Gegen Steuern und die AHV

Der Mörschwiler Simon Scherrer ist der neue Präsident der UP, also der radikal-liberalen Unabhängigkeitspartei Schweiz. Der 22-Jährige sieht sich als Vertreter einer Utopie und will auf gar keinen Fall UP-Politiker in den Exekutiven.
14. Juni 2016, 02:40
NINA RUDNICKI

MÖRSCHWIL. «Die Links- und die Rechtsparteien gehen mit Utopien an Themen heran. Nur die Mitteparteien sind kompromissbereit und werden deshalb in die Ecke gedrängt», sagt Simon Scherrer. Der Mörschwiler ist der neue Präsident der Unabhängigkeitspartei (UP) Schweiz. Die gibt es seit zwei Jahren. Damals hatte sie nationale Aufmerksamkeit bekommen: Die Weinfelderin Brenda Mäder, ehemalige Präsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz, war aus der FDP ausgetreten und gründete zusammen mit Parteikollege Silvan Amberg und mit Simon Scherrer, dem einstigen Präsidenten der Jungfreisinnigen der Stadt St. Gallen, eine radikal-liberale Oppositionspartei. Mittlerweile sind Mäder und Amberg aus beruflichen Gründen vom Co-Präsidium zurückgetreten. Simon Scherrer, der an der ETH Informatik studiert, will als alleiniger Präsident die UP in der Öffentlichkeit bekannter machen und die Partei weiterentwickeln.

«Zu lahm und anpasserisch»

Konkret fordert die UP tiefere und einfachere Steuern, damit verbunden einen Rückbau der AHV und eine freie Wahl bei der beruflichen Vorsorge, alternative Modelle bei der Krankenkasse, freie Migration und die Liberalisierung des Asylwesens, die Legalisierung aller Betäubungsmittel. Moderne und traditionelle Familienmodelle sollen zudem gleichberechtigt sein. «Jede Steuer und jede Vorschrift ist für den Bürger ein Zwang», sagt der 22jährige Scherrer. Es brauche daher eine Partei wie die UP, die sich konsequent für die Freiheit des Einzelnen und gegen die «Bevormundung» durch den Staat einsetze. Die Abgabenquote an den Staat steige ständig. Und das System der AHV laufe wegen der zunehmenden Verschuldung aus dem Ruder. Die FDP schaffe es nicht, diesen Trend aufzuhalten.

Weisse Leinwand

Dabei sei es die Aufgabe eines kritischen und liberalen Geistes, den Staat und die Regulierung zurückzudrängen. «Die FDP ist diesbezüglich zu lahm, zu anpasserisch», sagt Simon Scherrer. Die angepasste Haltung war denn auch der Hauptgrund, weshalb Scherrer die UP mitgründete und von seinem Präsidentenamt bei den Jungfreisinnigen der Stadt St. Gallen zurücktrat – jener Partei, mit der er sich während seiner Zeit an der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen am meisten identifizieren konnte. «Allerdings war es nicht möglich, so effektiv zu politisieren, wie ich das nun mit der UP mache. Die UP ist quasi eine weisse Leinwand, auf der wir ohne Einschränkungen etwas Neues anfangen können», sagt er. Ziel der Partei ist es auf keinen Fall, zu Exekutivwahlen anzutreten. «Weil das politische Profil sofort verwässert wird, wenn die Partei in der Regierung vertreten ist und dadurch Kompromisse eingehen muss.» Viel mehr soll die UP zum Nachdenken anregen. «Wir wollen Ideen verbreiten, Diskussionen provozieren und Argumente plazieren. So wie das die Linken und die Rechten auch machen», sagt Scherrer. Die UP gehe dabei wie Think Tanks, also Denklabors, vor. Die Partei soll den Charakter einer Bewegung haben und ihre Thesen wissenschaftlich belegen.

Circa 80 Mitglieder

Kritik an seinen radikalen Positionen ist sich Scherrer gewohnt. Dass durch eine Abschaffung von Steuern und Sozialwerken eine noch stärkere Zweiklassengesellschaft als heute entstehe, glaubt er nicht. «Die Leute sollen selber fürs Alter vorsorgen. Wer das nicht kann, soll, wo immer möglich, durch private Stiftungen unterstützt werden.» Diese Positionen sind noch nicht ansatzweise mehrheitsfähig: Die Mitgliederzahl der UP ist laut Scherrer seit der Gründung mittlerweile auf ungefähr 80 Personen angestiegen.


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