Tagblatt Online, 25. Juni 2012 01:08:24
Zecken-Impfung ist empfehlenswert
Obwohl Übertragungen des Zeckenenzephalitis-Virus auf den Menschen selten sind, empfiehlt sich eine Impfung. Die Folgen einer Ansteckung können gravierend sein.
SARAH SCHMALZ
Zecken haben in dieser Jahreszeit Hochsaison und können gefährliche Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Zeckenenzephalitis (FMSE) übertragen. In den vergangenen Jahren haben die FSME-Infektionen in der ganzen Schweiz zugenommen, besonders stark in den Ostschweizer Kantonen. Der Kanton Thurgau gilt sogar als Endemiegebiet.
Bisher keine wirksame Impfung
«Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, gegen die bisher keine wirksame Impfung entwickelt werden konnte», sagt Pietro Vernazza, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital St. Gallen. Die Symptome sind vielschichtig, eine Diagnose deshalb oft schwierig. Erste Anzeichen sind neben einer kreisförmigen Rötung der Haut oft Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Langzeitfolgen können Krankheiten wie Arthritis, Herzrhythmusstörungen oder anhaltende Schmerzen sein. «Wird die Zecke innerhalb von 24 Stunden vollständig entfernt, kann eine Ansteckung verhindert werden.» Die Zecke sollte mit einer Pinzette so nah an der Haut wie möglich gegriffen und langsam von der Einstichstelle weggezogen werden. Nach einer Ansteckung lasse sich der Verlauf einer Borreliose durch Antibiotika positiv beeinflussen.
FMSE-Virus bleibt im Körper
Anders ist dies beim FMSE-Virus. «Wird man von einer infizierten Zecke gebissen, steckt man sich sofort an, und das Virus bleibt für immer im Körper der Betroffenen», sagt Vernazza. Meist hat eine Ansteckung für die Betroffenen keine Auswirkungen: Der Körper bildet in 70 bis 90 Prozent der Fälle Antikörper gegen das Virus.
«Passiert dies nicht, sind die Konsequenzen jedoch gravierend», sagt Vernazza. Das Virus greift das zentrale Nervensystem an. Die Folgen reichen von grippeähnlichen Symptomen wie Angeschlagenheit und Fieber über Lähmungen, Sprach- und Bewusstseinstrübung bis hin zu einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung.
Impfung gut verträglich
Ein Grossteil der Patienten erholt sich innert einiger Wochen vollständig von der Erkrankung. Rund 30 Prozent jedoch leiden lebenslang an den Folgen. «Oft sind die Krankheitsverläufe tragisch», erzählt Vernazza.
Schwere Fälle
«Ich bin mit einigen schweren Fällen in Berührung gekommen. Etwa mit dem einer Patientin, die vor der Erkrankung in einer Führungsposition tätig war und heute auf eine IV-Rente angewiesen ist. Sie wird vermutlich nie mehr voll ins Arbeitsleben zurückkehren können.» Solche Schicksale machten ihn betroffen, sagt Vernazza. Er rate seinen Patienten deshalb zu einer Impfung. «Sie ist gut verträglich. Ausser leichtem Fieber oder Schmerzen im Oberarm sind keine Nebenwirkungen bekannt.»
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