Bei Bauarbeiten Grab entdeckt

REGION RORSCHACH. Die Kantonsarchäologie St. Gallen hat in Tübach ein bronzezeitliches Brandgrab gefunden. Genau untersucht wird es nun im Labor. Davon und von anderen Fundorten in der Region berichtet Archäologin Regula Steinhauser-Zimmermann.
11. Mai 2012, 06:27
LEA MÜLLER

Alles begann mit dem Bau einer Telefonleitung. Im Jahre 1983 fand ein PTT-Angestellter in einer Baugrube in Tübach Keramikscherben. Er nahm sie mit nach Hause und liess sie dort 25 Jahre lang ruhen. Dann brachte er sie nach einem öffentlichen Bestimmungstag bei der Kantonsarchäologie vorbei. «Uns fielen fast die Augen aus dem Kopf», erinnert sich Regula Steinhauser-Zimmermann. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kantonsarchäologie St. Gallen berichtete von diesem neusten Fundort in der Region am See an einem Vortrag. Eingeladen hatte sie der Kulturhistorische Verein Region Rorschach anlässlich seiner Hauptversammlung.

Knochensplitter und Scherben

Nördlich der Tennishalle in Tübach, wo die Scherben vor fast 30 Jahren per Zufall entdeckt wurden, begannen im vergangenen Frühjahr Bauarbeiten für die Erweiterung einer Lagerhalle. «Dank der rechtzeitigen Information durch Gemeinde und Bauherrschaft konnten wir die Arbeiten begleiten», sagt Regula Steinhauser-Zimmermann. Die Archäologen wurden fündig: Auf den letzten Metern des Aushubs zeichnete sich im lehmigen Boden eine leicht dunklere Grube ab. Darin waren Knochensplitter eines menschlichen Skeletts und Reste von Keramikgefässen zu erkennen.

Verzierungen verraten Alter

Da die Gefässe sehr brüchig sind, mussten sie zusammen mit einem Block aus Erde geborgen werden. Die vollständige Ausgrabung erfolgt zurzeit im Labor der Kantonsarchäologie. «Wir wissen schon jetzt, dass es sich um ein bronzezeitliches Brandgrab handelt», sagt Regula Steinhauser-Zimmermann. Denn die Verzierung auf einem der Keramikbecher lasse sich eindeutig dem elften vorchristlichen Jahrhundert zuordnen.

Krokodil auf Münzen

In ihrem Vortrag berichtete Regula Steinhauser-Zimmermann über sieben archäologische Fundorte von Steinach bis nach Staad. Im Bereich Mühlegut in Goldach etwa kamen in den Jahren 1999 und 2000 etwa 300 Kilogramm Keramikscherben zum Vorschein. Unter den Fundstücken befanden sich auch eine Dolchrippe und ein Töpfchen aus der Spätbronzezeit. In Rorschacherberg wurde im Bereich Obere Burg oberhalb der Autobahn bereits 1938 gegraben. Aber erst 2004 fanden Archäologen an dieser Stelle römische Münzen. Sie könnten darauf hinweisen, dass hier einst die Strasse nach Arbon durchgeführt und am Wegrand ein römischer Gasthof gestanden hatte. Ein auf den Münzen abgebildetes Krokodil weist laut der Archäologin auf die Zeit hin, als Ägypten zur Provinz Roms wurde.

Ein weiteres archäologisches Schutzgebiet befindet sich im Bereich Seehof neben der Kolumbanskirche in Rorschach. Schon 1869 entdeckten Archäologen in Gräbern Armreifen und Gürtelschnallen. Der Bau der Raiffeisenbank rief sie kürzlich wieder auf den Plan: Bei Sondierungen vor den Bauarbeiten kam das Skelett einer vermutlich 40jährigen Frau zum Vorschein. Regula Steinhauser-Zimmermann vermutet, dass sie in der Zeit des Frühmittelalters gelebt hatte.

Mittelsteinzeit bis in die Neuzeit

«Die Region am See ist aus Sicht der Kantonsarchäologie ein spannendes Gebiet», sagt Regula Steinhauser-Zimmermann. Für die vielen Grabungen und Bauüberwachungen im gesamten Kanton seien die personellen Ressourcen aber knapp. Die Arbeit als Archäologin weise eine grosse Spannbreite auf, sagt sie. Ihr ältestes Fundstück stammt aus der Mittelsteinzeit, das jüngste aus dem Jahre 1962. «Es handelte sich um eine Ampulle aus einem Spital, worauf noch Inhalt und Produzent notiert waren», erzählt sie.


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