Kanti Heerbrugg führt Informatik nächstes Schuljahr ein

HEERBRUGG ⋅ Informatik soll bis spätestens 2023 zum Pflichtfach an Gymnasien werden. Die Erziehungsdirektoren aller Kantone haben dies beschlossen. Die Kanti Heerbrugg indes führt das Fach bereits im nächsten Schuljahr ein.
06. Dezember 2017, 05:22
Benjamin Schmid

Benjamin Schmid

Zukünftige Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler werden an der Kantonsschule Heerbrugg in den ersten beiden Jahren jeweils zwei Lektionen pro Woche in Informatik unterrichtet. Der Erziehungsrat des Kantons St. Gallen hat am 15. September beschlossen, dass das Fach zusätzlich unterrichtet wird. Es werden keine Lektionen in anderen Fächern gestrichen werden müssen.

Kantonsregierung hat Einführung genehmigt

Dieser Ansicht folgte auch die Regierung des Kantons und genehmigte am 26. September die vom Erziehungsrat erlassene Stundentafel für Gymnasien. «Wir freuen uns über den Entscheid zur Einführung des Informatikunterrichts», sagt Judith Mark, Rektorin der Kantonsschule Heerbrugg, und ergänzt: «Angesichts der Digitalisierung der Gesellschaft bildet das Fach Informatik eine wichtige Ergänzung des breiten Fächerangebots an Gymnasien.»

Im Gegensatz zu Grundlagenfächern wie Deutsch oder Mathe beeinflussen obligatorische Fächer wie Informatik die Maturitätsnote am Ende der Schulzeit nicht.

Informatik nicht promotionsrelevant

Der Informatikunterricht wird an den Gymnasien im Kanton auch nicht promotionsrelevant sein. Dies senke nach Meinung des Erziehungsrats die Schülerbelastung und gleiche teilweise die Mehrbelastung durch die höhere Anzahl Schulstunden aus. Da der Kanton St. Gallen den obligatorischen Informatikunterricht im nationalen Vergleich frühzeitig einführen wird, stellt sich die Frage, ob einerseits geeignete Lehrpersonen zur Verfügung stehen und andererseits die nötige IT-Infrastruktur vorhanden ist. Christian Haas, ICT-Verantwortlicher der Kantonsschule Heerbrugg, gibt Entwarnung: «Die benötigte Infrastruktur ist weitgehend vorhanden und die Lehrpersonen sind gut geschult, um einen modernen und lehrreichen Unterricht zu gewährleisten.» Hingegen sind vor allem die Schülerinnen und Schüler gefordert, schliesslich sei es gemäss Gustavo Aeppli, FG-Präsident Informatik an der Kantonsschule Heerbrugg, beim Informatikunterricht besonders wichtig, viel selber zu machen und auszuprobieren.

Nebst der Nutzung von Anwendersoftware werden vor allem Themen wie Programmierung, Simulation, Robotik, aber auch Kryptografie, Computerbau und Webseitenerstellung geschult. Es handelt sich dabei also nicht, wie in den 1970er- bis 1990er-Jahren irrtümlich gelehrt, um modernen Mathematikunterricht, sondern um eine eigenständige Disziplin.

Mit digitaler Welt vertraut machen

Ausserdem werden nach Ansicht Gustavo Aepplis gesellschafts­relevante Themen wie Social Media und Datensicherheit behandelt.

«Die Schüler werden mit der digitalen Welt vertraut gemacht und können sich darin bewegen», sagt auch der ICT-Verantwortliche der Kantonsschule Heerbrugg, Christian Haas. Ziel sei es, dass die Schülerinnen und Schüler für ihr späteres Studien- und Berufsleben gut gerüstet sind und im internationalen Wettbewerb bestehen können.

 

Informatik wird Pflichtfach

Aargauer Gymnasien nehmen die Vorreiterrolle ein, wenn es um die Einführung eines obligatorischen Informatikunterrichts an Mittelschulen geht. Seit dem Schuljahr 2016/2017 wird Informatik unterrichtet. Auf nationaler Ebene braucht es zuerst eine Revision der gesetzlichen Grundlagen von Bund und Kantonen. Stimmen Bundesrat und Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) dem revidierten Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) zu, müssen die Gymnasien schweizweit bis 2023 Informatik als Pflichtfach an den Gymnasien anbieten. Im Kanton St. Gallen wird das schon im nächsten Jahr der Fall ein. (bes)


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