SAK dürfen Fischen das Wasser abdrehen

RÜTHI ⋅ Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) müssen in Lienz Fundamente einer SBB-Überführung sanieren. Deshalb muss der Zulauf vom Werdenberger in den Rheintaler Binnenkanal gesperrt werden. Fischer bangen um das Leben in ihrem Pachtgewässer.
29. Juni 2017, 05:18
Kurt Latzer

Kurt Latzer

Hätte das kantonale Amt für Jagd und Fischerei dem Projekt nicht kurzfristig Einhalt geboten, wären die Fundamente der SBB-Überführung bereits saniert. Denn die Arbeiten hätten eigentlich im April beginnen sollen, inmitten der Äschen-Schonzeit. «Als wir im Frühling mit der SAK die Äschenbrut- und Entwicklungszeit thematisierten, verschoben sie die Arbeiten freiwillig in den Herbst», sagt Christoph Birrer, Abteilungsleiter Fischerei des Kantons St. Gallen.

Zu tiefer Wasserstand bereitet Sorge

Das Projekt, für das nicht die SBB, sondern die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) in der Pflicht stehen, hat den Fischereiverein Rüthi auf den Plan gerufen. Weil während der etwa vier Wochen dauernden Sanierung die Wasserzufuhr vom Werdenberger in den Rheintaler Binnenkanal (RBK) komplett gesperrt wäre, fürchten die Fischer nicht nur um den Fischbestand, sondern um die gesamte Vegetation im Binnenkanal unterhalb der Rillisdammschleuse. Das Wehr befindet sich rund 300 Meter oberhalb des SAK-Kraftwerkes Lienz. Im schlimmsten Fall führt der Kanal nach der Schleusenschliessung etwa 80 Prozent weniger Wasser.

Fischgewässer von nationaler Bedeutung

Die Temperatur des Wassers könnte steigen, der Sauerstoffgehalt darin abnehmen. Das wäre nicht nur für Fische wie Bachforellen, Äschen und Nasen fatal, sondern auch für deren Nährtiere. Die Öffentlichkeit wurde bisher über das Vorhaben und die damit verbundenen Probleme nicht informiert. Christoph Birrer bestätigt, im Binnenkanal existiere eine Äschen-Population von nationaler Bedeutung. Das aber ist längst nicht alles. Die Mitglieder des Fischereivereins Rüthi haben in den letzten Jahren immense Anstrengungen unternommen, um den Bachforellenbestand aufzupäppeln. Im Gegensatz zu früher vermehren sich diese Forellen sogar wieder im Pachtgewässer des Rüthner Fischereivereins. Damit der schlimmste Fall mit zu wenig Wasser nicht eintritt, ist es nach Ansicht der Fischer mit der Verschiebung des Bautermins nicht getan. «Kein Problem stellte die Schleusensperre dar, wenn wir stärkere Regenfälle hätten und der RBK bereits gut gefüllt wäre», sagt der Abteilungsleiter Fischerei, «dann wären wir auf das Wasser aus dem Werdenberger Binnenkanal nicht angewiesen.» Grosse Hoffnungen setzt der Vorstand des Fischereivereins Rüthi nun auf eine alte Leitung, die kürzlich wieder gefunden wurde. Gelänge es, durch dieses Rohr Wasser vom Werdenberger in den Rheintaler Binnenkanal zu leiten, wäre das Problem gelöst. Nun muss man prüfen, ob die Leitung funktioniert und vor allem, wer die Mehrkosten trägt. Die SAK haben in einem ersten Gespräch angekündigt, keinen Rappen mehr zu zahlen, schliesslich sei man im Besitz eineBewilligung durch den Kanton.

Suche nach einer einvernehmlichen Lösung

«Anfang Juli finden weitere Gespräche statt. Zwei Ingenieurbüros sind zurzeit bemüht, Lösungen zu finden», sagt Christoph Birrer. Man kennt die möglichen Folgen eines Wassermangels, weiss von der Population geschützter oder schützenswerter Fischarten von nationaler Bedeutung. Kann man die Bauherrschaft nicht in die Pflicht nehmen und die Mindestwassermenge Binnenkanal vorschreiben? «In der aktuellen Konzession der Kraftwerke ist keine Mindestwassermenge für die Überleitung in den RBK aufgeführt. Alle Beteiligten haben aber grosses Interesse, dass immer eine genügende Wassermenge zu Verfügung steht», sagt Christoph Birrer. Die ersten Konzessionen für den ­Betrieb der drei Kraftwerke am Rheintaler Binnenkanal wurde zwischen 1904 und 1905 erteilt. Weil man damals der Ansicht war, eine ausreichende Wassermenge liege in erster Linie im Interesse der Kraftwerksbetreiber, hatte man sich über eine Mindestwassermenge keine Gedanken gemacht.

Anscheinend war man damals auch der Meinung, alle ­Brücken, Wehre und Bahnübergänge hielten ewig. Wie sich gezeigt hat, ist der Bahnübergang bei der Rillisdammschleuse marode, der Bau von neuen Fundamenten dringend nötig. Damit betoniert werden kann und bei den Arbeiten niemand in Gefahr gerät, muss man einen Bereich der Schleuse trocken legen. Die Sanierung des Bahnübergangs wird von den SBB als dringend eingestuft. Was den Bau und die Kosten anbelangt, ist die Bahn für einmal aus dem Schneider. Denn das ist Sache der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke. So wollen es die Verträge, die mindestens so alt sein dürften wie die Konzessionen, mit denen die SAK nicht verpflichtet wurden, im Binnenkanal eine bestimmte Restwassermenge zu führen.


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