Tagblatt Online, 08. Februar 2012 01:04:00
Kupfer von Fassaden geklaut
Am Markt in Heerbrugg, mit der Einfahrt zur Tiefgarage. (Bild: René Schneider)
HEERBRUGG. Der 22-jährige Deutsche ging 2008 als Rheintaler Kupferdieb um. Er klaute Kabel, Dachrinnen, auch Kupferkessi aus Gärten. Jetzt wartet das Gericht.
RENé SCHNEIDER
Vermutet wurden damals Roma. Oder andere «Kriminaltouristen aus dem Osten». Aber der Täter ist Deutscher. Damals, 2008, die Überbauung «Am Markt» war die grösste Baustelle im Rheintal, war er 22 Jahre alt. Mit seinem Honda Civic, mit einem Kennzeichen aus Sachsen-Anhalt, bewegte sich der ledige Monteur im Rheintal und in der übrigen Ostschweiz – und klaute Kupfer; meist von Baustellen, aber auch aus Gärten und von Fassaden. Er verkaufte es an Altstoff-Händler, zum Teil ebenfalls in der Ostschweiz. Ob diese als Hehler belangt werden, wird sich weisen.
Ein Monat U-Haft
Wie und warum der Kupferdieb erwischt wurde, steht nicht in der Anklageschrift. Aber danach sass er im August/September 2008 einen Monat lang in Untersuchungshaft. Auf heute Mittwoch war die Verhandlung vor dem Kreisgericht in Rheineck angesagt, die aber kurzfristig verschoben wurde. Vorgeworfen wird dem inzwischen 26-jährigen Mann Brandstiftung, gewerbsmässiger Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch sowie Marihuana-Besitz. Die Liste der Privatkläger umfasst etwa ein Dutzend Unternehmen, darunter die Gemeinde Au mit 15 000 Franken. Der Brand Am Markt hatte Schäden an den Installationen der Elektra verursacht. Insgesamt klaute der Mann Kupfer im Wert von 40 000 Franken und verursachte dabei Schäden von 8000 Franken.
Viermal auf Baustelle Am Markt
Auf seinen Kupfer-Raubzügen besuchte der junge Mann im August 2008 innert weniger Wochen viermal die Baustelle Am Markt in Heerbrugg. In der Nacht vom 4. auf den 5. August klaute er Kupferkabel im Wert von 6000 Franken. Die Arbeiter sicherten das Material-Lager darauf mit einer Palette Ziegelsteinen. Dem Dieb gelang es trotzdem, in der Folge-Nacht nochmals Kabel im Wert von 4000 Franken zu ergattern. Zehn Tage später besuchte er die Tiefgarage zum dritten Mal, brach mit schwerem Werkzeug das Sicherheitsschloss zum Materiallager auf und stahl Kupferkabel auf Rollen für über 20 000 Franken. Er musste mit seinem kleinen Honda das Material in drei Fuhren wegschaffen, wie der Geständige bei der Befragung einräumte. Zwei Tage später stieg der junge Mann zu Fuss in die Tiefgarage ein und brach dort mit einer aufgefundenen Eisenstange einen Lieferwagen auf, um an Einbruchwerkzeug zu kommen.
1,5 Millionen Schaden
Aus dem Lieferwagen stahl er einen Winkelschleifer und zwei Endlos-Bänder. Mit einem Akkubohrer öffnete er wieder gewaltsam ein Sicherheitsschloss und stahl Kupferkabel für 2500 Franken. Er trug es zu Fuss durch ein zuvor hochgeschobenes Absperrgitter aus der Garage und zu seinem abgestellten Auto.
Um seine Spuren zu verwischen, setzte der Täter mit einem Baumwoll-Lappen, etwas vorgefundenem Holz und einem Feuerzeug die Sitzbank im aufgebrochenen Lieferwagen in Brand Der Brand vernichtete zwei Lieferwagen, Baumaterial und verursachte einen Gebäudeschaden von insgesamt rund anderthalb Millionen Franken.
Gemäss Anklageschrift fordert die Staatsanwaltschaft eine (bedingte) Freiheitsstrafe von zwei Jahren, eine Busse von hundert Franken sowie die Bezahlung der Untersuchungskosten von 8000 Franken. Das Gericht wird ebenfalls entscheiden, ob die Forderungen der Geschädigten anerkannt oder auf den Zivilweg verwiesen werden.
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