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Tagblatt Online, 01. Mai 2012 01:06:00

«Local Stars» auf Rhema-Bühne

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Am Gwerblertag der Rhema fühlte Ferseh-Moderator Röbi Koller (Zweiter von links) den Gesprächspartnern auf den Zahn. Martin Thurnheer beeindruckte mit dem selten gewordenen Küferhandwerk, Gardi Hutter erzählte aus ihrem Leben als Clownin und Schauspielerin. Kurt Wettstein, Verwaltungsratspräsident der Rhema, bedankte sich bei allen Gästen für die interessanten Gespräche. (Bild: Bea Sutter)

ALTSTÄTTEN. Einer der letzten Küfer der Schweiz. Eine Clownin mit internationaler Ausstrahlung. Ein Kämpfer gegen das teure Leben hierzulande. Drei Persönlichkeiten prägten den 18.Gwerblertag. Allen gemein: Ihre Rheintaler Wurzeln.

MAYA SCHMID-EGERT

«Persönlichkeiten unter sich – nur die wirklich wichtigen» lautete der freche Titel des diesjährigen Gwerblertages. Die feine Provokation zog: Die Tagung im Appenzellerzelt war ausverkauft. Versprochen wurde nicht zuviel. Gleich zu Beginn holte Moderator Röbi Koller, selber eine mediale Persönlichkeit, mit Martin Thurnheer eine Persönlichkeit aus den hiesigen «Gwerbler»-Reihen auf die Rhema-Bühne, gefolgt von Preisüberwacher Stefan Meierhans und Clownin Gardi Hutter, beide aus Altstätten stammend.

Erfolgreiche Nische

Martin Thurnheer stellt in Berneck als einer der letzten Küfer der Schweiz Fässer, Badewannen und Hot Tubes her. Seine Spezialität sind Barrique-Fässer, die sonst nur noch von zwei anderen Mitbewerbern auf dem Schweizer Markt hergestellt werden. Stückzahl pro Jahr: 200 bis 300.

Martin Thurnheers Erfolg beruht auf drei Säulen: Erstens ist er ein Perfektionist, der alle Arbeitsschritte zu hundert Prozent selber kontrolliert. «Dies beginnt bei der Auswahl des Holzes im Wald, die ich selber vornehme», veranschaulichte er.

Zweitens setzt er auf Nachhaltigkeit, indem er ausschliesslich Schweizer Holz verwendet. Drittens sucht er den Kontakt zu Weinbauern: «Wenn in meine heimischen Fässer auch noch heimischer Wein abgefüllt wird, ist dies für mich das Höchste.» Kontakt pflege er auch zu den restlichen vier verbleibenden Küfern in der Schweiz, mit denen zusammen er einen Verband bilde und selbstverständlich auch über Preise spreche. «Absprachen bei den Preisen?», hakte Röbi Koller sogleich ein und leitete damit schwungvoll zu Gast Nummer zwei, Preisüberwacher Stefan Meierhans über: «Wie sehen Sie das?» «Schon nicht gerne», konterte dieser erwartungsgemäss. Bekanntermassen laute sein Credo «mit Leistungen und nicht über Preise trumpfen.»

Was ihn an seinem Beruf, in dem man doch ständig «angemotzt» werde, denn fasziniere, wollte Röbi Koller wissen.

Dialog mit Volk motiviert

Sein «Benzin» sei die Post, die er von den Leuten erhalte - täglich bis zu zehn Briefe, lautete die Antwort. «Jeder davon landet zuerst auf meinem Tisch», sagte Stefan Meierhans und werde auch, allenfalls von einem der sechzehn Mitarbeitenden, beantwortet. Der Preisüberwacher, so Röbi Koller, sei überall gefragt, wo es um Tarife gehe, bei den SBB, der Post etc. «Wie verhandelt man eigentlich mit einem internationalen Multi-Konzern?», wollte er wissen. Antwort: «Ich bestelle sie nach Bern, lege Fakten auf den Tisch, frage nach.» Dabei, so Stefan Meierhans, dürfe man nicht naiv vorgehen, denn: «Die wissen ja, dass sie vorsprechen müssen.»

Ob es wahr sei, dass er die Leute aufgerufen habe, im Ausland einkaufen zu gehen?, lautete eine weitere Frage. «So habe ich das nicht gesagt», negierte Stefan Meierhans. Allerdings schaue auch er, dass er , wann immer möglich, die bestmögliche Leistung zum bestmöglichen Preis erhalte: «Gemäss meiner Rolle als Preisüberwacher eben.» «Was für ein Stress!», so Röbi Kollers Kommentar. Konsument sein sei eben auch mühsam, gab Stefan Meierhans zu. Dies zeige sich jeweils im Herbst, wenn die neuen Prämien bekannt gegeben werden. «Dass nur zehn Prozent die Krankenkassen wechseln, wobei bei allen die Grundleistungen genau gleich viel kosten, kann ich nicht nachvollziehen.»

«Ich bin eine Gwerblerin»

Als dritte und letzte Persönlichkeit wurde Gardi Hutter zum Gespräch gebeten, von Röbi Koller charmant als «Local Star» angekündigt.

«30 Jahre auf der Bühne ausflippen, das tönt nach viel Spass im Berufsleben», leitete Röbi Koller ein. Das sehe sie ganz anders, meinte Gardi Hutter: «Mein Beruf ist hart; im Grunde bin auch ich eine Gwerblerin, die alles selber machen muss.» Stück erfinden, produzieren, finanzieren und noch vieles mehr - das alles gehöre in ihren Aufgabenbereich. Wobei: «Das Spielen selber ist dann schon sehr angenehm.»

Röbi Koller erinnerte nochmals an den grossen Empfang, den Altstätten ihr letztes Jahr anlässlich des Kuno-Bont-Filmes «Gardi Hutter - Die Unendlichkeit des Spiels» bereitete. «Eine wirklich grosse Wertschätzung», so Gardi Hutter, die als Clownin von Brasilien bis China auftreten kann.

Alles nach Plan

Zum Schluss erhielt unverhofft eine weitere Rheintaler Persönlichkeit noch eine Plattform: Der Föhn.

Rhema-Geschäftsführer Kurt Wettstein bedankte sich beim «ältesen Rheintaler», dass er gestern Montag «endlich den Geist aufgegeben hat.»




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