Mit dem Velo bis nach China

AUSZEIT ⋅ Der Rorschacher Gregor Bürkler fährt während eines Jahres mit dem Velo nach China. Ein Unterfangen, das für den passionierten Velofahrer und Rad-9-Geschäftsführer einige Schwierigkeiten bereithalten wird.
17. Februar 2017, 05:41
Jolanda Riedener

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Von Hunderudeln habe er gehört, die den Velofahrern in abgelegenen Gebieten unangenehm nahe kommen. «Wir haben mit einem Gerät, das für Hunde schrille Töne erzeugt, vorgesorgt», sagt Gregor Bürkler. Der Rorschacher reist mit seiner Freundin und einem gemeinsamen Freund während elf Monaten nach Hongkong. Die ganze Strecke wollen sie mit eigener Muskelkraft zurücklegen. «Wir ergänzen uns gut», sagt Bürkler. Er ist Velomechaniker, seine Freundin Ärztin und der langjährige Freund Koch.

«Dass es demnächst losgeht, ist mir gar nicht richtig bewusst», sagt der 29-Jährige. Seine Augen leuchten, als er von seinem Vorhaben erzählt. Weil derzeit die Vorbereitungen für die bevorstehende Velosaison auf Hochtouren laufen, habe er keine Zeit, dar­über nachzudenken, dass er bald weit weg von zu Hause sein wird. In zwei Wochen findet in seinem Velogeschäft Rad 9 eine Feier zur Saisoneröffnung statt, eine Woche später, am 10. März, wird sich das Trio bereits auf den Weg Richtung Wien machen. Fünf Tage die Woche wollen sie fahren und dabei täglich 70 bis 100 Kilometer zurücklegen. «Wir haben die Etappen ganz bewusst grosszügig eingeplant. Das Velofahren soll uns auch nach diesem Jahr noch so viel Spass machen», sagt Bürkler.

Visum, Wasserkocher und Zelt im Gepäck

«Es ist ein Luxus, dass ich die Möglichkeit habe, diese Reise zu machen», sagt Bürkler. Während seiner Abwesenheit hat der Rad-9-Mitinhaber eine Vertretung gefunden. Bürkler liebt das Reisen mit dem Velo: «Man ist langsamer unterwegs und erlebt viel.»

China hat ihn schon länger interessiert: «Die Gegensätze dieses Landes möchte ich mit eigenen Augen sehen.» Die meisten der Länder, die das Dreierteam durchqueren wird, hat Bürkler bisher nie besucht: Von Wien geht es entlang der Donau nach Ungarn, Serbien und Bulgarien. Einzig übers Schwarze Meer gelangen sie mit einem Frachtschiff. Weiter geht es via Aserbaidschan nach Iran.

«Wir haben einen groben Zeitplan, den wir einhalten müssen, da wir für einige Länder ein Visum beantragen mussten», sagt Bürkler. Weil ein Visum für China nur drei Monate im Voraus erteilt wird, müssen sie es im Iran beantragen. «In der Schweiz ist ein Visum nur für einen Monat erhältlich», sagt Bürkler, was für ihr Projekt eindeutig zu wenig wäre. Im Iran sollten sie ein dreimonatiges erhalten. «Ein Visum für weniger als drei Monate zu erhalten, das wäre das Schlimmste, was passieren könnte.» Ihr wichtigstes Gepäckstück wird das GPS-Gerät und die Landkarte sein. «Wir haben Zelt, Wasserkocher und Kleidung für Temperaturen von minus 4 bis plus 40 Grad dabei», sagt Bürkler. Rund 30 Kilo schwer sei das Gepäck, das am Velo montiert werde.

In den Städten werden sie in Herbergen oder bei anderen Velofahrern unterkommen. «Nicht alles planen zu können, das macht den Reiz aus», sagt Bürkler. Dennoch hat das Trio Vorbereitungen getroffen: Die Route steht fest, alle Papiere sind eingeholt, die nötigen Impfungen gemacht. Als Velomechaniker und -verkäufer sei er gespannt, wie sich die Produkte während der langen Reise bewähren werden. Anders als in der Schweiz werden sie ein Tourenrad fahren: «Es ist aus Eisen und dadurch robuster gebaut. Allerdings auch schwerer», sagt Bürkler.

Zurückkommen will Gregor Bürkler mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking über Moskau und schliesslich nach Rorschach.


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