Leader auf und neben dem Platz

FUSSBALL ⋅ Dank einer guten ersten Halbzeit gewinnt der FC Rebstein gegen Triesen verdient mit 2:0. Mittelfeldspieler Rico Köppel erzielt das Führungstor. Er hat nicht nur auf dem Fussballplatz die Rolle des Leaders.
03. Oktober 2017, 05:17
Beni Bruggmann

Beni Bruggmann

«Ich organisiere, habe Verständnis für einen Fehler und bleibe ruhig.» So beantwortet der 25-jährige Rico Köppel, gelernter Verkaufsfachmann, die Frage, was er von seiner beruflichen Tätigkeit mit auf den Fussballplatz nehmen könne. Zusammen mit seinem Bruder Benno ist er seit einem Monat Geschäftsführer einer Renault-Garage in Marbach, die zwölf Angestellte beschäftigt. Das ist das Berufs-Team. In der Freizeit ist er in einem Fussball-Team daheim, beim FC Rebstein.

An diesem Sonntag im Match gegen Tabellennachbar Triesen setzt er die Worte in die Tat um: Er organisiert. Als Mittelfeld­spieler kurbelt er das Spiel sei­- nes Teams an. Er bestimmt den Rhythmus. Er beruhigt, hält den Ball, spielt sichere, kurze Pässe und wechselt dann mit einem schnellen Direktpass plötzlich die Kadenz. Er ist stark im fairen Zweikampf und begeht nur zweimal ein Foul. Er geht weite Wege, schliesst hinten Lücken und taucht auch im gegnerischen Strafraum auf.

Ruhig beim Führungstor vom Penaltypunkt aus

In der zehnten Minute beweist er erstmals seine Ruhe. Er tritt zum Penalty an und verwertet ihn sicher zur 1:0-Führung. Das ist der Auftakt zu einer gefälligen ersten Halbzeit. Das 2:0, durch Philip Baumgartner nach einer halben Stunde erzielt, ist eine eher magere Ausbeute.

«Eine höhere Führung wäre möglich gewesen», sagt Köppel, «weil wir uns gut bewegt haben und den Ball laufen liessen.» Das ändert sich in der zweiten Halbzeit. Die Gäste engen den Spielraum ein, das Spiel wirkt verkrampft. Am Schluss wird es ein glanzloser Sieg und der Sprung auf Platz drei.

Fussball-Familie zu Hause und auf der Birkenau

In der Marbacher Familie Köppel liebt man den Fussball. Vater Kurt und seine beiden Söhne sind Fussballer, Tochter Andrea spielte früher bei den Frauen in Widnau. Auch ihre Schwester Katja ist sportlich, sie ist im Turnverein. Rico Köppel sagt: «Wir haben oft auf der Strasse Fussball gespielt – und dann natürlich beim FC Rebstein.»

Vom FCR ist er begeistert: «Das ist mehr als ein Verein. Das ist eine Familie. Wir helfen alle mit, sei es bei der Papiersammlung oder beim Zeltaufstellen.» Zum Zusammenhalt gehört auch das Singen. Nach dem Sieg gegen Triesen putzen die Spieler am Trog ihre Schuhe und singen. Das Liederbuch, das fünf ehemalige FCR-Spieler herausgegeben haben, macht aus Fussballern zwar keine grossen Sänger, aber doch fröhliche Sportler. «Ich geniesse es, auf der Birkenau einfach einmal abzuschalten», sagt Köppel.

Gerne erinnert er sich, wie er im Alter von 16 Jahren bereits zu Einsätzen in der ersten Mannschaft in der 3. Liga gekommen ist. «Meine neuen Kollegen haben mich herzlich aufgenommen, ich fühlte mich sofort wohl.» Michael Lehnherr, der damalige Trainer, setzte auf die Jungen. Rico spielte auf dem rechten Flügel. Der Anfang war gemacht. «Natürlich ist mein Lieblingsplatz nicht im Sturm, sondern im zentralen Mittelfeld», schmunzelt er. In jungen Jahren profitierte er auch von Auswahl-Trainer Christoph Weishaupt, der ihn während der beiden Jahre im Rheintal-Bodensee-Team taktisch weiter brachte, und von Juniorentrainer Willi Haltiner, der dem feinen Techniker das Kämpfen beibrachte.

Das Saisonziel des FC Rebstein ist ein Rang unter den ersten drei. Mit der Leistung aus der ersten Halbzeit ist das realistisch. Und ein Aufstieg in die 2. Liga mit den vielen Rheintaler Derbys? «Schön wär’s …»

Neben dem Fussballteam und dem Berufsteam gibt es im Leben von Rico Köppel noch ein drittes, ein kleines Team: Zusammen mit seiner Partnerin Fabienne Seitz aus Rebstein wohnt er jetzt in Heerbrugg. Dieses Team braucht keinen Leader.


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