Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 03. September 2010 01:02:51

Gewissheit aus dem Automaten

Zoom

Maybe baby: Schwangerschaftstest aus dem Automaten beim Bahnhof Au. (Bild: Bild: Samuel Tanner)

RHEINTAL. Die roten Selecta-Automaten wurden im August um ein aussergewöhnliches Produkt reicher: Mit dem Schwangerschaftstest «maybe baby» soll man anonym Gewissheit erlangen.

Samuel Tanner

Er ist zwischen Schokoriegeln und Kondomen platziert worden. Er ist preislich der Rolls-Royce im Sortiment und leuchtet ganz unscheinbar violett: der Schwangerschaftstest. Im August wurde er in allen Rheintaler Selecta-Automaten verteilt. Für fünfzehn Franken gibt es die Gewissheit aus dem Automaten. Vorbei die Zeiten, als sich junge Frauen neben der Nachbarin an der Drogerie-Kasse bedienen lassen mussten und neugierige Blicke ernteten. Die roten Automaten bedienen einen auch nachts.

Test hat sich bereits bewährt

«Schnell, einfach und mit einer Sicherheit von mehr als 99 Prozent», das sei die Welt von «maybe baby», heisst es auf der Internetseite des Schwangerschaftstests. Die Firma Wäfler Diagnostics AG aus der Zentralschweiz ist der Hersteller des Qualitätsprodukt. Dass der Test an fast jedem Bahnhof der Schweiz – und vielen anderen Orten – käuflich ist, soll nicht heissen, dass er deswegen weniger zuverlässig ist.

Wie kam der Test in die Automaten? Hanspeter Mohler, Leiter der operativen Geschäfte bei Selecta, erklärt: «Bevor der Schwangerschaftstest in allen Selecta-Automaten der Schweiz eingeführt wurde, durchlief er eine Testphase.» Schon während dieser Bewährungsprobe in etwa 120 ausgewählten Automaten habe sich «maybe baby» als starkes Produkt gezeigt. Selecta nimmt immer wieder Anpassungen im Sortiment vor. Für den Test musste einer der vielen verschiedenen Schokoriegel weichen.

«Durch diese Veränderung sprechen wir eine neue Kundengruppe an», nennt Mohler einen der Vorteile des neuen Produkts. Die Möglichkeit, den intimen Kauf anonym zu tätigen, sei den Kundinnen ein wichtiges Anliegen, sagt Mohler.

Genau gleich erlebte der operative Leiter von Selecta vor über zwanzig Jahren die Einführung der Kondome bei den Automaten. «Damals war das Aufsehen in der Presse ebenso gross wie aktuell.» Selecta ist ein Traditionsunternehmen.

Die Verkaufsautomaten sind schweizweit bekannt und sowohl in den Kantinen der grösseren Schweizer Firmen, als auch von den Dorfplätzen von Airolo bis Zuzwil nicht mehr wegzudenken. Die roten Automaten stechen genauso heraus wie gelbe Postautos. «Wir möchten uns aber nicht vordringlich in Richtung Apotheken-Artikel bewegen», relativiert Mohler.

15 Franken in Münz

«Es darf zu jeder Tages- und Nachtzeit pressieren, an sieben Tagen in der Woche», lautet einer der Werbesprüche des Herstellers. Klar, die Selecta-Automaten kennen keine Öffnungszeiten. Doch wer hat schon zu jeder Tages- und Nachtzeit für fünfzehn Franken Münz im Portemonnaie? «Dann muss man halt den Partner noch fragen», sagt Mohler und lacht. Selecta plant aber schon weiter: In Zukunft möchte man die Bezahlung per Handy einführen.

So könnte man den Schwangerschaftstest über die Telefonrechnung zahlen – das Münz-Problem wäre gelöst.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / apps

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: