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Tagblatt Online, 28. August 2010 01:03:10

Pylonbrücke dank Bürgerstreich

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In der Nacht zum 30. August 1985 entstand dieses Bild. Am 30. August 1985 um 17.48 dokumentierte Fredy Roth (Kasten) das letzte Auto bei der Fahrt über die Eisenbrücke. (Bild: Bild: Fredy Roth)

Die Diepoldsauer Schrägseilbrücke wurde vor 25 Jahren am 30. August 1985 mit einem grossen Dorffest eröffnet. Dass sie wegen einer oppositionellen Bürgergruppe so schön geworden ist, hatten viele schon an den Festbänken vergessen.

René Schneider

Diepoldsau. An der Stelle der Schrägseilbrücke hatte die Trambrücke, eine Eisenkonstruktion, über den Rhein geführt. Sie war zusammen mit der noch stehenden oberen Rietbrücke 1913 mit dem «Diepoldsauer Durchstich» gebaut worden. Der zunehmende Verkehr sowie die schwereren Lastwagen hatten zusammen mit dem Streusalz der Konstruktion zugesetzt. Der Kanton wollte ab 1980 die Brücke ersetzen.

Schön muss sie sein

Der Diepoldsauer Gemeinderat verstand sich als Sprachrohr der Regierung. Opposition gegen die neue Brücke gab es von Anfang an. Die einen Dörfler wollten die alte Eisenbrücke wegen ihrer Schönheit und wegen ihrer schmaleren Schwester weiter oben und unten (Wiesenrainbrücke) behalten, die anderen, weil mit dem Neubau die Gewichtsbeschränkung fallen und danach der Schwerverkehr durch das Dorf zunehmen würde. Dann präsentierte der Kanton seine Baupläne: Ein Zweckbau mit Fahrbahn und beidseitig Trottoirs.

«Ein Betonbrett» schnödeten die Rheininsler. Der Gemeinderat hielt an seiner «Wir können nichts ausrichten – wer zahlt befiehlt»-Haltung fest. Die Opposition hatte zwar einen «Freihof»-Saal voll laute, unwillige Mitglieder, aber weder Geld noch Macht oder kreative Ideen. Ausser dem Mantra: «Wenn schon eine neue Brücke, dann etwas Spezielles, ein Wahrzeichen.» Die Ingenieure und Politiker aus St.

Gallen liessen sich einladen und redeten mit Rückendeckung des Gemeinderates im «Freihof» mit den Opponenten, verharrten dabei aber auf dem angeblich zweckmässigen und kostengünstigen Projekt. Alles andere sei teurer. Vom Kostenrahmen werde nicht abgewichen.

Genial und einfach

Die zündende Initiative und Idee kam dann von Josef Hutter-Spirig (1929 – 2006) und einem ihm wohlgesinnten, externen Brückeningenieur. Hutter war zu jener Zeit im Management der Baustahl-Abteilung von SFS und kannte die Tiefbau-Szene.

Seine Idee war – rückblickend – so einfach wie genial: Wenn man die neue Brücke statt an der gleichen Stelle ein paar Meter weiter rheinaufwärts und in einer Kurve bauen würde, entstünden bessere, flüssigere Anschlüsse an die bestehenden Strassen – und man könnte die alte Brücke erst nach der Bauzeit abbrechen.

Das Projekt des Kantons sah für die Zeit des Abbruchs und Neubaus ein Brückenprovisorium vor und den Neubau an Stelle der alten Brücke. Aus dem eingesparten Geld, so Hutter und die Opponenten im Dorf, könne der Kanton eine um diesen Betrag teurere, dafür aber schöne Brücke bauen. Eine Skizze von Sepp Hutter samt grober Kostenschätzung «seines Ingenieurs» stimmte tatsächlich die Politiker und Ingenieure des Kantons um und liess sie über die Bücher gehen.

30. August 1985

Die Schrägseilbrücke konnte am 30. August 1985 eröffnet werden. Ein Teil der Opposition war noch an der Eröffnung der Meinung, man hätte auf der neuen Brücke die Gewichtsbeschränkung beibehalten sollen. Andere bezeichneten das als «Schildbürgerdenken».

Mit der Eröffnung nahm dann wie befürchtet der Schwerverkehr überproportional zu. Er wurde in der Folge mit Verwaltungs- und zolltechnischen Massnahmen zum Grossteil auf die Grenzübergänge Au und St. Margrethen umgeleitet.





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