Tagblatt Online, 06. September 2010 01:04:54
Der Zauber des Biedermeiers
Die Biedermeier zogen am Festwochenende ein ganzes Dorf in ihren Bann. (Bild: Bild: apz)
Dieses Wochenende hat Heiden an der Uhr gedreht und das Biedermeier des 19. Jahrhunderts wieder aufleben lassen. Das fünfte Biedermeierfest hat einen ganz besonderen Zauber über das Dorf gelegt.
Susanna Schoch
Heiden. Die Festlichkeiten am Wochenende bewiesen: Das Biedermeierdorf wird seinem Namen gerecht, nicht zuletzt dank des Engagements des Vereins Biedermeierfest Heiden. Bereits am Freitagabend hatten sich über 200 Besucher, mehr als 50 von ihnen aus dem Ausland, zur eröffnenden Ballnacht im Kursaal eingefunden. Zu Stradis Orchester führten die Herren ihre Begleiterinnen über die Tanzfläche – sie alle biedermeierlich gekleidet.
Damen- und Herrenmode
Die Damen trugen festliche Ballkleider, tailliert, mit Keulenärmeln und weiten, wippenden Reifröcken, hie und da verziert durch Schleifen, Spitzen oder Rüschen. Das Haar war zu festen Zapfenlocken gedreht, manche aufwendig hochgesteckt, mit Blumen oder Perlen geschmückt. Andere waren von Hauben mit weit hervorragender Krempe verdeckt, unter dem Kinn durch eine Schleife fixiert. Schlichter, doch keinesfalls weniger elegant, präsentierten sich die Herren.
In schmaler Hose, Weste, Überrock oder Frack, uni, gestreift oder geblümt, flanierten sie durch die Reihen, die Hemdkragen teilweise aufgestellt und von Tüchern, einer Fliege ähnlich, umschlungen, in der Hand einen Stock, auf dem Haupt Zylinder oder Zweispitzer.
Das Treiben auf der Strasse
Am Samstag und Sonntag trieb es die Besucherinnen und Besucher auf die Strasse.
Am Bauern-, Handwerker-, Gewerbe- und Nostalgiemarkt konnten sie Backwaren, frisches Gemüse und Obst, Fleisch und Käse erstehen. Sie konnten beobachten, wie durch altes Handwerk biedermeierliche Kleidungs- und Schmuckstücke, Möbel aus Holz und Bildnisse aus Stein entstanden. Sie konnten mit Kutsche oder Nostalgie-Dampfzug Rosa fahren, sich von Gauklern und Zauberern unterhalten lassen, im Historischen Museum untertauchen und die ausgestellten Scherenschnitte bewundern.
Einem musikalisch-tänzerischen oder -literarischen Abend folgte am Sonntag der abschliessende Festumzug.
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