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Tagblatt Online, 05. Juli 2012 08:37:00

Eine Tandemfahrt in die Pension

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Pause: Das gesunde Znünibuffet fand grossen Anklang. (Bild: unknown)

BERNECK. Nach 38 Dienstjahren wird der Bernecker Primarlehrer Rainer Sieber Ende Schuljahr vorzeitig in die Pension verabschiedet. Gestern Vormittag bereiteten Lehrerkollegen zusammen mit den Schülern des Schulhauses Bünt ein spezielles Programm vor, um ihn damit zu überraschen.

SERAINA HESS

Schon um acht Uhr in der Früh wartete ein etwas anderer Start in den Schulalltag auf den bald pensionierten Primarlehrer Rainer Sieber. Die Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Bünt empfingen ihn Spalier-stehend, überreichten ihm ein selbst bemaltes T-Shirt und informierten ihn über das weitere Programm: Eine «Fahrt in die Rente», so hiess der Tandemausflug durch das Rheintal, zusammen mit Schulleiter Remo Ganther. «Wir sind bis ins Maz gefahren, um ein paar Längen zu schwimmen. Natürlich haben wir anschliessend im Restaurant Habsburg noch Kafi und Gipfeli genossen», berichtete Ganther nach der Rückkehr.

Eine erprobte Nase

Nach einem reichhaltigen, selbst gemachten Znünibuffet führten Lehrer und Kinder Rainer Sieber durch einen Postenlauf. Jede Station beinhaltete spielerische Aufgaben, wobei er bei einer zufriedenstellenden Leistung jeweils einen Preis gewinnen konnte. Zu den Aufgaben gehörten Büchsenwerfen, ein Barfussweg und ein von Schülern geführtes Interview. Höhepunkt des Postenlaufs war der Garten-Test, der vom Schulgärtner Ernst Niederer organisiert worden war. Die Aufgabe des naturverbundenen Siebers bestand darin, verschiedene Teesorten und Kräuter aus dem schuleigenen Treibhaus mit verdeckten Augen zu erkennen. Die Schüler staunten nicht schlecht, als es dem Lehrer gelang, neben ein paar Ausnahmen jedes Kraut und jeden Tee korrekt zu benennen. Selbst den Weisswein erkannte er beim ersten Schluck: Es handelte sich um einen Bernecker Riesling × Sylvaner.

1974 erwarb Rainer Sieber das Lehrerpatent und trat gleich darauf seine erste Stelle in der Primarschule Bünt an. Dieser blieb er bis heute treu. Der Unterricht von Sieber lebte von seiner emotionalen Ausstrahlung. Es war ihm stets ein Anliegen, die Schulkinder mit lebensnahen Themen zu fesseln und sie zum Lernen fürs Leben zu motivieren. Viele naturkundliche, musikalische und geschichtliche Aspekte bereicherten seine Lektionen. Sieber steckte zudem viel Zeit in die Vorbereitung und Durchführung ausserordentlicher Schulanlässe.

Handwerken in der Freizeit

«In Zukunft werde ich nicht mehr so viel mit dem Kopf arbeiten, sondern meine Hände mehr gebrauchen», sagt Sieber. Dass dem Hobby-Ornithologen die Natur am Herzen liegt, ist offensichtlich. Die auf seine Initiative gepflanzten Obstbäume beim Schulhaus Bünt möchte er auch über seine Pensionierung hinaus pflegen. Er wird in seiner Freizeit zudem viel Lesen und neue Sprachen lernen. «Ich möchte nämlich wissen, wie es für die Schüler war, wenn sie etwas mühsam lernen mussten», ergänzte Sieber lachend.

Viele Schulkinder haben in all den Jahren von Rainer Sieber einen Teil ihres Rüstzeugs für den weiteren Lebensweg erhalten. Doch auch er als langjähriger Lehrervertreter der Bünt hat etwas von den Schülern gelernt: «Kinder besitzen eine Begeisterungsfähigkeit, die vielen Erwachsenen fehlt.»





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