Tagblatt Online, 17. August 2011 01:04:23
CVP will mit Code-Plakaten auffallen
Wahlkampfleiterin Marlen Hasler testet die QR-Code-Funktion des neuen Werbeplakats. (Bild: Samuel Tanner)
Im Vorfeld der Wahlen kämpfen die Parteien um Aufmerksamkeit. Die CVP Rheintal versucht es seit dieser Woche mit einer Neuheit: Code-Feldern auf den Plakaten. Die Wahlkampfleiterin ist euphorisch. Doch ist das Angebot massentauglich?
Samuel Tanner
Rheintal. Mit achtzig Stundenkilometern donnern die Autos über die Verbindungsstrasse zwischen Heerbrugg und Berneck. Auf der Wiese steht ein orange-weisses Werbeplakat der CVP. «Die Originale des Rheintals» ist darauf zu lesen. Darunter sieht man so- genannte QR-Code-Felder.
Marlen Hasler ist die Wahlkampfleiterin der Rheintaler CVP-Nationalratskandidaten. Sie sagt: «Die nationale CVP arbeitet dieses Jahr erstmals mit solchen Codes. Diese Art politischer Werbung ist absolut neu.»
Zahlreiche Hürden
Doch was genau hat es mit diesen Codes auf sich? Der interessierte Plakate-Passant muss einige Schritte unternehmen, bis er auf den Nutzen stösst: Er muss zuerst die entsprechende QR-Code-Software für sein Mobiltelefon herunterladen. Via die nötige Handy-Kamera und das zuständige Programm kann er dann einen der Codes anvisieren – der vom Programm erkannt wird – und wird sofort weiterverbunden. Er landet auf der Homepage von Thomas Ammann, Markus Ritter oder Patricia Mattle – den Nationalrats-Kandidaten der Rheintaler Christdemokraten. QR wie Quick Response oder zu Deutsch: Schnelle Antwort. Neben den genannten, technischen Hürden kommt weiter hinzu: Wer mit dem Auto vorbeifährt, kann die Codes nicht aufnehmen. Auch wenn er nicht ganz achtzig Stundenkilometer fährt. – Dafür brauchte es mehr Zeit.
Dennoch gibt sich Marlen Hasler euphorisch: «Nach den ersten Erklärungen war ich sofort hin und weg.» Auch die Kandidaten seien von der Kampagne begeistert, sagt Hasler.
Aufgehängt wurden die Plakate diese Woche durch die Rheintaler Ortsparteien. Geplant ist, dass in zwei Wochen Porträt-Bilder der drei Kandidaten über die Codes geklebt werden. Und die Plakate damit auch jene Leute verstehen, die über kein Mobiltelefon mit QR-Code-Programm und Kamera verfügen. Die Aktion ist ein Vorläufer der Kopf-Plakate, die im weiteren Verlauf des Wahlkampfs folgen werden. Hinter der Idee steckt CVP-Werber Beat Stoller.
Primäres Ziel: Aufmerksamkeit
«Die Aktion ist durchaus auch als Gag zu verstehen», sagt Wahlkampfleiterin Marlen Hasler. Was für alle anderen Parteien gilt, hat offensichtlich auch die CVP zum Ziel: Möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Mit dem Slogan der schweizweiten Partei ist das kaum noch zu schaffen – zu sehr gleichen sich die Aussagen der bürgerlichen Parteien. CVP: «Ohne CVP keine Schweiz.» – SVP: «Schweizer wählen SVP.» – FDP: «Aus Liebe zur Schweiz.»
Zum Schluss des Gesprächs sagt Marlen Hasler aber: «Die Kandidaten sind natürlich wichtiger als kreative Plakate.» Und sie gibt sich optimistisch. Das Ziel der Rheintaler CVP sei, dass einer der drei Kandidaten nach Bern gewählt wird.
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