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Tagblatt Online, 27. August 2010 01:04:38

«Und immer sagen, was ist»

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Von Frau zu Frau: Gemeindepräsidentin Christa Köppel mit der 104-jährigen Einwohnerin Margrit Naef. (Bild: Bild: René Schneider)

Margrit («Grittli») Naef im Widnauer Altersheim Augiessen feiert heute ihren 104. Geburtstag. Sie erlebte den Aufstieg und Niedergang der Viscosuisse und geniesst seit 1989 ihr Leben im Heim.

René Schneider

Widnau. Sie ist von beneidenswerter Wachheit, hübsch gekleidet, freundlich und liebevoll zu allen, entscheidet schnell, was sie will und was nicht – und es ist ihr egal, wenn sie nicht alles versteht oder ihr nicht auf alle Fragen der Gäste eine Antwort einfällt. «Ich erinnere mich nicht mehr an alles», sagt sie dann. Oder (auf die Frage, ob sie einmal verheiratet war: «Das sage ich nicht – und ich weiss noch, was ich sage.»

Aber sie beantwortet die Frage nach dem Rezept für ein hohes Alter: «Man muss auf vieles verzichten können und das Glück haben, immer gute Menschen um sich zu haben.» Dann schiebt sie nach: «Und man muss immer sagen können, was ist, sonst bekommt man einen Kropf.» Darüber lacht auch sie herzlich. Nebenbei erwähnt sie, es sei für sie ein Vorteil gewesen, nie reich zu sein, «denn so ist man schneller zufrieden».

Margrit Naef wurde am 27. August 1906 in Furth bei St. Peterzell geboren und kam als junge Frau nach Widnau, wo sie ab der Gründung zuerst als Arbeiterin, dann im Büro bei Viscosuisse arbeitete. Sie sei keine Sekretärin gewesen, betont sie. «Ich war nicht so klug wie die Gescheiten, aber ich machte dieselben Fehler wie sie», relativiert sie sich – und kann auch darüber herzlich lachen.

Sie habe eine gute Zeit gehabt in der Viscouuisse, betont sie immer wieder, «mit guten Chefs und netten Menschen um mich». Später arbeitete sie als Nachstickerin, und seit 1968 ist Margrit Naef pensioniert. Im Altersheim Augiessen wohnt sie seit 1989 und ist nicht nur die älteste, sondern auch dienstälteste Einwohnerin. Gemeindepräsidentin Christa Köppel besuchte die Jubilarin mit einem Blumenstrauss und nahm sich Zeit für einen Schwatz mit ihr. Es gefalle ihr gut im Altersheim, sagte die Jubilarin.

«Ein hohes Alter zu erreichen ist schön, wenn es einem so gut ergeht wie mir.» Sie geniesse die Sonne, die netten Menschen um sich und freue sich auf Spaziergänge. Ab und zu schaffe sie es gar, ohne Hilfe dem Binnenkanal entlang zu gehen.





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