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Tagblatt Online, 16. Mai 2012 01:05:00

Vorurteilen auf der Spur

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Gisela Tobler hält ihr druckfrisches zweites Buch in den Händen. Nach zwei Jahren intensiver Recherche hat die Thalerin nun wieder mehr Zeit, um als freie Mitarbeiterin für die Zeitung zu schreiben. (Bild: Lea Müller)

Honorarkonsuln geniessen weitum einen zweifelhaften Ruf. Die freie Journalistin und Autorin Gisela Tobler aus Thal wollte wissen warum. Zwei Jahre lang hat sie recherchiert. Das Ergebnis ist ein Buch mit 22 Porträts.

LEA MÜLLER

THAL. Bei den Recherchen für ihr zweites Buch stiess Gisela Tobler oft auf Unverständnis. Als sie etwa einer Bekannten erzählte, dass sie sich mit dem Honorarkonsul von Grenada treffen wolle, meinte diese: «Das ist doch garantiert ein Geldwäscher.» Honorarkonsuln – für viele eitle Angeber, die sich nur dank ihres Titels aus so manchen Affären ziehen können. Doch was ist dran an diesen Vorurteilen? Das schlechte Image der Honorarkonsuln machte Gisela Tobler neugierig. «Ich wollte herausfinden, wie es wirklich ist.» Die freie Journalistin aus Thal hatte Feuer gefangen für dieses Thema. Auch die Lektorin und der Verleger waren begeistert. Und so stürzte sie sich in die Arbeit.

600 E-Mails geschrieben

Das war vor zwei Jahren. Jetzt hält Gisela Tobler ihr druckfrisches Buch mit dem Titel «Hüter der Ehre. Honorarkonsuln im Porträt» in der Hand. Sie ist sichtlich stolz. «Es ist ein schönes Gefühl, dass das Werk nun abgeschlossen ist», sagt sie. Zwei Jahre lang hatten sie die Honorarkonsuln auf Trab gehalten. Mit allen konnte sie sich in der Schweiz persönlich treffen. Sie recherchierte, organisierte, telefonierte, interviewte, hakte nach und schrieb und schrieb. Aus dieser Zeit hat die Journalistin etwa 600 E-Mails abgespeichert. Um Beruf, Familie und Buchprojekt unter einen Hut zu bringen, musste sich die Journalistin und Deutschlehrerin die Zeit gut einteilen. «Die Mitarbeit beim <St. Galler Tagblatt> musste ich zugunsten meines Buches etwas vernachlässigen», sagt sie. So manche Nacht habe sie vor dem Computer verbracht.

Entstanden ist ein 192 Seiten starkes Buch mit 22 Porträts über Honorarkonsuln und Honorarkonsulinnen in der Schweiz. Sie haben der Autorin erzählt, wie sie zu ihrem Amt gekommen sind, welche Aufgaben sie erfüllen, was sie für ihr Land bereits bewirken konnten und welche Pläne sie für die Zukunft haben. Honorarkonsuln sind Amtspersonen, die die Interessen eines bestimmten Staates in einem fremden Land vertreten. Anders als Diplomaten und Botschafter sind sie nicht in der Politik tätig, sondern engagieren sich vorwiegend im Bereich Wirtschaft und Kultur. Sie leisten diese Arbeit ehrenamtlich, verdienen ihr Geld mit anderen Tätigkeiten. Laut der Autorin sind Honorarkonsuln meist gut situierte Persönlichkeiten, die über ein weit verzweigtes Netzwerk verfügen und mit den Verhältnissen beider Staaten vertraut sind.

Fremde Länder und Kulturen

Zu Wort kommen im Buch unter anderen Werner Stauffacher, Honorarkonsul von Tschechien, Frederik Paulsen, Honorarkonsul von Russland, Fredmund Malik, Honorarkonsul von Österreich, und Urs E. Schwarzenbach, Honorarkonsul der Mongolei. «Mein Buch soll auch die Neugier auf fremde Länder und Kulturen wecken», sagt Gisela Tobler.

Die Buchautorin erlebte die Honorarkonsuln als äusserst kommunikative Personen, die auch nicht davor zurückschreckten, Pikantes zu erzählen. «Ich habe sie immer geradeheraus konfrontiert mit den Vorurteilen gegenüber ihrem Amt», erzählt Gisela Tobler und lacht. «Die meisten waren nicht um eine Antwort verlegen.» Vorurteile, Gerüchte und Halbwahrheiten interessieren Gisela Tobler. Schon in ihrem ersten Buch, das 2007 unter dem Titel «Russen sind anders» erschien, porträtierte sie mit Rechtsanwalt Karl Eckstein eine polarisierende Figur. «Mein Beweggrund für das zweite Buch war echtes Interesse, nicht die Suche nach einem Skandal», sagt Gisela Tobler. «Mich nahm einfach Wunder, ob der schlechte Ruf dieses Ehrenamts zutrifft.»

«Besser als ihr Ruf»

Und ihr Fazit? «Honorarkonsuln sind besser als ihr Ruf», sagt die Autorin knapp. Tatsächlich könne nicht ausgeschlossen werden, dass Einzelne den Titel erkaufen oder Privilegien wie Ansehen und Macht falsch interpretieren würden. Von den 22 porträtierten Honorarkonsuln zeigt sich Gisela Tobler aber durchwegs positiv beeindruckt: «Es sind alles Macher-Typen, die die richtigen Leute zusammenbringen können. Damit bewirken sie viel für das Land, das sie vertreten.»




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