Tagblatt Online, 26. August 2010 08:08:00
Anwohner verteilen «Gestanksgazette»
Das Biogas stinkt nicht, auch nicht die Produktion, aber das oft schon gärende Grüngut, das dafür nötig ist. (Bild: Bild: René Schneider)
WIDNAU. «Wir haben genug», schimpfen Anwohner des Widnauer Einfamilienhausquartiers Maientratt. Kaum einen halben Kilometer südlich stinkt die Rhy-Biogas-Anlage. Deren VR-Präsident relativiert und verspricht weitere Verbesserungen.
Samuel Tanner / René Schneider
Die «Erste Gestanksgazette Widnau» trägt das gestrige Datum. Hergestellt und verteilt hat das A4-Flugblatt «Ihr Initiativkomitee vom Moosanger»; das laut anklagende Pamphlet trägt die Namen von fünf Familien aus dem Einfamilienhausquartier Maientratt. Das ruhige Quartier am Dorfrand liegt direkt an der Zonengrenze, angrenzend an das Naturschutzgebiet Moosanger und Rietflächen im Süden, den Binnenkanal im Westen, das Dorf im Rücken.
Gespräch vergeblich gesucht
«Seit nun mehr als zwei Jahren verpestet uns die Biogasbetreiberin Rhy-Biogas AG rücksichtslos nicht nur die Luft mit ekelhaftem Gestank, sondern produziert dazu noch unangenehmen Lärm und Berge von schwarz-braunem Abfall, welcher nicht rechtzeitig entsorgt, sondern als Misthaufenansicht und auch als neues Heim für Kanalratten herhalten muss.» Gemäss dem seitenlangen Schreiben fühlen sich die Unterzeichnenden weder von den Anlagenbetreibern noch den Behörden und der Gasverkäuferin Gravag ausreichend wahr- und ernst genommen.
Geduld am Ende
Man habe das Gespräch gesucht, Geduld bewiesen und sich vertrösten lassen. Dass der Gestank «kaum messbar» sei, bedeute nicht, dass es nicht stinke. Um den Forderungen nach Verbesserungen Nachdruck zu verleihen, trete man jetzt an die Öffentlichkeit und sammle weitere Unterschriften von Betroffenen. Weitere Ausgaben der «Gestanksgazette» werden angekündigt.
Verständnis und Verbesserung
Stefan Britschgi ist Verwaltungsratspräsident der Rhy-Biogas AG. Er kennt die Anliegen der polternden Anwohner und nimmt sie auch ernst: «Ich bin mir bewusst, dass die Anlage an einigen Tagen Gestank ausstösst.» Sein Team arbeite jedoch an Verbesserungen. So sei seit letztem Oktober die Produktion des Biogases geruchsneutral.
Nur bei der Anlieferung und Aufarbeitung der Abfälle bestehen noch Probleme, weil man nicht sofort verwendbares Grüngut im Freien zwischenlagern müsse. Ein Baugesuch für eine Halle (die den Gestank verhindern könnte), wurde abgelehnt, weil sie nicht zonenkonform wäre. Weiter prüfte die Rhy-Biogas AG die Verlagerung der stinkenden Prozesse – weil jedoch kein anderer Standort gefunden wurde, fiel auch diese Variante weg.
«Die letzte Möglichkeit wäre, nicht mehr alles Grüngut anzunehmen, um den Gestank der Lagerung zu umgehen», sagt Britschgi.
«Erst kürzlich sagten mir verschiedene Anwohner, es bestehe nur noch ganz selten eine erkennbare Gestanks-Belastung», relativiert der VR-Präsident die Aussagen der schimpfenden Gazetten-Herausgeber.
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Kommentar lesen
holli (26. August 2010, 12:31)
Richtigstellung !!!
Ihre Zeitung hat mehr als nur etwas falsch gemacht und wiedergegeben ohne Rücksprache:
Beitrag kommentieren1. Eine Gestanksgazette gibt es nicht, war nur eine Idee
2. Sowas wurde weder gedruckt noch verteilt.
3. Die Anlage stinkt nicht nur ab und zu sondern täglich.
Urs Hollenstein, Widnau
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