Tagblatt Online, 08. Februar 2012 01:04:00
Der stete Kampf um Geld um Boden
Wo sparen? So lautet eine der Fragen, über die sich unter der Leitung von Peter Nüesch (Mitte) vier Kantonsratskandidaten unterhielten: (von links) Walter Freund (Eichberg), Rolf Thurnheer (St.Margrethen), Peter Kuster (Diepoldsau) und Rolf Huber (Oberriet). (Bild: Gert Bruderer)
KRIESSERN. Beim Thema Sparen werden Landwirte hellhörig. Müssen sie nicht sowieso schon unten durch? Gestern lautete der Grundtenor: Man muss sich wehren. Nicht nur, wenn's um Geld geht. Auch mehr Boden will man nicht verlieren.
GERT BRUDERER
Das Selbstbewusstsein, das die Landwirtschaftliche Vereinigung Rheintal gestern an ihrer Hauptversammlung zur Schau stellte, kommt nicht von ungefähr. Immerhin bekennt sich die Schweiz zur «Ernährungssouveränität». Entsprechend hoch ist der Stellenwert, den die produzierende Landwirtschaft geniesst. Dass viel Selbstbewusstsein weiterhin gefragt ist, gab CVP-Nationalrat Markus Ritter aus Altstätten zu verstehen. «Der Kampf um den Boden ist entbrannt», meinte der Präsident des St.Galler Bauernverbandes.
«Das Rheinvorland den Bauern»
Nicht nur fürs Wohnen wird Land benötigt, auch die Ökologie setzt den Bauern zu; im Rheintal steht derzeit das Rheinvorland im Fokus. 250 Hektaren werden allein auf Schweizer Seite bewirtschaftet, aber die Landwirtschaft ist um ihr Land in Sorge. SVP-Kantonsrat Walter Freund, der die Landwirtschaftliche Vereinigung Rheintal präsidiert, ist klar gegen die Extensivierung des Rheinvorlandes. «Schnellstmöglich», blies Kantonsratskandidat und Parteikollege Peter Kuster ins gleiche Horn, sei eine Interessengemeinschaft der Pächter zu gründen.
Stärker sparen, aber wo?
Um so mehr, als der Kanton St.Gallen ein strukturelles Defizit und schlechte finanzielle Aussichten beklagt, ist stärker zu sparen. Aber wo? Im Parlament, bemerkte Ritter, sei man auf eine «grosse Gruppe bäuerlicher Kantonsräte» angewiesen, zu wichtig seien Projekte wie der Ausbau des Landwirtschaftlichen Zentrums Salez. Also fand, zu Werbezwecken, nach der HV ein Podiumsgespräch statt – mit drei SVP-Kandidaten und dem Oberrieter FDP-Gemeindepräsidenten Rolf Huber als einzigem Nicht-SVP-ler. Dieser plädierte dafür, dass noch mehr in die Höhe zu bauen sei, und meinte, mit der Verlagerung finanzieller Lasten vom Kanton auf die Gemeinden sei noch nichts gespart. Was also tun? Moderator Peter Nüesch aus Widnau wandte sich schelmisch an Walter Freund: Werden Leistungen an die Bauern gestrichen, zumal ja gerade die SVP stets gerne Steuererleichterungen propagiere? Rolf Huber gönnte sich die ironische Zwischenbemerkung «Jetzt aber ehrlich sein», wovon sich Walter Freund nicht beirren liess: «Die letzten Steuersenkungen waren schon richtig.» Sein Rezept: Der Verwaltung weniger Geld geben, dann werde zwangsläufig gespart. Und: warum nicht im Gesundheitswesen sparen; und bei der Kultur! Auch Rolf Thurnheer beklagte die «aufgeblähte Verwaltung» und will bei der Bildung zu einem «vernünftigen System» zurückkehren.
Über Migration wurde nur kurz geredet. Doch sie bleibt in TV-Sendungen ein Thema. Peter Kuster trat einmal in einer auf, sogar mit Willi Ritschard, in der «Tagesschau». Der Landwirt lacht. Da hatte man noch andere Probleme! Es ging um die Sommerzeit.
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