Tagblatt Online, 03. September 2010 01:02:51
Vermieter vollendet Kunst
«Die Vergänglichkeit» im Juli 2002. (Bild: Bild: pd)
RHEINECK. Über Jahre liess der Rheinecker Künstler Norbert «Spigar» Spirig seine «Vergänglichkeit» verfallen und verwittern, zuletzt in einem Hinterhof. Dann räumte der Hauswart auf.
René schneider
Gebaut hatte Spigar das Werk mit dem Titel Vergänglichkeit 2002, nach dem Tod einer Freundin. «Ich packte alles hinein, was mich damals und in den Folgejahren beschäftigte und setzte das Objekt seiner eigenen Vergänglichkeit aus.» Spigar erzählt die Geschichte im Juli 2010, im Hinterhof seines Ateliers, wo auf einem Handwagen ein Häufchen aus Papier und Holz vor sich hin gammelt und müffelt.
Ein Foto von 2002 zeigt, was es mal war: Ein mit Kunststoffbahnen und Papier umwickeltes Gerüst aus Holz, im Inneren ruhen diverse kleine und kleinste Gegenstände und Symbole. Über allem fliegt eine Friedenstaube. Später fügte «Spigi» dem Objekt eine Kugel aus Papiermaché bei, in die er sämtliche Briefe der Verstorbenen gepackt hatte. Objekt samt Kugel standen jahrelang beim «Herzig-Haus» oberhalb des Städtlis.
Als der Künstler dieses räumen musste, fuhr er das Werk auf einem Handwagen in den Hinterhof seines neuen Ateliers. Auch dort stand es jahrelang. Bis sich neulich Spigars Vermieter meldete: Er habe geräumt im Hinterhof und allen Müll entsorgt. Ob «Spigi» den Handwagen behalten wolle?
Der Künstler wird den Vermieter nicht vor den Richter ziehen: «Das Werk hat seine Bestimmung auf originelle Weise erfüllt.»
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Kulturpalast (04. September 2010, 12:54)
Soziale Skulptur
Ganz im Sinne von Joseph Beuys' (1921 - 1986) "Sozialer Skulptur".
Beitrag kommentierenSehr schöner , mit hohem Einfühlungsgsvermögen geschriebener Artikel.
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