Mitreissende Musical-Show

GOLDACH. Die Melodia überzeugt vor ausverkaufter Wartegghalle. Das anspruchsvolle Programm aus vierzehn Musicals bietet schaurige bis zauberhafte, ruhige bis ausgelassene Töne, ein grosses Staraufgebot und ein energiegeladenes Orchester.
17. März 2014, 07:35
CORINA TOBLER
Die Melodia pokert hoch. Mit Renato Kaiser engagiert sie für ihre Unterhaltungsshow «Die Nacht der goldenen Musicals» einen kaiserlichen Moderator. Als Sängerin steht neben dem bewährten Thomas Straumann keine geringere als «Killer Queen» Brigitte Oelke auf der Bühne, die seit 20 Jahren als Musicaldarstellerin ihr Geld verdient. Doch das über fünfzigköpfige Orchester unter der Leitung von Daniel Zeiter muss sich neben den Stars nicht verstecken.

Hohes Niveau

Das macht die Melodia gleich in den ersten Minuten der Show klar. Im Programm finden sich nicht einfach nur die bekanntesten Musicals in einfachen, aber pompösen Arrangements. Nein, mit «There's no Business like Showbusiness» aus dem Musical «Annie Get Your Gun» swingt die Melodia den Abend souverän ein, gefolgt vom anspruchsvollen Medley aus «The Wiz». Die Bläsereinsätze sind gestochen scharf, die Bässe tragend, das Orchester locker-lässig hinter dem Schlag, die vielen Tempowechsel erfolgen scheinbar mühelos. Auffällig ist auch die grosse dynamische Bandbreite, die Zeiter seinem Corps entlockt. Die professionelle Ton-und-Licht-Anlage verstärkt das Spiel der Melodia noch. Dass es sich um Hobby- und nicht Profimusiker handelt, wird zwar immer wieder klar. Doch die zahlreichen Solistinnen und Solisten spielen allesamt souverän und liefern den Beweis, dass in allen Registern auf hohem Niveau musiziert wird.

Apropos hohes Niveau; darüber besteht bei Moderator Renato Kaiser – selbst ehemaliger Melodianer – kein Zweifel. Die Türen hätten die Grossen der Musicalwelt Daniel Zeiter eingerannt, seine Wohnung geputzt, um ins Programm zu kommen, scherzt er. Angesichts ihres grossen Könnens kann es sich die Melodia leisten, sich im ersten Teil mit dem «Grusical», wie es Kaiser nennt, zu befassen. Charaktere sind das leichenähnliche Phantom (der Oper), tanzende Vampire und die elenden «Les Misérables». Beim letztgenannten Stück betreten Brigitte Oelke als todtraurige Fantine und Thomas Straumann als schelmischer Gastwirt-Halunke Thénardier erstmals die Bühne und sorgen für Gänsehaut.

Mitreissendes Finale

Die beiden Stimmen kommen im zweiten Teil des Abends vermehrt zum Einsatz. Straumann fühlt sich in der Rocknummer «Pinball Wizard» aus «Tommy» sichtlich wohl und blüht auch in der bizarren Welt der «Rocky Horror Show» auf. Brigitte Oelke stellt eindrücklich unter Beweis, weshalb sie eine der Grossen auf der Musicalbühne ist. Zauberhaft verklärt und doch inbrünstig singt sie die Ballade «Gold von den Sternen» aus dem Musical Mozart, um sich dann bei «I Am What I Am» aus dem ersten Musical ihrer Karriere in eine rebellische Diva zu verwandeln, die den Saal mitreisst. Mitreissend ist das beste Wort, um das Finale der Show zu beschreiben. Nach einer energiegeladenen Instrumentalversion der grössten Hits aus «Grease» bündeln Sänger und Musiker ihre Kräfte. Bei «Time Warp» aus «Rocky Horror Show» wird auf und vor der Bühne getanzt und bei der zungenbrecherischen Zugabe «You Can't Stop the Beat» aus «Hairspray» sitzt niemand mehr still.

Standing Ovations und laute Forderungen nach Zugaben in der ausverkauften Halle sprechen eine eindeutige Sprache. Auch Dirigent Daniel Zeiter ist zufrieden mit der vielseitigen Show. Und er betont: «So etwas kann man nicht mit jedem Verein auf die Beine stellen. Die Melodia zeigt unermüdlichen Einsatz.»

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