Tagblatt Online, 28. Mai 2010 01:02:53
Schulunterricht etwas anders
Kopflastig am Morgen, musisch am Nachmittag und dies dann altersdurchmischt: Die Walzenhauser Oberstufe geht ab dem kommenden Schuljahr neue, attraktive Wege. (Bild: Bild: Irene De Cristofaro-Wipf)
Die Oberstufe Walzenhausen beschreitet neue Wege und stellt einiges auf den Kopf. Am Morgen werden die kopflastigen, am Nachmittag die musischen Fächer unterrichtet.
Irene De Cristofaro-Wipf
walzenhausen. Wer erinnert sich nicht an den wunderbaren Film «Sternenberg», in welchem sich Matthias Gnädinger mit grösstem Selbstverständnis ins Schulzimmer setzt? Es ist eine altersdurchmischte Schule – dies ist aber nicht Grund für Gnädingers Anwesenheit. Vielmehr müsste die Schule ohne einen weiteren Schüler schliessen. So düster ist das Szenario an der Oberstufe Walzenhausen nicht – im Gegenteil, die Schule wird ab kommendem Schuljahr attraktiver.
«Wenn man von Schulentwicklung spricht, fällt meist der Begriff Basisstufe, die Tendenz geht in Richtung Loslösung von Jahrgängen», begründet Schulleiter Iso Schmalz die weitgreifenden Änderungen an der Oberstufe, und «wir kehren das nun einfach um und beginnen an der Oberstufe mit altersdurchmischtem Lernen». Peter Walser, Mitglied der Projektarbeitsgruppe, fügt an: «Wir kommen weg vom Schubladisieren, die Schülerinnen und Schüler können sich in den musischen Fächern bedarfsorientiert und nach ihren Fähigkeiten bilden.
» Beide sind überzeugt, dass altersdurchmischtes Lernen die Persönlichkeitsentwicklung und auch das Selbstwertgefühl fördern. «Wenn ein 1.-Sekschüler einem 3.-Sekschüler etwas beibringen kann, so stärkt das sein Selbstbewusstsein», unterstreicht Peter Walser, und «der 3.-Sekschüler hat ein ganz anderes Bild vom Jüngeren.» Walser und Schmalz sind sich sicher, dass das neue Unterrichtssystem praktisch nur Vorteile bringt und sich im Schulzimmer aber auch auf dem Pausenplatz eine neue Dynamik entwickeln wird.
«Die Schülerinnen und Schüler werden ganz anders miteinander umgehen», so der Schulleiter, der Umgang wird weniger hierarchisch sein, und die Lernenden übernehmen mehr Eigenverantwortung. «Ein kleiner Nachteil sei vielleicht, dass die Jugendlichen am Nachmittag nicht mehr in ihrer gewohnten Klasse sitzen und von ihrem Klassenlehrer unterrichtet werden. Eventuell fühlen sich einige nicht mehr ganz so geborgen», meint Iso Schmalz.
Lehrplan wird eingehalten
«Selbstverständlich wird auch künftig nach den Vorgaben des Kantons gearbeitet, Lehrplan und Stundentafel müssen eingehalten werden», so Iso Schmalz. Der Unterricht sei einfach anders gelagert. Erhebungen zeigen seit langem, dass die Konzentrationsfähigkeit am Nachmittag nachlässt und es deshalb Sinn macht, die Wahlpflicht- und Wahlfächer während dieser Zeit zu unterrichten.
Das Angebot an diesen Fächern ist vielseitig, es reicht von Freelance, über Gipsfiguren/Giacometti, Modern Art, bis hin zu Gesang, Musik, Sport, Metallbau oder Nähen. «Diese Vielfalt unterstreicht die Kreativität unserer Lehrkräfte, und dafür winde ich ihnen ein Kränzchen», lobt der Schulleiter. Er ist auch froh darüber, dass sich bei den Lehrkräften praktisch kein Widerstand gegen das neue Projekt gebildet hat, natürlich gibt es immer kritische Fragen, wenn etwas Neues ansteht, aber diese waren schnell aus dem Weg geräumt, und der Entscheid zur Einführung fiel einstimmig.
Einzigartig im Vorderland
Im Vorderland ist Walzenhausen die erste Schulgemeinde, welche diese Art von Schulunterricht einführt. Die Idee für das altersdurchmischte Lernen am Nachmittag kommt aus Schwellbrunn. «Schwellbrunn war wegen der kleinen Schülerzahl dazu gezwungen», so Peter Walser, «wir waren einfach begeistert von der Idee, und wir sind überzeugt, dass diese Art von Schule Zukunft hat – vor allem, wenn man als kleine Schule überleben will.»
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