Juventus Turin zu Gast auf Kellen

TÜBACH. Noch bis Freitag wehen auf der Kellen die Vereinswappen des italienischen Topvereins Juventus Turin. Auf den Feldern trainieren aber nicht die Stars, sondern 33 Kinder aus der Region – unter strenger Anleitung von Juve-Trainern. Den Besten winkt eine Einladung nach Turin.
16. April 2014, 08:20
CORINA TOBLER

«Vai, vai, gioca», ruft der Trainer. Seine Stimme ist harsch, unerbittlich peitscht er die Spieler auf dem Kunstrasen der regionalen Sportanlage Kellen an. So geht es zu und her, wenn Juventus Turin trainiert. Nach einem Foul liegen zu bleiben, ist ebenso unerwünscht wie ein Sololauf nach dem anderen. Kein Spieler muckt auf. Die Buben im Primarschulalter wissen, im Fussballcamp der Juventus Soccer School (JSS) haben sie es mit Profis zu tun. Der Cheftrainer, der so gnadenlos Leistung fordert, spielte früher in den Juniorenteams des FC Barcelona.

Seit vier Jahren auf Kellen

So weit hat es Angelino Azzarito nie gebracht. Er steht an der Seitenlinie und beobachtet das Treiben auf drei Feldern zufrieden. Der Geschäftsführer von One-Sports, dem Schweizer Veranstalter der Fussballcamps von Juventus Turin, war dafür schon als 13-Jähriger Juniorentrainer beim FC Zürich. 2011 übernahm Azzarito von seinem Stellvertreter Giovanni Armiento die Organisation der JSS-Camps. Der frühere Organisator war mit Armiento auf ihn zugekommen, weil Azzaritos jahrzehntelange Erfahrung im Fussball bekannt war. «Das Ziel der Camps ist es, Talente zwischen sechs und sechzehn Jahren zu fördern. Sie sollen zwar Spass haben, aber der Sport steht im Vordergrund. Die Trainer sind alle von Juve ausgebildet und sind bewusst strikt – klare Anweisungen sind sehr wichtig», sagt Azzarito. Der in Dietikon ZH wohnhafte Trainer ist seit vier Jahren jeweils im April und im Oktober eine Woche auf Kellen zu Gast. JSS-Camps gibt es in der Schweiz seit 2004 – damals waren erst vier Länder dabei, heute sind es 26.

Talente dürfen nach Turin

Auf Kellen trainieren noch bis Freitag 33 Kinder aus der ganzen Region. Die italienischen Anweisungen übersetzen freiwillige Helfer aus lokalen Fussballvereinen – die gleichzeitig ihre Fähigkeiten als Trainer verbessern. Das Programm ist hart; Ausdauer und der Wille zum Erfolg sind nötig. Für die besten Talente lockt eine besondere Belohnung. «In jedem Camp wählen wir zwei bis drei Spieler aus, die fussballerisch und vom Charakter her positiv auffallen. Sie dürfen für ein zweitägiges Training inklusive Spiel gegen eine Juve-Nachwuchsmannschaft nach Turin reisen», sagt Giovanni Armiento. Azzaritos Partner bei One-Sports ist dafür verantwortlich, dass Juve auf Kellen gastiert. Als langjähriger Schiedsrichter beim Thurgauer Fussballverband hatte er gute Kontakte und kannte den Standort.

Ein Glücksgriff. Das Camp findet in der Region grossen Anklang – im Mai findet ein weiteres in Arbon statt. 33 Teilnehmer sind auf Kellen zwar eher wenig, es waren auch schon bis zu 90 Kinder im Camp. «Uns ist aber bewusst, dass es sich nicht alle Eltern leisten können, 300 Franken für eine Woche Camp zu bezahlen. Die Kinder werden aber genau gleich gefördert. Ihnen wird immer in Gruppen von zehn bis 13 Mitgliedern ein Trainer zugeteilt. Haben wir mehr Kinder, engagieren wir mehr Trainer», erklärt Angelino Azzarito. So sei individuelle Förderung möglich, was bei Kindern und Eltern sehr gut ankomme.

Nach Tübach kommt Barcelona

Wunschlos glücklich ist Azzarito aber (noch) nicht: Noch hat es kein Talent aus seinen Camps in eine Mannschaft von Juventus Turin geschafft. Würde damit für ihn als Juve-Fan ein Traum wahr? Azzarito winkt lachend ab. «Ich wäre sehr stolz. Aber Juve-Fans sind weder Giovanni noch ich. Er mag Fiorentina, und ich bin AC-Milan-Fan», sagt er und hält stolz die Hand aufs Herz. Nichtsdestotrotz hoffen die beiden Organisatoren, dass dereinst ein Talent aus «ihren» Camps ebenso stolz seine Hand aufs Logo auf dem Juve-Trikot hält. Das würde auch den Cheftrainer freuen, der gerade ein schön herausgespieltes Tor mit «Bravo» quittiert. Apropos Cheftrainer: Er dürfte sich auch aufs nächste Camp freuen. Nach Belgien und Tübach reist die JSS nämlich nach Barcelona.


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