Tagblatt Online, 09. Februar 2012 09:18:00
Mehr Verkehr, weniger Grenze
Wegen der engen Platzverhältnisse beim Kriessner Zoll ist es in Spitzenzeiten bereits zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen. Zollinspektor Walter Portmann ist überzeugt, dass dort ohne bauliche Massnahmen nicht viel mehr Lastwagen abgefertigt werden könnten. (Bild: Kurt Latzer)
OBERES RHEINTAL. Am 1. März wird der Grenzübergang Nofels–Ruggell für den Güterverkehr geschlossen, Oberriet–Meiningen ist weniger lang bedient. Eine Zunahme des Schwerverkehrs wird nicht nur in Meiningen befürchtet, sondern auch in Oberriet.
KURT LATZER
Von den neuen Regelungen, die ab 1. März an den Grenzübergängen Nofels–Ruggell und Oberriet–Meiningen in Kraft treten, ist nicht nur der Güterverkehr betroffen. Die Auswirkungen für Gewerbe, Industrie und Privatpersonen werden von Zollinspektor Walter Portmann aber als gering bezeichnet. Der Oberrieter Gemeindepräsident Rolf Huber hingegen befürchtet eine schleichende Verlagerung des grenzüberschreitenden Schwerverkehrs von Au und Diepoldsau nach Kriessern und Oberriet.
Längere Wege für Private
Ähnlicher Meinung wie Portmann, den Grenzübergang Nofels betreffend, ist der Meininger Bürgermeister Thomas Pinter. Auf der Nofler Zufahrtsstrasse zum Zoll bestehe seit über zehn Jahren ein Fahrverbot für Lastwagen über sieben Tonnen. Zudem werde die Abfertigungszeit beim Zollamt Meiningen ab dem 1. März um eine Stunde gekürzt, von 17.30 auf spätestens noch 16.30 Uhr.
Walter Portmann: «In Nofels–Ruggell hatten wir 2011 pro Tag durchschnittlich fünf Einfuhren und vier Ausfuhren.» Die Verkürzung der Abfertigungszeiten in Oberriet wirke sich ebenfalls kaum aus. «In den Randzeiten sind von den verkürzten Abfertigungszeiten zwölf bis 15 Lastwagen betroffen, mehr nicht», meint der Zollinspektor. Einkaufstouristen, die nach Vorarlberg Einkaufen fahren und die Mehrwertsteuer zurückverlangen wollen, werden ab dem 1. März längere Umwege in Kauf nehmen müssen. In Meiningen ist dann ab 16.30 Uhr Schluss mit dem Abstempeln von Mehrwertsteuer-Belegen, in Mäder um 17 Uhr.
Der Schwerverkehr hat in den letzten Jahren am Grenzübergang Kriessern–Mäder deutlich mehr zugenommen als beim Oberrieter Zoll. «Im Durchschnitt haben wir 2011 in Kriessern bei der Einfuhr 140, bei der Ausfuhr 180 Lastwagen pro Tag gezählt. In Oberriet waren es 115 Lastwagen bei der Einfuhr und 150 bei der Ausfuhr», sagt Portmann. Diese Entwicklung beunruhigt den Oberrieter Gemeindepräsidenten. «Die Grenzübergänge Au und Diepoldsau sind fast regelmässig überlastet», sagt Rolf Huber, «um längeren Staus auszuweichen, verlagert sich der Schwerverkehr zunehmend rheinaufwärts.» Eine Mehrbelastung im Oberrheintal sieht Huber auch mit der Südspange, der Umfahrung Diepoldsaus über Mäder. Die Vorarlberger Bundesstrassen L 58 und L 55 in Mäder sind nicht nur bei Reisenden sehr beliebt, sondern auch bei Lastwagenchauffeuren. Rolf Huber ist sicher, dass auch die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) bei der Routenwahl eine Rolle spielt, «vielfach ist der Weg über die Dörfer eben näher als über die Autobahn oder die Umfahrung».
Kein Platz in Kriessern
Walter Portmann ist überzeugt: «Ohne bauliche Massnahmen wird der Schwerverkehr beim Grenzübergang Mäder–Kriessern nicht so schnell zunehmen.» Für die Ausfuhr von der Schweiz nach Österreich sei beim Zollamt Kriessern Platz für einen Lastwagen mit Anhänger. Ähnlich schlecht seien die Platzverhältnisse auf Vorarlberger Seite. Die Nerven von Chauffeuren lägen ohnedies oft blank. «Wegen dem Platzmangel beim Zollamt und auf der Brücke ist es schon zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen», sagt der Zollinspektor.
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