Tagblatt Online, 28. August 2009 01:05:04
«Das perfekte Thema»
Heidi Hanselmann: «Berge haben in meinem Leben einen zentralen Wert.» (Bild: Bild: Archiv/Ralph Ribi)
Heidi Hanselmann, St. Galler Regierungsrätin und Vorsteherin des kantonalen Gesundheitsdepartements, hält morgen Samstag um 17.30 Uhr eine Predigt im Rahmen des Anlasses «Politiker predigen» in der evangelischen Kirche Heerbrugg.
Wer hat Sie auf die Idee gebracht, zu predigen?
Heidi Hanselmann: Ein Pfarrer aus Walenstadt. Er hat mich, als ich noch Kantonsrätin war, eingeladen, die Predigt an Allerheiligen zu halten.
Waren Sie überrascht? Was dachten Sie im ersten Augenblick?
Hanselmann: Ja, ich war überrascht, freute mich aber gleichzeitig darüber. Überrascht, weil ich als Politikerin, als Kantonsrätin, angefragt wurde.
Welche Themen kommen in Ihrer Predigt vor?
Hanselmann: Berge, denn Berge haben in meinem Leben einen zentralen Wert, sie sind Herausforderung und Leidenschaft zugleich, sie lassen mich gleichermassen staunen und ehrfürchtig sein. Sie sind Ort der Erholung und Ruhe. Auch in der Bibel spielen Berge eine bedeutende und spannende Rolle. Mose hat auf dem Berg Sinai von Gott die Zehn Gebote erhalten. Jesus ging auf die Berge, um dort mit seinen Jüngern zu reden oder um allein zu beten. Im galiläischen Bergland heilte er viele Kranke.
Also das perfekte Thema für mich, auch als Gesundheitschefin.
Gibt es politische Aspekte in Ihrer Predigt?
Hanselmann: Politik begleitet mich täglich, sei das in Form von gesundheitspolitischen, sozialen, volkswirtschaftlichen oder bildungspolitischen Fragestellungen. Und so liegt es natürlich auf der Hand, dass sie in gewisser Art und Weise auch Eingang in die Predigt finden wird. Mehr verrate ich jetzt aber noch nicht.
Als Leitpsalm für Ihre Predigt wählten Sie Psalm 15,1. Warum gerade diesen?
Hanselmann: Er wirft zwei wichtige und interessante Fragestellungen auf, über die sich sehr gut philosophieren lässt.
Werden unter den Gästen Freunde und Bekannte von Ihnen sein?
Hanselmann: Kann gut sein, ich lasse mich überraschen.
Welche Bedeutung hat die Kirche in Ihrem Leben?
Hanselmann: Als Seminaristin habe ich die Kinder in der Sonntagsschule unterrichtet.
Mir waren schon damals lebensnahe Themen wichtig, Themen und Geschichten, die Solidarität, Bescheidenheit und Dankbarkeit in den Fokus rückten. Ebenfalls habe ich mich in der Jungen Kirche engagiert. Die Kirche als Gebäude, errichtet an einem abgelegenen Ort, hat für mich heute ein besonderes Flair. Gerne wandere ich zu ihr, geniesse den Weg dorthin, die Ruhe, zünde eine Kerze an und gönne mir kurz die Zeit zum Meditieren.
Wie lange ist es her, seit Sie die letzte Predigt in einer Kirche gehört haben?
Hanselmann: Nicht lange, leider war das ein trauriger Anlass.
Worum ging es in der letzten Predigt, die Sie sich angehört haben?
Hanselmann: Akzeptieren, Abschiednehmen, Trennung, Loslassen und Neubeginn.
Bereiten Sie sich auf die Predigt anders vor als auf politische Auftritte?
Hanselmann: Nein, eigentlich nicht. Ich nehme jeden meiner Auftritte ernst, und deshalb heisst es gleichermassen: intensive Vorbereitung und Auseinandersetzung mit dem zu behandelnden Thema.
Was entgegnen Sie auf die ironische Bemerkung, als Politikerin seien Sie das Predigen ja gewohnt?
Hanselmann: Wer das sagt, hat wohl weder von der Arbeit einer Pfarrerin oder eines Pfarrers noch der Arbeit einer Regierungsrätin grosse Ahnung. Ich würde dem Fragesteller ein mildes Lächeln schenken.
Interview: Christian Wurster
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