Fische kommen im Frühling 2017

STEINACH ⋅ Der Kanton St. Gallen bekommt ein neues Fischereizentrum in Steinach. Schon sind einzelne Aussenbecken erkennbar. In rund einem Jahr werden dort in Becken ausgewachsene Fische ihre Runden drehen und Nachwuchs zeugen.
12. April 2016, 07:05
ALESSIA PAGANI

STEINACH. Die Arbeiten am neuen kantonalen Fischereizentrum in Steinach gehen zügig voran. Bereits jetzt sind betonierte Aussenbecken erkennbar. Darin werden sich einmal ältere ausgewachsene Fische tummeln, die für die Brut verantwortlich sein werden. Vom eigentlichen Gebäude ist indes noch kaum etwas zu sehen. «Die Tiefbauarbeiten mit Aushub und Verlegung der unzähligen Wasser- und Kanalisationsleitungen werden bis Mitte April fertig sein», sagt Ferdinand Hohns, Projektmanager beim Hochbauamt.

Ab Ende Mai wird der Neubau in die Höhe gebaut, dann wird der zweistöckige Holzbau aufgerichtet. «Wir liegen im Zeitplan und können die Arbeiten bis Ende 2016 fertigstellen», sagt Hohns. Die Kosten des neuen kantonalen Fischereizentrums belaufen sich gesamthaft auf 12,8 Millionen Franken. Der Kanton St. Gallen hat einen Kredit von 10,95 Millionen Franken gesprochen. Das benachbarte Unternehmen TE Connectivity Solutions, welches mit dem Seewasser seine Anlagen kühlt, bevor dieses ins Fischereizentrum geleitet wird, beteiligt sich mit einer Million Franken am Projekt. Die Fischzucht-Genossenschaft beteiligt sich mit 497 000 Franken aus deren Liquidation.

Hohns freut sich, dass die neue Anlage optisch ästhetisch daherkommt, macht aber darauf aufmerksam, dass vor allem der Nutzen erfüllt sein muss und die Funktionalität stimmt. Vier grosse und zwei kleine Aussenbecken aus Beton sowie insgesamt 17 Innenbecken aus Kunststoff werden Teil der neuen Anlage sein.

Über 1000 Meter Leitungen

In den kommenden Tagen werden gemäss Hohns Vorbereitungen für die Seewasserleitung des Pumpwerks vorgenommen. Diese Arbeiten bezeichnete er bereits im September als grösste Herausforderung des Projekts, da nur wenige Unternehmen auf solche Bohrungen spezialisiert seien. Insgesamt über tausend Meter Leitungen müssen verlegt werden. 300 Meter führen vom Fischereizentrum in zehn Metern Tiefe zum Bodenseeufer, 850 bis 900 Meter werden in den See abgesenkt und am Grund verankert. «Der Entnahmepunkt liegt aufgrund der dort vorherrschenden optimalen Wasserqualität und -temperatur in einer Tiefe von 40 Metern», erklärt Hohns.

Anfang 2017 wird die Anlage schrittweise in Betrieb genommen. Dann werden die einzelnen Becken getestet. Im Gegensatz zu Schwimmbädern hätten die einzelnen Fischzuchtbecken einen steten Durchlauf von Seewasser, erklärt Hohns. «Wir haben vom Kanton Thurgau die Konzession für die Entnahme von 3700 Litern Seewasser pro Minute.» Sind die Durchlaufmengen und Temperaturen in Ordnung, werden – zur nochmaligen Überprüfung – einzelne Fische in den Becken ausgesetzt. «Bei positivem Ergebnis wird die Anlage voraussichtlich im Frühling ihren Vollbetrieb aufnehmen», sagt Hohns.

Grund bereitet Schwierigkeiten

Dass die Arbeiten wie geplant auf Ende Jahr abgeschlossen sind, ist beim vorliegenden Projekt nicht selbstverständlich. Die Arbeiter fanden keine einfache Ausgangslage vor. «Der Baugrund ist extrem schwierig», sagt Hohns. «Er ist nicht tragend und bei Vibrationen verflüssigt sich der Boden beinahe.» Herr geworden sind die Verantwortlichen dieses Problems mit langen Eisenpfählen, die in den Boden gerammt wurden. «Wir wussten zwar aufgrund der Sondierungen, dass der Baugrund schlecht ist. Wir haben dann aber während den Arbeiten erkennen müssen, dass das Problem grösser ist als angenommen und die Stabilität noch schlechter als vermutet.»

Der fristgerechte Abschluss der Arbeiten sei nur dank der guten Zusammenarbeit der einzelnen Bauunternehmen möglich. «Die Verantwortlichen machen miteinander eine sehr gute Arbeit, so wie man es sich wünscht», sagt Ferdinand Hohns. «Wir sind jetzt so weit, dass wir sagen können, dass bezüglich Gebäude alles klappen wird. Bei der Bohrung der Seewasserleitung hoffen wir, dass wir vor grösseren Überraschungen verschont bleiben. Gewissheit darüber werden wir bis Ende Mai haben.»


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