«Lauter gewordene Werke»

ALTSTÄTTEN ⋅ Josef Ebnöther ist im Mai achtzig geworden. Dies wird den ganzen Oktober über mit einer grossen Ausstellung im Kulturraum Jung Rhy gefeiert. Am Donnerstag war Vernissage.
07. Oktober 2017, 05:20
Max Tinner

Max Tinner

 

Wo ist der Anfang eines Bildes? Beim ersten Pinselstrich auf der Leinwand? Oder schon bei der ersten Idee des Künstlers für ein Bild? Oder ist es erst jene entscheidende Skizze, die dann weiterentwickelt wird? Für Theo Frei ist nichts davon relevant. Er hält sich an den österreichischen Philosophen Konrad Paul Liessmann, nach dem erst das fertige Kunstwerk dessen Anfang zum Anfang macht: «Dort wo nach einem Anfang nichts mehr weitergeht, gab es letztlich keinen Anfang», folgerte Frei in sei­- ner Vernissageansprache. Umso mehr freut er sich über die zustande gekommene Ausstellung: «Lauter gewordene Werke!», frohlockte er mit einem Blick in den Raum und wandte sich dann direkt an Ebnöther: «Danke für dieses Geschenk!»

Theo Frei, im Diogenes-Theater seit Jahrzehnten eine treibende Kraft im Hintergrund, und der Autor und Schauspieler Jack Griss sind wie der Kunstmaler Josef Ebnöther Urgesteine der Altstätter Kulturszene. Jeder Einzelne sieht sich als Wegbegleiter der jeweils andern beiden. So verwundert es nicht, hat Ebnöther Griss und Frei gebeten, zur Eröffnung seiner Ausstellung im Kulturraum Jung Rhy zu sprechen. Griss erinnerte sich an eine frühere Ausstellung Ebnöthers vor 40 Jahren, an der er ebenfalls schon gesprochen hat.

Josef Ebnöther betrachtet viele andere Kulturschaffende ebenfalls als Weggefährten. Fünf befreundete Skulpturisten hat er gebeten, seine Bilder um einige Plastiken zu ergänzen, allen voran seinen Sohn Pli Ebnöther, wei­- ter den Vorarlberger Herbert Albrecht, den St. Galler Hans Thomann und die beiden aus Deutschland stammenden Künstler Armin Göhringer und Robert Schad. Es sind kleinere Werke oder filigran durchscheinende, die diese in den Raum vor die Bilder gestellt haben. Sie bewiesen damit Fingerspitzengefühl – die Skulpturen lenken nicht ab, sondern betonen die Bilder Ebnöthers.

Kunst ist gesund

Das Patronat der Ausstellung hat das Museum Altstätten übernommen. Die Museumsgesellschaft erachte es als ihre Aufgabe, das kulturelle Erbe Altstättens und damit auch das Werk Ebnöthers der Bevölkerung zugänglich zu machen, erklärte deren Präsident Paul-Josef Hangartner. Als Mediziner im Ruhestand erlaubte er sich auch eine Diagnose: Die 80 Jahre sehe man Josef Ebnöther nicht an. Sein künstlerisches Schaffen halte ihn offensichtlich jung. Er freue sich jetzt schon auf viele weitere Ausstellungen.

Wer mag, darf summen

Reges Interesse fand während des Eröffnungsabends auch das Filmporträt, das der Bernecker Filmemacher Peter Sonderegger über Josef Ebnöther realisiert hat. Es ist während der ganzen Ausstellungsdauer zu sehen. Auf eine musikalische Umrahmung wurde an der Vernissage verzichtet. «Betrachten Sie die Bilder und summen Sie dabei vor sich hin», ermunterte Jack Griss die Vernissagegäste, «Sie werden sehen, das ergibt einen wunderbaren Raumklang.» Zu summen wagte dann allerdings niemand und wird sich wohl auch während der noch folgenden Ausstellungstage kaum eine Besucherin oder ein Besucher getrauen. Das ist aber auch nicht nötig. Josef Ebnöthers Bilder wirken genug.

Hinweis

Die Ausstellung ist noch zu sehen bis 29. Oktober: jeweils donnerstags und freitags von 17 bis 21 Uhr und samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr.

www.josefebnoether.ch


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