Tagblatt Online, 24. Februar 2010 01:00:45
«Kinder brauchen Werte»
Über das, worauf es im Leben mit Kindern eigentlich ankommt, referierte Cornelia Kazis, Redaktorin bei Radio DRS. (Bild: Bild: acp)
DIEPOLDSAU. Die Werte-Diskussion ist seit der Finanzkrise in. Das Fehlen von Werten in Wirtschaft und Gesellschaft wird angemahnt. Vom Wert der Werte in der Erziehung handelte der Vortrag, zu dem die Schule Diepoldsau-Schmitter eingeladen hatte.
ANDREA PLÜSS
Meist zwei Referate pro Jahr bietet die Schule Diepoldsau-Schmitter im Bereich Elternbildung an. Die Informationsanlässe für Eltern sind Schulpräsident Christian Sepin sehr wichtig. «Wir möchten wirklich gute Referenten hier haben, die zu aktuellen Themen sprechen», erklärt Sepin. Schön ist es dann natürlich, wenn der Vortragende nicht nur vor 20 oder 25 Leuten steht, sondern sich einem grösseren Kreis Interessierter gegenüber sieht.
Im letzten Herbst beschlossen Sepin und sein Amtskollege Reto Wambach von der Primarschule Balgach, die Anlässe zur Elternbildung zukünftig gemeinsam zu planen und zu veranstalten.
Neben der am vergangenen Montag in der Mehrzweckhalle Kirchenfeld durchgeführten Veranstaltung wird es in diesem Jahr noch zwei weitere Gemeinschaftsanlässe geben: Auch in Diepoldsau wird am 22. April ein Referat zum Thema «Neue Medien» angeboten. Hierzu werden die Eltern von Mittelstufenschülern beider Gemeinden eingeladen.
In Balgach sind am 10. November wieder alle Eltern von Kindern ab Kindergartenalter bis in die Oberstufe beim Vortrag «Lernen lernen» angesprochen.
Grosses Interesse
Durch Handaufzeigen bat Schulpräsident Sepin zu Beginn die Eltern, sich als Diepoldsauer oder Balgacher zu erkennen zu geben. «Etwas mehr Diepoldsauer scheint es zu haben», kommentierte Sepin die Umfrage, die deutlich machte, dass tatsächlich – wie gewünscht – Eltern aus beiden Gemeinden erschienen waren.
Und dies sehr zahlreich. Referentin Cornelia Kazis zeigte sich erfreut über die etwa 250 Besucher. Sie habe schon Bedenken gehabt, da kurz vor 19 Uhr noch kaum einer im Saal gesessen hätte, so die Fachfrau für Bildungs- und Erziehungsfragen, die seit Jahren als Redaktorin bei Schweizer Radio DRS tätig ist. «Elternbildung floppt sonst», meinte sie, aber in Diepoldsau seien sogar viele Väter anwesend, was eher selten sei bei Erziehungsthemen.
Keine Sonntagsrede
Einen Wert für jeden Wochentag besprach die Referentin auf assoziative, spielerische und bildhafte Weise. «Ich will keine Sonntagsrede halten», erkärte Kazis gleich zu Beginn. Für sie wandelten sich zwar die Werte im Laufe der Zeit, aber «sie zerfallen nicht im Nichts». Verschiedene Epochen brachten ihre Leit-Werte hervor. Nur die Liebe «setzt keine Patina an» und ist ein zeitlos aktueller Wert.
Kinder und Jugendliche brauchen keine gepredigten Werte. Entscheidend ist, was wir, die Erwachsenen, die Eltern, Lehrer und Erzieher ihnen vorleben, machte die Journalistin klar. Eine wertfreie Erziehung ist für Kazis «gar nicht vorstellbar». Jedem Wochentag einen Wert zuordnen heisst: Wir richten an diesem Tag unsere Aufmerksamkeit besonders auf diesen Wert.
Bei der Selbständigkeit – dem Montagswert – zum Beispiel, sind die Eltern angehalten, genau zu schauen, was das Kind schon kann. Wie bringen wir Kinder dahin, nicht einfach nur selbst zu bestimmen, sondern auch noch sinnvoll zu entscheiden? Wie können es die Eltern schaffen, loszulassen? Hier kann das «Was-wenn-Spiel» helfen. Kinder formulieren Fragen und diskutieren dann mit Eltern und Geschwistern mögliche Antworten.
Dabei entwickeln Kinder oft überraschende Lösungen; werden gedanklich selbständig und trainieren dazu noch ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit.
Vorbild sein
Wenn es um den Wert «Achtung» geht, sind Eltern und Erwachsene aus dem engeren Umfeld die Normgeber. «Bitte und Danke lernt man nur über die Vorbildfunktion», erläutert Cornelia Kazis. Ausserdem muss man sich kritisch fragen, wie höflich und respektvoll man denn selber ist im Alltag.
Mit der Betrachtungsweise, die jeden Tag einen Wert ins Zentrum stellt, bleiben die grossen, anspruchsvollen (Erziehungs-)Aufgaben «portionsweise handhabbar», ermuntert die Referentin.
Wir müssen alle nicht perfekt sein. «Genügend gute Eltern/ Lehrer/Trainer) sind gut genug.»
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