Tagblatt Online, 23. Februar 2012 01:06:00
«Gehe sicher nicht auf den Jakobsweg»
Jakob Schegg fast privat, gestern Abend, bei den Mitgliedern des DU. (Bild: René Schneider)
BERNECK Noch bis Ende des Jahres ist Jakob Schegg Gemeindepräsident von Berneck. Er gehe auch im zwanzigsten Amtsjahr jeden Tag gern ins Rathaus, erzählte er gestern an der Hauptversammlung des Vereins DU, Dorf&Umwelt, Berneck.
RENé SCHNEIDER
«Zum Glück leben wir nach dem gregorianischen Kalender», witzelte Jakob Schegg gestern vor fünfzig Mitgliedern der grünen Dorfpartei. Nach einem Maya-Kalender gehe am 21. Dezember die Welt unter – «genau an meinem letzten Arbeitstag». Er werde trotzdem bis zum letzten Tag seriös arbeiten und seinem Nachfolger oder der Nachfolgerin einen aufgeräumten Arbeitsplatz wie auch ein geordnetes Amt übergeben. Sein Publikum bat er schon mal, den demokratisch gewählten Neuen oder die Neue tatkräftig zu unterstützen.
Aus der Ratsstube
Eine Stunde lang plauderte Schegg auf Einladung des DU aus der Ratsstube, ohne aber Personen zu erwähnen. Er erzählte engagiert, authentisch, witzig, ehrlich, einfühlsam von Lustigem, nachdenklich oder wütend Machendem, Berührendem, Verletzendem, Erhebendem, Vergnüglichem aus zwanzig Jahren Amtszeit. Und als lokalgeschichtlich Versierter liess er nicht unerwähnt, dass er 1992 nach 500 Jahren Bernecker Geschichte wieder der erste Gemeindammann mit Namen Schegg war, aber nun auch der letzte, weil das Amt inzwischen anders heisst.
Helgen zur Illustration
Einen Teil seines Referates illustrierte Jakob Schegg mit Schnitzelbank-Helgen, von denen er gegen fünfzig in seinem Estrich stapelt. Manche haben ihn gefreut, andere weniger, einige haben «unter die Gürtellinie gezielt». Die zeigte er nicht. Erwähnung fanden etwa die 12-jährige politische Odyssee zur Mehrzweckhalle, seine verbrannten Haare beim Freiwilligen-Einsatz, dass er an der Bürgerversammlung die Bernecker Feuerwehr «Rotlicht-Organisation» nannte, die Anfeindungen vor den letzten Gemeinde-Wahlen sowie die «Aktion Pro Scheggo».
Lebensnah
«Eigentlich schade, dass er aufhört», war nach dem kurzweiligen Vortrag an den Tischen zu hören. Der Referent hatte sich nicht zum Star des Abends gemacht, sondern sich als Bürger unter Bürgern gezeigt. So habe er sein wollen, von Anfang an, sagte er. Nicht König, nicht Kaiser, sondern betrauter Diener der Gemeinschaft. «In meinem Dorf.» Agiert hat er mit Mut, Ecken und Kanten zuweilen, aber auch mit Herz und Seele, Schwächen auch – und einem Helfersyndrom, wie er freimütig bekannte.
Sein Weggang werde «kein Weltuntergang sein», versprach er. Ebenso liess er alle wissen, dass er sich auf sein Leben ohne Terminkalender freue, mit mehr Partnerschaft, mehr Familienleben. Starten werde er in die Pensionszeit im nächsten Frühling mit einer Wanderung, einen Monat lang, allein, weit weg von Berneck, «aber nicht auf dem Jakobsweg».
- Artikel empfehlen:









Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben