«Ein Geschäft sind die Konzerte nicht»

ALTSTÄTTEN/RÜTHI ⋅ Auch wenn es vielleicht kein Geschäft ist: Bei einem Konzert eine volle Beiz zu haben, nennt Bruno Gächter ein gutes Gefühl. Auch andere Wirtsleute verstehen Konzerte als Chance für (eher junge) Musiker.
06. Oktober 2017, 05:20
Gert Bruderer

Gert Bruderer

Konstanz sowie ein ausgeklü­geltes Konzept ist das Erfolgsrezept des Altstätter Restaurants Frauenhof. Seit bald fünf Jahren treten jeden ersten Donnerstag im Monat die Brüder Lenzin auf, mit wechselnder Begleitung. Nirgendwo sonst hat Musik einen so unbestrittenen Stellenwert, was allerdings fünfzig grosszügige Sponsoren ermöglichen.

2500 Franken Gage sind ausgeschlossen

Im Rüthner British Corner finden seit zwölf Jahren Konzerte statt, obschon Bruno Gächter kaum einen Werbeeffekt feststellt. Er selbst hat Spass an den Konzerten, der Aufwand ist zweitrangig. «Polyphone» aus Chur waren noch «ganz jungi Buebe», als sie erstmals in Rüthi auftraten – zu einer Zeit, als auch im «Grütli» noch Konzerte stattfanden und das Dorf eine Art musikalische Hochburg war, besonders für erdigen Blues.

Auch Profimusiker sind immer wieder zu hören, Bands aus aller Welt, am 6. Oktober Tommy Ciccone aus Philadelphia, der letzten Winter im Altstätter «Schlüssel» ein Konzert gab. Eine irische Band, die Bruno Gächter gern nach Rüthi gebracht hätte, wäre für 2500 Franken gekommen, aber eine solche Gage «kommt natürlich nicht in Frage».

Der Aufwand ist erheblich

David Mäder, «Sitegass»-Wirt in Altstätten, gibt Regionalem den Vorzug und hat eine klare Regel: Die Band erhält 500 Franken. Kommt mit der Kollekte mehr zusammen, erhält die Band alles, ist am Ende weniger im Hut, bezahlt der Wirt den fehlenden Betrag.

«Des Geldes wegen müsste ich die Konzerte nicht machen», sagt David Mäder, «denn sie bedeuten nicht zwingend mehr Gäste.» Doch wie Gächter mag er Live-Musik und die jedes Mal sehr gute Atmosphäre. Was am besten ziehe, lasse sich nicht sagen – wer Konzerte möge, komme sowieso, sagt Mäder, der schon anderswo als Gast einem Live-Auftritt beiwohnte und exemplarisch erfuhr, dass selbst ein noch so guter Sound nicht unbedingt Erfolg bringt. Mäder sagt: «An jenem Abend waren wir zu zwölft.» Der Aufwand sei erheblich, zudem gehe es nicht ohne Werbung. Speziell und schön und doch auf keinen Fall rentabel sei die Irish Night. Sechs Bars führen den Anlass gemeinsam durch, bei freiem Eintritt, ohne Kollekte, aber mit einer vom Wirt zu bezahlenden Gage.

Kulinarik passt zu gutem Sound

Anders als Gächter (mit knapp einem Dutzend Konzerten pro Jahr) und Mäder (mit rund der Hälfte), setzt das Restaurant Frauenhof auf einen jeweils nicht nur coolen Abend, sondern auch aufs kulinarische Erlebnis. Dass das heutzutage durchaus ziehen kann, ist nicht nur den Sponsoren zu verdanken, sondern zudem treuen Gästen und der Zugkraft der Lenzin-Brüder, die frei von Allüren das musikalische Zepter führen.

Im Sommer, draussen, gibt’s ein Buffet, drinnen immer eine kleine Speisekarte. Zuerst wird gegessen, dann folgt das Konzert. Die Kombination ist so bewährt, dass beim Konzert im August gut siebzig Absagen unumgänglich waren.

Das freut zwar die Abgewiesenen nicht, verleiht dem Ganzen aber mehr als einen Hauch von Exklusivität.


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