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Tagblatt Online, 27. August 2010 01:04:40

Polymechaniker-Lernende gesucht

Das Angebot an Polymechaniker-Lehrlingen ist gering. Geburtenschwache Jahrgänge, eine anspruchsvolle Ausbildung und mangelnde Einstellung der Jugendlichen sind Gründe dafür, dass Firmen Mühe haben, ihre Lehrstellen zu besetzen.

Samuel Tanner

Rheintal. «Die Technik ist faszinierend.» – «Die Arbeit gestaltet sich abwechslungsreich.» – «In den eigenen Händen entstehen Gehäuse und Formen.» Die Beschreibungen der Polymechaniker-Lehre tönen vielversprechend. Man könnte meinen, dieser Beruf sei auf der Beliebtheitsskala der Jugendlichen ganz oben rangiert, die Lehrstellen seien im Nu vergeben.

Doch gerade im Rheintal, wo der Lehrberuf dank der Zulieferer-Branche und Firmen wie Jansen und SFS verbreitet ist, kämpfen neuerdings einzelne Lehrbetriebe mit Bewerbermangel.

«Ein Imageproblem»

Ivo Riedi, Leiter Berufliche Grundbildung bei SFS, hält in seiner Analyse fest, das Problem sei vielschichtig: «Der Beruf kämpft vielleicht mit einem Imageproblem. Man wird halt auch mal dreckig.

» Weiter sind geburtenschwache Jahrgänge und die hohen Anforderungen eine Erschwernis. «Wenn ein Bewerber nicht gut genug ist, können wir ihn nicht anstellen. Wir müssen die Qualität unbedingt hoch halten», sagt Riedi. Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Erwartungen sind hoch. Riedi stellte in den letzten Jahren fest, dass die Jugendlichen ein breiteres Allgemeinwissen haben, die Tiefe dafür aber fehlt.

SFS konnte von den 16 Lehrstellen für dieses Schuljahr nur 12 besetzen, ein Novum. Zwar ist der Bewerbermangel regional unterschiedlich prekär, trotzdem bestätigt Jonas Lang, Stv. Kommunikationsleiter des Maschinenindustrieverbandes Swissmem, diesen Trend: «Wir organisieren unter dem Namen Tecmania eine breite Kampagne und sind an Messen und Schulen präsent, um die Lehre attraktiver zu präsentieren.» Auch die regionalen Arbeitgeber unternehmen viel. Informationsabende, Schnuppertage, Schulbesuche und Inserate sind Belege dafür.

«Den Jugendlichen fehlt heute oftmals auch die Motivation für eine anspruchsvolle Lehre. Die Freizeit ist wichtiger», sieht Andreas Bräker, Ausbildner der Polymechaniker bei der Paul Schilling AG in Au, noch ein anderes Problem. Die PSA konnte ihre vier Lehrplätze bisher ohne Probleme besetzen – in diesem Jahr kamen aber nur noch halb so viele Schnuppernde wie in den Jahren zuvor.

Standortvorteil Oberrheintal

Solche Probleme kennt Paul Lüchinger nicht. Als Chefausbildner von Jansen ist er zuständig für bis zu fünf Polymechaniker-Lernende pro Jahr. «Da wir ein grosses Einzugsgebiet rund um Oberriet haben, kennen wir bisher keinen Bewerbermangel», sagt Lüchinger aus Erfahrung. Der Altstätter Produktentwickler PWB bläst ins selbe Horn: «Wir nutzen die Werbung und unsere Schnuppertage. Die Rekrutierung war bisher kein Problem», sagt der leitende Ausbildner Raffael Lampert. Ist das Angebot aber generell kleiner als die Nachfrage, entsteht ein Konkurrenzkampf unter den Betrieben. «Es gibt Firmen, die neuerdings ihren Wunschkandidaten schon am Ende der 2. Oberstufe eine Lehrstelle versichern. Das ist eine ungesunde Entwicklung und nicht im Sinne der Jugendlichen», meint Ivo Riedi von SFS. Er möchte den potenziellen Lernenden lieber andere Qualitäten bieten. «Wir entlöhnen die Jugendlichen ab dem 2. Lehrjahr ausser mit dem Fixlohn mit leistungsabhängigen Prämien. » Diese Komponente ist einerseits von praktischen und schulischen Leistungen, andererseits vom Verhalten abhängig.

Dualen Weg unterstützen

Die Verantwortlichen der Lehrfirmen sowie des nationalen Industrieverbandes unternehmen viel, um den in der Schweiz wichtigen Beruf Polymechaniker attraktiver zu machen. Die gerade im Rheintal ausgeprägte Zulieferer-Branche kann ihre Qualität mittelfristig nur garantieren, indem der Nachwuchs nicht zu kurz kommt. Jonas Lang von Swissmem bekräftigt: «Wir unterstützen den dualen Bildungsweg nach wie vor mit allen Mitteln.»





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