Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 07. September 2010 01:01:11

Ein Chor erhält alte Liedkultur

Zoom

Der Chor über dem Bodensee widmete sich in seinem jüngsten Projekt dem Volkslied; entstanden sind CD und Liederbuch. (Bild: Bild: Isabelle Kürsteiner)

WALZENHAUSEN. Es ist keine Unterhaltungsmusik, sondern altes Liedgut, das der Chor über dem Bodensee eingespielt oder besser eingesungen hat. Am Sonntag fand die CD-Taufe im Hotel Walzenhausen vor begeistertem Publikum statt.

Isabelle Kürsteiner

Es sind keine Ohrwürmer, sondern Volkslieder aus vergangener Zeit, denen sich der Chor über dem Bodensee im vergangenen Projekt gewidmet hat. Vor drei Jahren entstand die Idee mit dem Ziel, altes Liedgut festzuhalten. Ein schwieriges Unterfangen, gab es doch nur wenig Literatur, die dann auch noch für Chor und Instrumente bearbeitet werden musste. Ursula Kehl und Willi Kellenberger schrieben die Chorsätze, Roland Küng die instrumentalen.

Die Lieder erzählen von Krieg und Tod, von Arbeit und Mühsal, von unerwiderter Liebe, aber auch von Spott und Schmäh. Aus der Idee entstanden ein Liederbuch mit Texten und Melodien sowie eine CD. In einem Konzert in der evangelischen Kirche in Walzenhausen fanden die Tonaufnahmen statt. Das Liedgut erhält mit der Intonation durch den Chor über dem Bodensee unter der Leitung von Judit Marti sowie der instrumentellen Begleitung durch die Geschwister Küng einen modernen und faszinierenden Charakter.

Die Kriegslieder wirken düster bis ohnmächtig. Sie schildern die Sinnlosigkeit und das Ausgeliefertsein. Damit erhalten sie in der heutigen Zeit eine politische Brisanz. Schon damals litt das Volk, weil Kriegsführer und Politiker mehr an Macht als an Menschen interessiert waren.

Arbeit und Liebe

Andere Lieder befassen sich mit der eintönigen Stick-, Web- oder Spinnarbeit.

Ob nun die langen Märsche im Krieg oder die endlosen Tage in der Weberei, sie wurden mit Liedern im Marsch- oder Arbeitstakt verkürzt. Lieder gegen die Monotonie. Heute werden eintönige Arbeitsgänge mehr und mehr von Computern übernommen. Somit werden in zweihundert Jahren wohl keine derartigen Volkslieder aus unserer Zeit mehr gefunden werden. Das Thema Liebe wird es auch dann noch geben.

Unerwiderte Liebe, verschmähte Liebe, tödlich endende Liebe, Liebesfeste und Feierlichkeiten; diesen zwei Themenkreisen wurde ebenfalls Aufmerksamkeit geschenkt. Zum Schluss dann noch der Schalk oder eben Schmäh und Spott.

Volkslied und Rap

Hier wagten es die Sängerinnen und Sänger, einen neuen Weg einzuschlagen. Sie engagierten den Rapper Dani Marti.

Er schrieb zu den Liedern «Es wott es Froueli z'Märit» sowie zum «Bohnenlied», einer Spott-Tirade auf den Pfarrerberuf, eine Rap-Version und spielte sie zusammen mit Gitarrist Christoph Hartmann und dem Chor ein. Entstanden sind zwei ganz einzigartige Werke.

Das Projekt mit «Liedern und Geschichten aus alter Zeit» konnte nur dank der Unterstützung von Sponsoren und Stiftungen sowie der Ausserrhoder Kulturstiftung realisiert werden.

Zum guten Gelingen stiessen am Sonntag Chor, Rapper und Geschwister Küng nach einigen musikalischen Kostproben an und luden die Besucher zum Apéro ein.

CD und Liederbuch können bei Elsbeth Diener bezogen werden: Telefon 071 888 14 73, E-Mail elsbeth.diener@bluewin.ch




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / apps

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: