Villa für drei Millionen

ALTSTÄTTEN ⋅ Seit vielen Jahren steht die Villa Locher leer. Nun ist sie zu haben – zu einem Preis knapp über drei Millionen Franken. Das mag ein Schnäppchen sein, aber nur für wohlhabende Liebhaber von Herrschaftshäusern.
01. Dezember 2017, 05:19
Gert Bruderer

Gert Bruderer

Der einheimische Godi Frommenwiler, der für Unterhalt und Verkauf zuständig ist, hat vor acht Jahren bereits den «Drei König» verkauft. Anschliessend erreichten ihn Vorwürfe. Wie er dieses Traditionshaus bloss einem Auswärtigen habe überlassen können!

Dem «Drei König» blieb seine frühere Bedeutung bis heute verwehrt. Der Eigentümer hat dieses Jahr aber erneut gewechselt – und das Versprechen des Käufers, das Gebäude sinnvoll zu nutzen, nährt die Hoffnung auf eine Wende zum Guten.

Alle sollen Bescheid wissen

Frommenwiler sagt, für den Verkauf der Villa Locher wolle er einen anderen Weg beschreiten. Den Weg in die breite Öffentlichkeit. Es solle jeder klar zur Kenntnis nehmen können, dass die fast eine Hektare grosse Liegenschaft zu haben sei. Nicht dass es im Nachhinein heisse: Wieso hat man das nicht gewusst?

Die Villa besteht aus dem Haupttrakt, dessen Wohnfläche 270 Quadratmeter beträgt. Seit zwölf Jahren steht dieser Teil bereits leer. Die Angestelltenwohnung ist viermal kleiner. Auch sie ist seit Jahren unbewohnt.

«Kleiner Urwald» ist auch geschützt

Imposant ist der Umschwung, zu Frommenwilers Bedauern ein «kleiner Urwald». Viele Bäume seien krank und bedeuteten eine Gefahr. Bei einem Föhnsturm sei tatsächlich einer umgefallen. Doch nachdem ein Fachmann alle ungesunden Bäume gekennzeichnet und Frommenwiler den Entschluss gefällt hatte, sie zu fällen, erreichte ihn eine deutliche Reaktion der Stadt samt Drohung.

«Wie Sie wissen, gilt die gesamte Parkanlage der Villa Locher als geschützt», hiess es in einer E-Mail des Altstätter Hochbauamts. Daher sei es Frommenwiler oder einem von ihm beauftragten Unternehmer «untersagt, Bäume, Sträucher oder Büsche ohne vorherige Erlaubnis durch die Stadt zu fällen».

Der folgende Zusatz war ebenfalls fett gesetzt: «Sollten Sie die Arbeiten ohne Zustimmung der Stadt Altstätten ausführen oder ausführen lassen, wird die Stadt umgehend die Polizei informieren und Strafanzeige beim Untersuchungsrichteramt gegen Sie einreichen.»

Das mit dem Denkmalschutz, das ist so eine Sache.

Eine altbekannte.

Je nach eigenem Interesse dient der Denkmalschutz Grundeigentümern als Argument im Kampf gegen ein unliebsames Projekt, oder er steht ihnen im Weg, wenn ein Objekt erneuert werden soll.

Die Villa Locher hätte aussen und innen für insgesamt bis zu 1,2 Mio. Franken erneuert werden sollen. Weitere 100000 Franken oder etwas mehr waren für den Garten vorgesehen. Doch wenn etwas so weitreichend geschützt ist wie das Altstätter Herrschaftshaus an der Trogenerstrasse, will zuerst mal eine Expertise her.

Es gab sodann ein paar Sitzungen – mit der Stadt, mit der Ortsbildkommission. Aus Frommenwilers Sicht vor allem Auflagen, Verbote, Drohgebärden.

Anfragen leitet die Stadt jeweils weiter

Die Sache sei sozusagen im Sand verlaufen. Frommenwiler sagt, die Stadt habe die Bildung einer Projektgruppe vorgeschlagen, letztes Jahr sei das gewesen, seither habe er von der Stadt nichts mehr gehört. Das führte zur Kehrtwende: zur Verkaufsabsicht anstelle der Erneuerung.

Frommenwilers Ansicht, die Stadt müsste doch auch ein Interesse an einer guten Zukunft der Villa haben, widerspricht Stadtpräsident Ruedi Mattle zwar nicht. Aber der Stadt seien die Hände gebunden, meint Mattle sinngemäss. Es liege nicht an ihr, in den Markt einzugreifen.

Die Stadt erhalte immer wieder Anfragen für Bauland, eher selten für bestehende Gebäude. Solche Anfragen würden stets privaten Verkäufern weitergeleitet.

Dass die Bildung einer Projektgruppe ein Thema gewesen sein soll, sei ihm nicht bekannt, sagt Mattle. Selbstverständlich stehe die Stadt auf Wunsch aber mit Rat und Tat zur Seite, auch wenn sich ein potenzieller Käufer melde. Zum Beispiel würde die Ortsbildkommission beratende Unterstützung leisten, sollte ein möglicher Käufer im Voraus über die baulichen Möglichkeiten in Kenntnis gesetzt werden wollen.

Noch hat niemand zugreifen wollen

Frommenwiler hat in der Umgebung die Fühler ausgestreckt und verschiedene Rheintaler gefragt, ob sie sich die Übernahme der Villa vorstellen könnten. Ohne Erfolg.

Er räumte daraufhin das riesige Gebäude, füllte sieben Mulden und stellte die Liegenschaft im letzten Jahr ins Netz. Ihr anfänglicher Preis: 3,5 Millionen Franken. Erste auswärtige Interessenten meldeten sich, bisher griff aber niemand zu.

Inzwischen ist der Preis etwas herabgesetzt worden, auf gut drei Millionen Franken, und auch diese Summe ist verhandelbar. Am Ende kaufe irgendwer von irgendwo die Villa, sagt der Inhaber der Firma Finnobau DL. Doch solle die Bevölkerung dann nicht aus allen Wolken fallen.

Auch mit dem Nachbargrundstück, rund 1000 Quadratmetern, hat Godi Frommenwiler zu tun. Hier wollte er ein Terrassenhaus mit vier Wohnungen und Tiefgarage bauen, was nicht bewilligt wurde. Stattdessen sind nun ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen sowie ein Einfamilienhaus mit Walmdach geplant. Der Bau der beiden Häuser ist fürs nächste Jahr geplant. Im Gegensatz zur Nachbarvilla sollen sie in erster Linie dem Wohnen dienen.


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