Tagblatt Online, 17. Mai 2010 01:02:35
Von Petrus sträflich vernachlässigt
Eifrige Helfer: Turnerinnen und Feldschützen. Allein hätten es die Musikanten nie geschafft.
Über das Wochenende trafen sich 19 Musikkorps mit rund 700 Musikantinnen und Musikanten in Wolfhalden zum 11. Appenzeller Kantonal-Musikfest. Der strömende Regen verhinderte am Samstag zwar die Parademusik, konnte der guten Laune aber wenig anhaben.
Max Pflüger
WolfhaldeN. Gemeinsam mit der Musikgesellschaft Reute hatte die zahlenmässig kleine Musikgesellschaft Wolfhalden unter der Leitung von OK-Präsident Walter Bänziger das Appenzeller Kantonalmusikfest organisiert. Trotz Wetterpech vor allem am Samstag erlebte das Dorf hoch über dem Bodensee ein Fest der Noten, Melodiensträusse und bunten Uniformen und Fahnen.
Viel zur guten Laune trugen die beiden hervorragenden Konzerte der Mnozil Brass Band Wien am Freitag und der Swiss Band am Samstag mit den beiden US-amerikanischen Gesangs- und Stimmungsvirtuosen Bonnie J. Taylor und Reggie Saunders. Ein Trostpflästcherchen schenkte der sonst eher schlecht gelaunte Wettergott dann am Sonntag: Die Marschparade entlang der Hauptstrasse konnte bei kaltem, aber mehrheitlich praktisch trockenem Wetter durchgeführt werden.
Evolutionen unterm Wasserfall
Am Samstag dagegen regnete es in Strömen. An eine Durchführung der Parademusik konnte nicht gedacht werden. So entschloss sich das OK kurzerhand, aus dem Wetterpech das Beste zu machen. Die Aufführung der Marschmusik wurde vernünftigerweise kurzerhand in die Kirche verlegt.
Nur zwei Formationen liessen sich nicht abschrecken.
Sie wollten es sich unter keinen Umständen nehmen lassen, trotz strömendem Regen ihre einstudierten Evolutionen auf der Strasse zu präsentierten: die Musikgesellschaft Stein und die Jugendmusik Grub-Eggersriet. Ihr enormes Engagement für die Sache verdient alle Achtung. Besonders für Stein lohnte sich der Einsatz: 1. Rang.
Kurzkonzerte
Ein etwas anderes Konzept für die Wettspielvorträge galt am Appenzeller Kantonalmusikfest in Wolfhalden zum ersten Mal. Die Vereine hatten nicht ein Pflicht- und ein Wahlstück vorzutragen, sondern ein Kurzkonzert mit beliebig vielen Stücken, in welches das Pflichtstück eingebettet sein musste. Dabei galt es eine Zeitlimite von 15 bis 20 Minuten einzuhalten.
Das Konzept kam beim Publikum gut an, da es die Wettspielvorträge abwechslungsreicher und interessanter machte.
Für die Musikvereine aber galt es aber vorerst einmal Erfahrungen mit dem neuen Konzept zu sammeln, denn in der Bewertung wurden zusätzlich Punkte für die Programmgestaltung vergeben. Das bekam zum Beispiel der Musikverein Lutzenberg zu spüren. Am Abend beklagten sich die Musikanten, dass ihnen Punkte abgezogen wurden, weil - wie sie sagten - sie in dem «Kirchenkonzert» eine fröhliche Polka aufgeführt hatten.
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