Tagblatt Online, 16. Mai 2012 01:05:33
Oberstufenschüler probten den Ernstfall
Eine Schülergruppe erhielt die Gelegenheit, im Kunstraum Rorschach eigene Kunstwerke zu gestalten. (Bild: pd)
«Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir» – unter diesem Motto lassen sich die vielfältigen Aktivitäten zusammenfassen, die mit den Schülerinnen und Schülern des OZ Thal in einer knappen Woche durchgeführt wurden.
THAL. Während die ersten Klassen sich körperlich fit trimmten und dabei gleichzeitig die geographischen Grenzen der Gemeinde Thal während einer Wanderung rund um Thal ausloteten, aber auch Inline-Skating und Biken mit geschichtlichem Wissen aus der Region verbanden, tauchten die Zweitklässler in die Berufswelt ein. In Betriebsbesichtigungen bei Firmen wie Starrag, Stadler, Sefar oder im Pflegewohnheim erhielten die zukünftigen Lehrlinge Einblick in die «reale» Welt. Viele persönliche Gespräche und Tips zu Bewerbung und Vorstellungsgespräch rundeten die gut organisierten Besuche ab.
Der erste Eindruck ist wichtig
Am folgenden Tag konnte dieses Wissen angewendet werden. 25 Personalchefs ermöglichten den Schülerinnen und Schülern, ein fiktives Vorstellungsgespräch zu üben. Manch einer staunte wohl darüber, wie wichtig Kleinigkeiten für eine erfolgreiche Bewerbung sein können. Schon der Händedruck stellte für einige ein Problem dar. Auch die richtige Kleidung und die Grundsätze des Benehmens tragen zum Erfolg bei – nach dem Motto: Der erste Eindruck zählt. Die Schule ist allen Firmen und Personalchefs dankbar für ihren Einsatz.
Für Abwechslung sorgten Kurse wie Selbstverteidigung, Graphologie, Bauch-Beine-Po-Übungen, Yoga, Stilberatung, Gastronomie-Knigge oder Arbeit im Werkhof Thal sowie weitere nützliche Anleitungen, die fürs Weiterkommen von Bedeutung sind.
Für die Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen ist der Bereich Berufswahl bereits abgeschlossen; sie werden im Sommer ins Erwachsenenleben übertreten. Aber auch ihnen wurden unter dem Motto «Kultur live» unzählige Ideen zur weiteren Gestaltung ihrer Freizeit mitgegeben. So erhielt eine Gruppe die Gelegenheit, im Kunstraum Rorschach zusammen mit dem Künstler René Etter und Zeichnungslehrer Roland Stieger eigene Kunstwerke zu gestalten. Ein kurzer Film entführte sie in die Welt der Bilder und sie staunten über die Vielseitigkeit von Etters Schaffen, das sich von gegenständlichen, symbolistischen bis zu ungegenständlichen Werken erstreckt. Am Nachmittag stand das Kunstmuseum St. Gallen auf dem Programm. Die anspruchsvolle Ausstellung «Silvia Bächli: far apart – close together», dieser momentan bekanntesten Schweizer Zeichnerin, bewegte die Gemüter während der Führung mit einer Museumspädagogin, die es aber verstand, die Werke aus einem speziellen Blickwinkel zu beleuchten.
Derweil probten zwei Gruppen je ein Theaterstück, die im Juni zur Aufführung gelangen. Zehn bis 15 Realschüler helfen der Inspektorin, den «Mord in der Waschküche» aufzuklären. Spannung garantiert. Dagegen wird im zweiten Stück gewettet, wie es von Londoner Bürgern wohl nicht anders zu erwarten ist: Kann man sich mit einer Million-Pfund-Note durchs Leben schlagen oder landet man hinter Gittern wie unlängst ein Mann in den USA, der mit einer Million-Dollar-Note im Supermarkt bezahlen wollte?
Einblick in die Justiz
Dieser Frage ging man im Kurs «Recht und Ordnung» nach, der die Schüler in eine Gerichtsverhandlung, auf den Polizeistützpunkt in St. Gallen und zur Jugendanwaltschaft führte. Es sei spannend gewesen, mal einen Einblick in Gebiete zu erhalten, die dem einen oder andern allenfalls aus Filmen (und hoffentlich nicht aus eigener Erfahrung) bekannt sind.
Eine letzte Gruppe kochte und backte Rezepte aus verschiedenen Regionen der Schweiz nach. Unter anderem lernte sie Brote kennen und staunte darüber, was man mit Wildkräutern machen kann. Den Abschluss dieser speziellen Tage bildete der «Maibummel», eine Wanderung auf dem Planetenweg von St. Gallen nach Steinach und weiter nach Arbon, wo schon die grillierten Würste warteten. Alle 250 Schüler und Lehrpersonen freuten sich über das schöne Wetter, das sie nach drei kalten und regnerischen Tagen wärmte. Am Freitag und am Samstagmorgen waren dann die Eltern eingeladen, die Schulstuben und den Unterricht ihrer Kinder im OZ zu besuchen. Gleichzeitig konnten sie sich über die gelungenen Werke aus dem Kunstprojekt und kulinarische Grüsse aus der Küche erfreuen. (pd)
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