Auszeichnung für ältesten Jungunternehmer

HEERBRUGG ⋅ Er stand ein Jahr vor der Pensionierung bei Leica Geosystems, als er sich selbstständig machte. Heute ist Arthur Philipp Inhaber einer weltweit tätigen Firma mit 140 Mitarbeitern. Und wird demnächst mit dem Preis der Rheintaler Wirtschaft ausgezeichnet.
05. Oktober 2017, 05:18
Seraina Hess

Seraina Hess

Wer mit Arthur Philipp Schritt halten will, muss sich beeilen. Das mag daran liegen, dass sich der Unternehmer in den inzwischen über 6000 Quadratmeter umfassenden Firmengebäuden auskennt wie kein Zweiter, sei es im Labor oder in der Produktion. Oder aber daran, dass die bald 80 Lebensjahre in seinem Wesen kaum Spuren hinterlassen haben. Ob Praktikant oder langjähriger Mitarbeiter, er grüsst sie alle mit Namen, und sie grüssen per Du zurück. «Ich fühle mich jung, und so fühlte ich mich auch kurz vor der Pensionierung, als ich das ­Risiko auf mich nahm und das Labor, das ich 16 Jahre lang geleitet hatte, übernommen habe», sagt der 79-Jährige.

Vom Kleinbetrieb zum Marktführer

Aus dem «Labor Philipp», wie es intern genannt wurde, entstand 2002 die APM Technica AG als Management-Buy-out aus dem Profit Center «Werkstoff- und Verfahrenstechnologie» der Leica Geosystems AG. Durch den Kauf der Abteilung konnten Arthur Philipp und sein Team – damals bestehend aus 18 Mitarbeitern – noch mehr Kompetenzen in allen Verbindungsfragen aufbauen. APM Technica bietet heute spezialisierte Lösungen, entweder Produkte aus dem Sortiment oder eigens für den Kunden gefertigt. Zu den belieferten Branchen gehören Optik, Gerätebau, Kunststoffverarbeitung, Elektronik, die Automobil-Industrie und Medizinaltechnik. «Nach Heerbrugg kommt, wer mit Klebstoffen oder Oberflächen ein Problem hat», sagt Philipp. Aus dem Kleinbetrieb ist somit ein Marktführer mit derzeit 140 Mitarbeitenden und Standorten in Heerbrugg, auf den Philippinen, in München, La Chaux-de-Fonds und Cham geworden.

Wenig erstaunlich also, dass die Rheintaler Unternehmer dem 79-Jährigen Respekt zollen. Am Mittwoch wurde bekannt: Arthur Philipp erhält für seine Aufbauarbeit und sein Lebenswerk den Preis der Rheintaler Wirtschaft 2018, der durch den AGV Rheintal, den Verein St. Galler Rheintal und das Rheintaler Wirtschaftsforum vergeben wird.

Die Jury, der Karl Stadler vorsitzt, begründet: «Arthur Philipp verdient den Preis insbesondere durch sein Unternehmertum, seinen Mut und sein gesellschaftliches Beispiel, mit 64 Jahren das Management-Buy-out von Leica durchzuziehen und bis heute neugierig zu bleiben und Freude an allem Neuen zu haben.»

2014 gehörte Arthur Philipp bereits zu den Unternehmerpreisträgern des Prix SVC Ostschweiz – der Preis der Rheintaler Wirtschaft verdeutliche ihm aber eines ganz besonders: «Auch als Zürcher wird man in dieser Region herzlich aufgenommen und geschätzt.» Ins Rheintal gezogen war Arthur Philipp aufgrund des Jobs im Labor bei der ehemaligen Firma Wild, den der studierte Chemiker und Metallurg so sehr schätzte, dass er ihn noch heute als Hobby bezeichnet – was den Entschluss, den Ruhestand sein zu lassen, erklärt. «Abgesehen von Segeln und Wassersport hätte ich gar nicht gewusst, was mit der Zeit anfangen», sagt Philipp. Wochenenden und Ferien verbringt er mit der Gattin zwar stets auf dem eigenen Boot auf dem Zürichsee; auch dort ist ein Büro eingerichtet, erreichbar ist er zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Die Nachfolge bleibt ein Projekt

Und doch, mit 79 muss sie irgendwann kommen, die Frage nach der Nachfolgeregelung. Bei jeder Investition, jedem Grossauftrag kommt diese zur Sprache. «Noch denke ich nicht ans Aufhören», sagt der Unternehmer. Was er bereits aufgebaut habe, sei ein fähiges Team, das die Firma auch ohne ihn weiterführen könnte. Kinder hat er keine, Management-Buy-out könne er von der Geschäftsleitung nicht erwarten. «Ich werde im nächsten Jahr einen Zeitplan aufstellen müssen», sagt Philipp. Bis dahin, so hofft er, werde er weitermachen wie bisher.

Hinweis

Am 23. November wird der Preis im Firmengebäude der APM Technica AG überreicht. Die öffentliche Verleihung findet am Rheintaler Wirtschaftsforum am 19. Januar 2018 mit der Übergabe der Jenny-Skulptur statt.


Leserkommentare

Anzeige: