Tagblatt Online, 09. September 2010 01:02:41
Leistung ständig steigern
Thomas Litscher feierte den Gewinn von U23-WM-Silber, indem er die Ziellinie zu Fuss überschritt. Das konnte er sich leisten, weil der Drittplazierte über eine halbe Minute zurücklag. (Bild: Bilder: Armin. M. Küstenbrück)
MOUNTAINBIKE. Der Thaler Mountainbiker Thomas Litscher wurde vergangenen Freitag im kanadischen Mont-Sainte-Anne Vize-Weltmeister der U23, und dies obwohl er auch nächstes Jahr noch in dieser Kategorie startberechtigt ist. Mit der Staffel gewann er sogar die WM-Goldmedaille.
Reto Wälter
Die letzten Meter zum Gewinn des Vize-Weltmeisters konnte es Thomas Litscher an der WM der Unter- 23-Jährigen sogar einmal gemächlich nehmen: Statt auf seinem Bike über die Ziellinie zu preschen, beendete er das Rennen marschierend, das Sportgerät in Jubelpose über dem Kopf haltend (Bild). Trotzdem hatte er mehr als eine halbe Minute Vorsprung auf Landsmann Patrik Gallati und verlor etwa gleich viel auf Sieger Mathias Flückiger – auch der ein Schweizer.
Momentan sind die Mannen mit weissem Kreuz auf rotem Hintergrund in der U23 und der Elite die führende Nation im Mountainbike-Sport.
Auf den Fünftplatzierten hatte Litscher bereits einen Vorsprung von fast drei Minuten. «Die Strecke im kanadischen Quebec war extrem selektiv: Man konnte sich nie erholen, und vorne wurden extreme Tempi gebolzt», sagt der 21-jährige Thaler. Das habe Opfer gefordert, und auch gute Fahrer seien eingebrochen.
Dass er in diesem schwierigen Rennen bestehen konnte, ist umso erfreulicher, weil er nächstes Jahr immer noch in der U23 starten darf: Erst auf Rang sechs folgt der erste Konkurrent, der altershalber auch 2011 noch mittun darf.
Nahziel U23-Weltmeister
Es ist das grosse Ziel von Thomas Litscher, an der U23-WM aufs oberste Treppchen steigen zu können, zumal diese auch noch in der Schweiz stattfindet.
Und es wäre eine logische Folge seiner Entwicklung: Der Junioren-Weltmeister von 2007 verbesserte sich in der U23 kontinuierlich – konnte sich vor einem Jahr Bronze umhängen lassen.
Bald wird der letzte grosse und vor allem entscheidende Schritt folgen: Der Angriff auf die Weltspitze. «Wenn ich einen guten Tag habe, kann ich jetzt schon Spitzenfahrer schlagen», sagt der Thaler und erklärt: «Am Rennen in Buchs war ich der beste Schweizer, und am Racer Bikes Cup in Solothurn konnte ich Spitzenfahrer wie Nino Schurter und Christoph Sauser hinter mir lassen.»
Lässt sich Zeit, zu reifen
Sein Ziel sei, sich kontinuierlich zu steigern. «Ich bin noch jung und lasse mir Zeit, deshalb bin ich auch nicht voll austrainiert, gehe nicht jetzt schon ans absolute Limit», sagt Litscher. Was auch nicht nötig ist, da er sich auch so stetig verbessert und in der Weltrangliste bereits zu den Top 35 gehört. Entsprechend setzt er sich Ziele: Dieses Jahr war sein bestes Weltcup-Resultat ein 15. Platz, nächstes Jahr möchte er eine Klassierung in den Top 15 erreichen.
In den Weltcup-Rennen lief es ihm 2010 nicht nach Wunsch – vor allem Anfang Saison hatte er mit Defekten und Stürzen zu kämpfen.
Da ist der Vize-WM-Titel und die Goldmedaille, die er mit der Staffel (ein Junior, ein U23-Fahrer, ein Elite- und eine Elite-Fahrerin) gewann, ein versöhnlicher Abschluss keiner einfachen Saison: Nachdem er sich an der EM in Israel hatte Staffel-Gold umhängen lassen können, wurde er Opfer der extremen Bedingungen – das Thermometer kletterte bis auf 40 Grad.
Litscher wurde krank und konnte nicht um den U23-EM-Titel fahren. Auch dies wird er 2011 nachholen können. Mit guten Chancen, da der 21-Jährige alles vorbereitet, um nochmals einen Schritt nach vorne tun zu können. Zurzeit arbeitet er in einem 50-Prozent-Pensum auf der Gemeinde Thal als Verwaltungsangestellter, möchte das Arbeitspensum 2011 reduzieren und die Trainingseinheiten von wöchentlich 15 auf 20 Stunden ausbauen.
Er wird in Deutschland in ein professionelleres Teams wechseln, wo er nebst dem Bike mit hartem Rahmen auch ein Voll-Gefedertes zur Verfügung haben wird, und so je nach Strecke das ideale Sportgerät nehmen kann. Nach Deutschland in die Bundesliga wechselte der Thaler bereits 2009, weil es hier kaum professionelle Teams gibt.
Fernziel Profi
Es ist ein Ziel von Litscher, seinen Sport einst als Vollprofi zu betreiben. Dass dies finanziell nicht einfach ist, zeigt der Umstand, dass die WM-Teilnehmer sogar einen Teil der Unkosten selber berappen mussten. «Zurzeit halten sich Ausgaben und Einnahmen die Waage: Was ich ausgebe, um den Mountainbike-Sport betreiben zu können, kommt auch rein», erklärt Thomas Litscher, der sich auch selber um Sponsoren bemühen muss.
Nach einem letzten Rennen im Oktober wird der Thaler einige Wochen pausieren, um im November in der Sportler-Rekrutenschule in Magglingen mit der Saisonvorbereitung 2011 anzufangen. Damit er den nächsten angemessenen Schritt nach vorne tun kann.
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