So etwas könnte im Religionsunterricht oder in einer Klassenstunde Platz finden.

Wird sich der ICT-Unterricht in den Schulen künftig verändern?

Hofmann: Junge Lehrpersonen und Studierende denken bereits heute anders. Das zeigt sich in meinen Kursen. Ihnen ist klar, dass es den ICT-Unterricht verstärkt braucht und dass dies eine wichtige Aufgabe der Schule ist. Daher glaube ich auch, dass es künftig zu einer intensiveren Beschäftigung mit neuen Medien in den Schulen kommen wird.

Interview: Janique Weder


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