Tagblatt Online, 31. Mai 2012 01:04:30
Zivilschutzraum wird zum Museum
In mehreren Räumen der Rüthner Zivilschutzanlage häufen sich die Gegenstände, die Teil einer permanenten Ausstellung werden sollen. Der Rest bleibt eingelagert. «Ein Museum braucht einen guten Fundus», sagt Peter Schaps. (Bild: Kurt Latzer)
Vor knapp acht Jahren hat der Altstätter Peter Schaps die Leitung des Rüthner Ortsmuseums im ehemaligen Schulhaus Büchel übernommen. Seither ist er dabei, in der Zivilschutzanlage eine permanente Ausstellung einzurichten.
KURT LATZER
RÜTHI. Peter Schaps ist in seinem Element. Gerade hat er im Ortsmuseum die Führung mit einer Schulklasse beendet. Alle Exponate in den Vitrinen im ehemaligen Klassenzimmer des Schulhauses Büchel stammen aus seiner Sammlung. Gerne nimmt sich der pensionierte Lehrer Zeit, von seinem Engagement in Rüthi zu erzählen.
Ein Museum war genug
«Eines Tages hat mich die ehemalige Leiterin des Rüthner Museums, Sabine Greiser, gefragt, ob ich nicht die Leitung übernehmen wolle, sie sei als Rektorin des Gymnasiums Marienburg gewählt worden», sagt Schaps. Weil er damals die Leitung des Altstätter Museums innehatte, habe er zunächst abgelehnt. Nach unschönen Ereignissen habe er seine Arbeit in Altstätten eingestellt und die Leitung des Rüthner Museums übernommen.
Erhalt des Schulhauses
Seit 2004 ist er für das Rüthner Museum verantwortlich, «da redet mir niemand drein, ich kann in Ruhe arbeiten. Ich glaube sogar, dass man hier froh ist, wenn sich jemand darum kümmert», lächelt Schaps. Wie kam Rüthi eigentlich zum Museum?
«Das Büchler Schulhaus hatte als solches ausgedient, für einen Abbruch war dem Gemeinderat das schöne Biedermeier-Häuschen aber zu schade», sagt der Altstätter. Vor seiner Zeit in Rüthi habe der Gemeinderat in allen Haushalten Zettel verteilt und aufgerufen, alte Sachen nicht wegzuwerfen, weil man ein Museum einrichten wolle. «Das war in der Zeit, als Kuno Bont das Gemeindepräsidium übernahm. Er hat die Sache intensiv weitergeführt.»
Kein Platz für alte Gegenstände
Viele Rüthnerinnen und Rüthner seien dem Aufruf gefolgt und hätten alte Gegenstände abgegeben. Mit der Fülle des Materials, meist landwirtschaftliches Gerät, sei man vor dem nächsten Problem gestanden. Mit einem Dutzend Handsägen und Ähnlichem allein habe man ja schliesslich keine Ausstellung machen können. Ein weiteres Hindernis sei fehlender Platz im ehemaligen Schulhaus gewesen. «Man kann nicht richtig aufstellen in einem Raum, der mehrheitlich aus Fenstern besteht», sagt der Museumsleiter. Dennoch habe er kleinere Ausstellungen im Klassenzimmer und in einem Raum im Untergeschoss organisiert, meist mit Exponaten aus seiner Sammlung. Eines Tages habe sich die Chance geboten, eine Sammlung grösserer landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen zu übernehmen. Obwohl der Platz fehlte, habe man die Sammlung übernommen und zusammen mit allen anderen Gegenständen in der Zivilschutzanlage gelagert.
Am Anfang stand das Inventar
Wenig später habe der Gemeinderat beschlossen, dort eine permanente Ausstellung einzurichten. «Ich habe dem Gemeinderat aber klargemacht, dass es nicht damit getan ist, einfach ein paar alte Gegenstände zu zeigen», sagt Schaps. Er habe damals damit begonnen, sämtliche Gegenstände in der Zivilschutzanlage zu inventarisieren.
Weil es in der Anlage so dunkel und kalt war, wurde der Arbeitsraum des Museumsleiters mit einer Glasfront versehen und isoliert. Ausser der kleinen Werkstatt, in der Peter Schaps die alten Gegenstände säubert, ist der Raum gefüllt mit Waren, die abgegeben oder abgeholt wurden. Im hinteren Teil des Eingangsbereichs steht der Computer, mit dem er all die Gegenstände inventarisiert. In den angegliederten Räumen sind die Regale untergebracht, in denen die Exponate künftiger Ausstellungen nach Nummern sortiert untergebracht sind.
Alte Pflüge, Sensen, Sägen, Öfen, Tassen, Teller und Kisten: Mehrheitlich handelt es sich um Werkzeuge, Geräte oder Gegenstände, wie sie einst in Handwerksbetrieben, auf Bauernhöfen oder im Haushalt Verwendung fanden. «Unter anderem haben wir hier eine komplette Schmiede und die Einrichtung einer Schusterwerkstatt», sagt Peter Schaps.
Vielleicht dieses Jahr eröffnen
Im hintersten Raum der Zivilschutzanlage bedeckt eine Holzverschalung einen Teil der kalten Betonwand. Daneben, auf Paletten, sind weitere Holzelemente gestapelt. «Mit diesen Elementen können wir nicht nur die Wände abdecken und Vitrinen oder anderes daran festmachen, sondern auch die Räume unterteilen», sagt der Rüthner Museumsleiter.
Und wann wird eröffnet? «Vielleicht noch dieses Jahr, wenn alles klappt», meint Peter Schaps. Zunächst müsse er aber ein paar Helfer finden, die die Holzwände aufstellen. Die Hilfe betreffend, gerät der pensioniert Lehrer ins Schwärmen. Er habe sehr viel Unterstützung durch den Gemeindepräsidenten Thomas Ammann und Leute vom Bauamt bekommen. Dies stimme ihn zuversichtlich.
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