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Tagblatt Online, 06. Februar 2012 01:04:00

Fast wie Laurel und Hardy

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Jürg Schneider mit Sarah Schäfer als hübsche Schwester Melanie.

WIDNAU. Eine begeisterte Fangemeinde verfolgte am Freitag die Fisimatenten des umtriebigen Jörg Schneider, der zur Feier seines 75. Geburtstags auf der Bühne Altersheim-Luft schnupperte.

MAYA SEILER

Jörg Schneider und Vincenzo Biagi sind in der Komödie «Scho wieder Sunntig» ein Komikerduo fast wie Stan Laurel und Oliver Hardy. Wie bei den unsterblichen Stummfilmstars ist Jörg Schneider alias Stan die treibende Kraft der Handlung. Er spielt Armin Stämpfli, einen wohlgenährten, trotz seiner Altersgebrechen agilen Altersheim-Insassen; während Vincenzo Biagi den hageren, tolpatschigen Otto Brunner mimt. Das Stück lebt natürlich auch durch die Dialekt-Bearbeitung, für welche Jörg Schneider selber verantwortlich zeichnet. Überall, wo er spielt, liebt ihn das Publikum. Auch in Widnau begrüssten die fast 300 Zuschauer bereits sein erstes Auftreten als Armin Stämpfli mit Applaus. Ort des Geschehens war dessen Zimmer im Altersheim. Hier trafen sich die verschiedenen Akteure des Stücks in unterschiedlicher Kombination.

Altersbeschwerden

Stämpflis Freund Otto kam täglich zu Besuch, um über eine Flucht aus dem Heim zu beraten. Dazu hatten sie ein Flucht-Komitee gegründet; aber übers Pläneschmieden kamen die beiden alten Herren nicht hinaus. Beide fürchteten sich davor, dement und inkontinent zu werden. Die häufigen WC-Besuche Stämpflis und die Gedächtnisübungen Brunners zeigten, dass ihre Angst nicht ohne Grund war. Als glühende Bewunderer des EHC Arosa zählten sie immer wieder die Spieler auf, welche mit dem EHC 1951 zum ersten Mal Schweizer Meister wurden. Mit Müh und Not brachten sie die Namen zusammen, nur der Goalie wollte ihnen nicht einfallen.

Abwechslung im Heimalltag

Wenn die bildhübsche Geriatriepflegerin Melanie zu Stämpfli ins Zimmer kam, spielte er den unverbesserlichen Casanova. Mit der Putzfrau, pardon Reinigungskraft, Frau Marthaler stritt er sich herum, obwohl sie auf seinen Wunsch alte Schnulzen intonierte. Der Besuch von Tochter und Schwiegersohn, pflichtbewusst jeden ersten Sonntag des Monats, war eine weitere Konfliktquelle. Die Jungen suchten verzweifelt nach einem Gesprächsthema; nur als ihm der Schwiegersohn ein Buch über die Glanzzeiten des EHC Arosa mitbrachte, freute sich Armin aufrichtig.

Versöhnlicher Schluss

Wenn ein Stück im Altersheim spielt, gibt es kein Happy End – oder wie es Armin schonungslos formulierte: «Jeder hier drin hat nichts mehr zu erwarten als den Tod.» Die beiden alten Knacker aber hatten die Lacher immer wieder auf ihrer Seite. Als Theaterbesucher durfte man über altersbedingte Missgeschicke lachen, vielleicht wäre es hilfreich, auch als Besucher im Altersheim das Lachen nicht zu verlernen.

Das Publikum war begeistert, wie der nicht enden wollende Applaus zeigte. «Wir lassen keinen Auftritt von Jörg Schneider aus; schon meine Eltern haben seine Aufführungen besucht; ein herrliches Thema, aus dem Leben gegriffen; die Altersheim-Atmosphäre ist absolut treffend», waren einige Zuschauer-Kommentare.





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